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Review: Nocturnal Rites
 
THE 8TH SIN

Album:
 THE 8TH SIN, 2007, Century Media

Stil:
 Heavy Metal / Power Metal

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 J.G., 04.06.2007

Review:
 Wieder einmal Kost aus dem Land der Bäume, Blondinen, Saunas und Wasserkraftwerke - Schweden. Nocturnal Rites veröffentlichen mit THE 8TH SIN bereits ihr achtes Werk. Angesichts der sich in Grenzen haltenden Bekanntheit eigentlich ein starkes Stück. Dabei hängt nicht nur Sänger Jonny Lindqvist die stimmliche Messlatte ziemlich sondern auch Gitarrist Nils Norberg und der Rest der Truppe verstehen ihr Handwerk.
Das reichte jedoch nicht aus, die letzten Alben wie GRAND ILLUSION oder NEW WORLD MESSIAH aus dem Einheitsbrei des Heavy Metal-Topfs deutlich sicht- und vor allem hörbar über dem Topfrand zu platzieren.

Umso erstaunter bin ich, als die ersten Klänge des Openers aus den Boxen dröhnen. "Call out to the World" startet mit Beats, die ich eher in der Technoszene vermutet hätte. Aber keine Angst, schon nach wenigen Augenblicken ist klar, hier lauert genialer Power Metal mit traditionellen Einflüssen, der keine Gefangenen macht. In beeindruckender Art und Weise stürmen die Gitarren-Riffs nach vorne und werden lediglich noch vom Schlagzeug eingeholt. Auch Jonny legt eine stimmliche Glanzleistung hin, dass man wahrlich als einem der besten Sänger Skandinaviens bezeichnen darf.
Nur unwesentlich weniger druckvoll versucht sich "Never again" mit melodischen Schmeicheleien im Gehörgang festzubeißen. Geniale Gitarrensoli tun ihr übriges, auf das Highlight "Opener" gleich noch eins draufzusetzen. Die Gesangsarbeit ist erneut aller erste Sahne und wer gedacht hat, die schmachtende Rocker-Stimme wäre alleine ein Bon Jovi-Markenzeichen, der sollte hier genauer hinhören.
Es muss nicht immer Vollgas sein. Bei den Halb-Balladen "Not the only" und dem späteren "Till I come alive" lassen die Schweden nichts anbrennen und schaffen es spielend die Herzen der etwas zart besaiteten Heavy Metaller im Sturm zu erobern.
Nach der kurzen Verschnaufpause wird mit "Tell me" weiter galoppiert. Auf Stratovarius-Spuren legen sie mühelos den nächsten Kracher auf's Parkett. Langsam beginnt man zu zweifeln, ob diese Qualitätsdichte anhält und wartet wann der Filler kommt.
"Not like you" ist schon einmal kein Filler. Das Tempo bewegt sich am obersten Limit der CD ohne auf Eingängigkeit und Ohrwurm-Refrains zu verzichten. Nur nicht bücken, der Arschtreten ist angesagt. Genau so macht Power Metal Spass!
Bei "Leave me alone" ist Kopfnicken angesagt. Wer hier anschließend nach vollem Körpereinsatz nicht nach einer Nackenstütze winselt, der muss schwerhörig sein oder vielleicht mehr auf Britney Spears Playback-Künste stehen und auf's nächste geplatzte Oberteil warten.
Und immer noch kein Durchhänger in Hörweite. "Strong enough" erinnert mit seinen technoartigen Beats und der Melodielinie an eine Mischung aus den ersten beiden Songs.
Als Ballade nur mit Klavierbegleitung schlägt "Me" deutlich aus der Art, erscheint jedoch zu keiner Zeit als störender Fremdkörper. Vielmehr unterstreicht es die musikalische Bandbreite der Schweden.
"Pain & Pleasure" mit seiner Vielzahl an Breaks setzt voll auf Spannung und Kontraste. Und auch mit Bombast wird nicht gespart, sodass der band und den Zuhörern gleichermaßen alles abverlangt wird, bevor mit dem Instrumental "Fools Parade" das Ende der Scheibe eingeläutet wird, geniale Gitarren- und Keyboard-Soli inbegriffen. Eine Spieluhr hat schließlich die Ehre für einen würdigen Ausklang zu sorgen.

Fazit: Nach dem Verklingen der letzten Töne erscheint die Stille noch "leerer" als sonst. Ich muss mich erstmal wieder sammeln und dafür sorgen meine immer noch offen stehende Futterluke wieder in Normallage zu bringen. Vorher entschlüpft mir noch ein gedankliches "Wow".
Da dümpelten die letzten Alben der Schweden etwas saft- und kraftlos vor sich hin und dann das. Wer hätte geahnt, dass sich die Jungs so beeindruckend selbst am Kragen packen und mühelos die Talsohle überwinden.

Es passt eben einfach alles. Egal ob Songs mit gnadenlos nach vorne stürmenden Gitarren und Schlagzeug-Fronten, wie der Opener oder gefühlvolle melodische Zuckerstückchen wie "Not the only". Die Aktivisten bewegen sich immer am oberen Qualitätslimit und es fällt schwer einzelne Personen oder Songs hervorzuheben.
Folglich bleibt nur eine Möglichkeit. Wer mit einem derartigen Hammer aufwartet, der muss folglich auch mit der Höchstnote bestraft werden.

Erinnere ich mich an eine kürzliche Äußerung von Bassist Nils Eriksson: "Ich bin zufrieden, dass wir auf einem aufsteigenden Ast sind", dann ist das sicherlich die Untertreibung des Jahres und gereicht jedem britischen Tiefstapler zur Ehre.
Einziger Wermutstropfen ist vielleicht die kurze Spielzeit, aber für was gibt es eine Repeat-Funktion.

Tipp:
 Hier können nicht nur Nocturnal Rites fans blind zugreifen, sondern auch alle Freunde des melodischen Power Metal aus Skandinavien.

Titel-Liste:
 
  1. Call out to the World
  2. Never again
  3. Not the only
  4. Tell me
  5. Not like you
  6. Leave me alone
  7. Till I come alive
  8. Strong enough
  9. Me
  10. Pain & Pleasure
  11. Fools Parade

Laufzeit:
 41:49 Min.


 
 
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