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Review: Motörhead
 
KISS OF DEATH

Album:
 KISS OF DEATH, 2006, Steamhammer

Stil:
 Heavy Rock

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 B.M., 04.11.2006

Teamwertung:
JG JR SJ BM MK Ø
6,0 6,0 5,0 6,5 5,0 5,7

Review:
 Es gibt Sachen auf der Welt, von denen man weiß, dass sie immer wiederkommen. Seien es Naturkatastrophen, die Gezeiten, oder Motörhead. Im Gegensatz zu Mutter Natur weisen die drei Herren von der Insel noch keine Spur von Altersschwäche auf - auch wenn Lemmy seinen Whiskey inzwischen schon mit Eiswürfeln verdünnt. Ihre Power stellen Motörhead auch noch nach 31 Jahren Dienstzeit im Hard Rock Geschäft und auf ihrem nun 19. Studioalbum KISS OF DEATH zur Schau. Große stilistische Experimente sind wohl kaum zu erwarten. Mit dem Vorgängeralbum INFERNO von 2004, haben sich Lemmy und Co jedoch eine hohe Messlatte gesetzt, die schwer zu überbieten ist. Ob dies den drei Herren Kilmister, Walis und Fox geglückt ist nochmals einen drauf zu setzten können wird hoffentlich bei Betrachtung der einzelnen Songs klar.

Der erste Song, "Sucker", ist die kompromisslose Kampfansage! Nach einem Fade In brettern die Drei mit gewohntem Tempo los und machen alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt. "Love it or hate it", gröhlt Lemmy in einer Strophe des Songs. Eine Aussage, die auf Motörhead exakt zutrifft: Entweder man liebt sie, oder man kann sich verp*****. Lemmys Stimme ist, ähnlich wie auf INFERNO ziemlich gut (seit Jahrzehnten durch Alkohol gut konserviert).

Darauf folgt mit "One Night Stand" ein sehr grooviger Song, der vom Rhythmus leicht an AC/DC erinnert. Der Refrain mutiert schnell zum Ohrwurm. Mitgrölen und Kopfschütteln ist Pflicht! Abgerundet wird er durch ein kurzes, aber knackiges Solo. "Devil I know", der nächste Track, kommt "One Night Stand" recht ähnlich. Beide, mit ihren drei Minuten recht kurz gehalten, stützen sich die Songs auf ihre Einprägsamkeit und den Groove.

Bei "Trigger" holen Motörhead die Brechstangen raus und es geht mit vollem Tempo weiter! Keine Verschnaufpause, aber die sind echte Fans eh nicht gewöhnt. Wer Balladen hören will, hat sich wohl das falsche Album gekauft. "Trigger" ist ebenfalls ein starker Track, der gut auf das Album passt.

Schon bei den ersten paar Takten von "Under the Gun", wippen mindestens Kopf und Füße im Rhythmus mit. Mit seiner gewissen Trägheit (nicht negativ gemeint) kommt der Song extrem heavy!
C.C Deville von Poison spielt übgrigens das Solo bei dem Song. Ein sehr einprägsamer Refrain rundet den Song ab.

Mit "God was never on your Side" wartet eines der Highlights des Albums. Der wohl ruhigste und melodiöseste Song des Albums, wenn er auch keine Ballade ist. Das Lied beginnt mit einer blueslastigen Akkustickgitarre, obwohl diese nach ca. einer Minute eher in den Hintergrund tritt und durch eine elektrische betriebene eingetauscht wird. Außerdem ist der Song in einigen Passagen mit Streichern (!) hinterlegt. "God was never on your Side" beweist außerdem, dass sich Lemmys Stimme auch "clean" ok anhört. Ein sehr schönes Gitarrensolo setzt dem Lied Krone auf und macht es voll und ganz, musikalisch, wie auch textlich, episch.
Nach der kleinen Atempause geht es mit "Living in the past" mit vollem Tempo weiter. Der Sprechgesang in den Strophen lässt den Refrain umso stärker herausstechen.

Auch die Liebe darf nicht zu kurz kommen, deshalb besingt Lemmy "Christine" ein Mädel, dass Mr. Kilmister wohl ganz besonders den Kopf verdreht hat und die er nun nicht mehr vergessen kann. Der Song hat zwei Solos. Die Gitarrenriffs aus Strophe und Refrain sind einfach genial und sind meiner Meinung nach die besten des Albums. Ein weiterer sehr guter Song des Albums, mit hohem Ohrwurmcharakter!

Mit "Sword of Glory" und "Be my Baby" folgen zwei Songs, die eher unter die Kategorie nichts besonderes fallen. Zwar ganz nett und in jedem Fall heavy ,aber gegen die Stücke wie "One Night Stand", oder eben "God was never on your Side" können sie nicht anstinken.

"Kingdom of a Worm" ist nicht etwa, wie man vermuten könnte ein Seitenhieb gegen die englische Monarchie, sondern befasst sich mit dem Tod. Lemmy sagt dazu: "Der Tod ist das Königreich des Wurms. Und der Wurm gewinnt jedes Mal. Er bekommt dich immer ein irgendwie zu fressen." Aber keine Angst, der gute alte Lemmy wird wohl sobald den Löffel nicht abgeben.

"Going down" leitet das Ende von KISS OF DEATH ein. Auf jeden Fall ein guter Rock Song, der dem Album ein würdiges Ende setzt!

Fazit: Ungewohnt vielseitig geben sich die drei Herren auf ihrem neuen Werk. Eine Mischung aus Rock, Metal, Punk und Blues, die es in sich hat. Das liegt sicherlich auch daran, dass aus Motörhead längst brauchbare Musiker geworden sind, wie Lemmy selbst sagt. Er hält außerdem KISS OF DEATH für besser als INFERNO. Dieser Aussage kann ich zwar nicht zustimmen, obwohl den drei Herren von der Insel ein durch die Bank seht gutes Album abgeliefert haben. Dies wird besonders durch Songs wie "One Night Stand", "God was never on your side" und "Christine" deutlich. Auch textlich hat sich Herr Kilmister nicht lumpen lassen: Gerade bei "God was never on your side" wird dies deutlich. Der Sohn eines Pfarrers macht klar deutlich, wie sehr er mit Gott auf dem Kriegsfuß steht: Der Song handle zwar nicht von ihm, sondern gehe an die Leute, die immer noch an Gott glauben. "Gott ist taub, blind und dumm", so Lemmy.
Alles in Allem ist KISS OF DEATH also sehr gutes Album, das vor allem durch seine Vielseitigkeit besticht, die man von Motörhead so nicht gewohnt ist. An den Vorgänger INFERNO von 2004 kommt es jedoch nicht heran, selbst wenn der Papst des Rock'n'Roll das anders sieht. Daher 6,5 von 7 Punkten.

Titel-Liste:
 
  1. Sucker
  2. One Night Stand
  3. Devil I know
  4. Trigger
  5. Under the Gun
  6. God was never on your Side
  7. Living in the Past
  8. Christine
  9. Sword of Glory
  10. Be my Baby
  11. Kingdom of the Worm
  12. Going down
    - - - Bonus Track - - -
  13. Whiplash

Laufzeit:
 44:56 Min.


 
 
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