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Review: Nostradameus
 
PATHWAY

Album:
 PATHWAY, 2007, AFM

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 28.01.2007

Review:
 Nach ihrem letzten Hammer-Album HELLBOUND mussten die Schweden diesmal schon einige große Holzscheite mehr ins Kaminfeuer werfen damit der Neulinge eine noch heißere Nummer abgibt, als der Vorgänger.
Wie toppt mal ein geniales Album? Nun, eine gute Frage, besonders weil bisher nur wenige Bands eine erschöpfende Antwort darauf wussten.
Nostradameus gehören leider nicht dazu.
Zwar wurde an jeder Ecke gearbeitet, gehämmert, getrickst und gefeilt, jedoch ist das Ergebnis nicht 100%ig überzeugend. Würde ich den Vorgänger nicht gut kennen (läuft seit einem Jahr mindestens ein- bis zweimal die Woche in meinem Auto), so wäre eine Einschätzung vielleicht anders ausgefallen.
In jedem Fall sind nun deutlich mehr Varianten zu hören. Dafür fiel jedoch einiges an Eingängigkeit der neuen Ausrichtung, den progressiven Elementen, zum Opfer.
Es wird langsam Zeit, für einen wirklichen Quantensprung nach oben in eine energiereichere Schale, um endlich in der Oberliga mitspielen zu können. Trotz ungebrochener Energieleistung und jeder Menge melodischer Einlagen fehlt das eine oder andere zwingende eingängige Riff, dass wirklich im Gedächtnis bleibt. Ich sage nur HELLBOUND.

Nach kurzem Intro "Welcome to living" beginnt "Wall of Anger" mit ungewöhnlich tiefen Vocals, die mich eher an Grave Digger erinnern, bevor dann doch Freddy Perssons typischer Gesang das Zepter in die Hand nimmt. Der erste Eindruck ist durchaus gemischt. In jedem Fall eine druckvolle Angelegenheit mit dem gewissen Melodic-Factor. Jedoch wurden scheinbar ohne genauem Plan verschiedene kleine Stückchen von anderen entliehen, die einfach nicht lange genug in den Teig eingerührt wurden. So schwimmen Grave Digger Vocals, Gitarren-Tremolos von Iced Earth und einige hoch im Kurs stehende Düsterelemente des Nu-Metals einfach auf der Oberfläche und mögen sich einfach nicht mit der übrigen Masse verbinden.
"Until the End" mit etwas modifiziertem Rhythmus-Galopp rauscht so schnell ohne große Haftung an meinen Ohren vorbei, dass ich gar nicht merke, dass der Song schon wieder vorbei ist. Beim zweiten Durchlauf erkenne ich einige neue Elemente, wie Wah-wah-Gitarreneffekte und erneut Nu-Metal Sprechgesang im Refrain. Auch das Gitarren-Solo ist nicht von schlechten Eltern, zeigt es doch einerseits das technisch hohe Niveau. Andererseits sind die Phrasen zu nichtssagend und verpuffen ihre Wirkung ohne große Spuren zu hinterlassen.
"Demon Voices" kann höchstens durch die ausgeprägte Gitarrenarbeit überzeugen, bleibt jedoch ebenfalls an der Nullinie hängen.
"MDCC A.D. Pt 1" die durchaus überzeugende Einleitung mit ruhigen melodischen Hooklines für den druckvollen düsteren zweiten Teil "MDCC A.D. Pt 2". Hier wir wieder deutlich, wo Punkte auf der Strecke bleiben. Konnte man beim Vorgänger mit fetten melodischen Chören in den Refrains punkten, so wirken die düsteren Sprechgesänge und die etwas nervende Gitarrenbegleitung viel zu schwach. Und anstatt das Thema nochmals druckvoll aufzuarbeiten, folgt ein Gitarren-Solo, das noch mehr Druck aus dem Kessel ablässt - schade.
Jaaaaaaa, "P.I.R.", darauf habe ich gewartet. Endlich die fetten Riffs und der eingängige Refrain, wie ich ihn schon kenne. Es beweist also, dass noch etwas vom alten "Spirit" hinüber gerettet wurde- Gitarren-Solo inbegriffen.
Auch "No Trace of Madness" beginnt viel versprechend und bietet zunächst alle Stärken, auch wenn ich mich noch immer nicht an den schwachen Chorus im Refrain gewöhnt habe. Man versäumt jedoch rechtzeitig den Sack zu zumachen und entfernt sich mit Zwischenspielen und Soli so weit vom eigentlichen Thema, dass es schwer fällt, sich danach noch an den Start zu erinnern.
"Not only Women bleed" die obligatorische Ballade mit kräftiger Piano-Unterstützung kann leider nicht voll zünden. Dazu ist das Piano zu dominant und buttert mit seinem Geklimper den Frontmann und die Gitarren so gnadenlos unter, dass ihnen nur noch der Platz in der letzten Reihe bleibt.
"The Untouchables" und gleich im Anschluss nochmals als Bonus führen deutlich vor Augen bzw. Ohren, wie die Jungs vor drei Jahren geklungen haben und was sich alles geändert hat. Zumindest ein kleiner Trost, wenn auch ein später und schwacher.

Fazit: So brutal hart, wie meine Kritik vielleicht wirken mag, ist es für einen Neuling sicherlich nicht nachvollziehbar. Hier schüttet ein treuer Fan einfach sein Herz aus, nachdem er drei Jahre auf einen Nachfolger gewartet hat und vom Ergebnis enttäuscht ist.
Das soll jedoch nicht heißen, dass dieses Album ein Flop ist!
Nostradameus haben immerhin versucht, ihrer Musik neue Akzente zu verpassen und nicht auf der Stelle zu treten. Dass dabei nicht immer gleich eine homogene Masse entsteht, ist erklärbar und überarbeitungsfähig.
Ob sie zu diesem Verbesserungsschritt zukünftig fähig sein werden, wird sicherlich auch über ihr Schicksal entscheiden, in der Oberliga mitmischen zu können oder nicht.

Tipp:
 Echte Nostradameus-Fans werden das Album sicherlich nicht im Laden stehen lassen können und einige werden sicherlich auch Gefallen an den vielen Neuerungen finden. Für Neulinge empfehle ich lieber den Vorgänger HELLBOUND.

Titel-Liste:
 
  1. Welcome to living
  2. Wall of Anger
  3. Until the End
  4. Demon Voices
  5. MDCC A.D. Pt 1
  6. MDCC A.D. Pt 2
  7. P.I.R.
  8. No Trace of Madness
  9. Not only Women bleed
  10. Death by my Side
  11. The Untouchables
    - - - Bonus Track - - -
  12. The Untouchables Version 2004

Laufzeit:
 48:58 Min.

Band-Infos:
 
  • Nostradameus


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