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Review: Minas Morgul
 
TODESSCHWADRON OST

Album:
 TODESSCHWADRON OST, 2005, Black Attakk

Stil:
 Black Metal / Pagan Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.J., 18.04.2006

Review:
 TODESSCHWADRON OST, so lautet der Titel des zweiten Albums von Minas Morgul, einer deutschen Black Metal Truppe, die mir noch gänzlich unbekannt ist. Natürlich ist gerade im Black Metal nicht immer alles wie es auf den ersten Blick scheint, aber ein wenig misstrauisch bezüglich der "Ausrichtung" der Band bin ich zuerst doch. Also zunächst einmal: CD auf den Plattenteller, Ich auf's Bett. Zuhören. Booklet durchblättern. Staunen.

Jegliche Bedenken stellen sich gleich als unbegründet heraus. Keine Lobhymnen auf Krieg, keine politischen Texte. "Ein Meister des Blutes" peitscht mir im treibenden Midtempo um die Ohren. Einen kleinen Pagan-Auschweif gibt es im Refrain, dann wird weitergerumpelt. Nicht besonders schnell, dafür sehr rhythmisch und riffbetont.
"Der Herr der Erde" führt das konsequent weiter, jedoch kommen die klaren Gesänge wie auch in den folgenden Songs "Die Stunde des Wolfes" und besonders "Wulf" stärker zum Tragen und verstärken den Pagan-Touch. Minas Morgul halten sich dabei klar melodiös, doch auch Parts um die Nackenmuskulatur im Training zu halten kommen nicht zu kurz. Der Gesang wechselt oft zwischen typischem Black Metal-Gekeife und klaren Vocals. Das ist zwar nicht neu, weiß hier aber zu überzeugen.
Weiter im Programm geht's mit "Ein Schatten". Eine weitere Midtemponummer, diesmal ausgestattet mit einigen Breaks, die bisweilen das Stück aus dem Zusammenhang zu reißen scheinen, wenn sie nicht gerade mit schnelleren Headbanger-Parts fortgeführt werden.
Der Titeltrack "Todesschwadron Ost" ist da nicht anders, und so allmählich fehlt der CD ein wenig Abwechslung. Zwar sind die Melodien nicht schlecht, der Rhythmus antreibend, aber einfach doch nicht vielseitig genug.
Das bessert sich mit "Noir" schlagartig. Das Tempo wird angezogen, die Double-Bass ballert, und man ist automatisch zumindest zum Mitnicken gezwungen. Das Tempo wird weiter gesteigert, und das ist auch genau richtig. Wenn das Drumset doch nicht so viel Echo hätte. Hoffen wir, dass dieser Effekt ungewollt durch die Wände eines kleinen Kellerstudios zu Stande kam, und nicht etwa Resultat einer gewollt eigenen Produktionsart ist.
In "Stahlpakt 54" kehrt man wieder zum Midtempo/abgehackte Riffs - Schema zurück. Nicht schlecht, aber doch irgendwie erst kürzlich schon mal gehört.
"Wie's uns gefällt" beginnt gemächlich, und ändert sich auch bis zum Ende kaum. Parallelen zu Bergthron oder Taunusheim sind auffallend, und so macht der Track Spaß und eignet sich bestens zum Met-Abend mit den Wikingerfreunden.
"Tag/Monolithen des Todes" reißt den Hörer brachial aus der Feierlaune. Was rasant beginnt, wird aber doch zu schnell wieder abgehackt, unterbrochen, und oft gar nicht mehr weitergeführt. Zu konfus, die Drums eigentlich schon zu abwechslungsreich. Mag sein, dass man es mir nicht recht machen kann, aber das, was sich im Laufe der ersten CD-Hälfte an Eintönigkeit angesammelt hat, soll hier in einem Song wieder ausgeglichen werden, so scheint es mir zumindest. Leider funktioniert das aber nur rechnerisch. Das wohl bekannte Goebbels Zitat der Sportpalastrede findet Verwendung, und so werden zumindest die Nörgler einen Kritikpunkt haben, an dem sie (unberechtigter Weise) herumnörgeln können.
Vom Diktator geht's gleich weiter zur Gegenseite: "K-47/Kalaschnikow-Standgericht" erklärt mir im Intro etwas über die Guerillakriege. Musikalisch weiß der Song jedenfalls zu überzeugen, auch wenn er leider wieder recht konfus ist.
Als Bonus gibt es noch "Har-Har-Karaz" der noch einmal einen melodiösen, zum Haare-schwingen einladenden Midtempo Erguss bietet.
Auf jeden Fall noch zu erwähnen ist die 34(!) Seiten umfassende Erklärung, die eine lange Einleitung, sowie sämtliche Songtexte und Erklärungen dazu enthält. Das mag auf manchen Hörer hochgestochen, auf den wahren Künstler inkonsequent wirken, ist aber mit Minas Morgul's Erklärung einfach nur angemessen. Die Leistung sollte auf jeden Fall berücksichtigt werden, schließlich gibt es ein mehrseitiges CD-Booklet noch obendrein, und mal im Ernst: Wo im Underground bekommt man so viel geboten?

Fazit: Viel Engagement, was aber kompositorisch ein wenig zu viel des Guten ist. Mein Tipp: Ein paar Kanten abfeilen, die Wut weiter kanalisieren, und dann erneut mit gesteigerter Brachialität zuschlagen. Denn schlecht ist "Todesschwadron Ost" bei Leibe nicht, nur noch nicht ganz ausgereift.

Titel-Liste:
 
  1. Ein Meister des Blutes
  2. Der Herr der Erde
  3. Die Stunde des Wolfes
  4. Wulf
  5. Ein Schatten
  6. Todesschwadron Ost
  7. Noir
  8. Stahlpakt 54
  9. Wie's uns gefällt
  10. Tag/Monolithen des Todes
  11. AK-47/Kalaschnikow Standgericht
    - - - Bonus Track - - -
  12. Har-Har-Karaz

Laufzeit:
 65 :42 Min.

Band-Infos:
 
  • www.minasmorgul.org 


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