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Review: Pain
 
PSALMS OF EXTINCTION

Album:
 PSALMS OF EXTINCTION, 2007, Roadrunner

Stil:
 Industrial Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 M.K., 06.05.2007

Review:
 Nach dem Wechsel zum namhaften Label Roadrunner Records bringen Pain am vierten Mai 2007 ihr fünftes Studioalbum heraus. Peter Tägtgrens zweite Band (neben Hypocrisy) ist für ihren teils poppigen Industrial Metal bekannt und wird sich in 2007 auf mehreren Festivals und ausgedehnten Touren aufhalten, um PSALMS OF EXTINCTION zu bewerben. Ob sich der Aufwand lohnt?

Los geht es mit "Save your Prayers", der Beginn erinnert an Nine Inch Nails, Sampling und ein einsamer Riff stehen im Vordergrund. Kurz darauf geht schon die Post ab, wildes Drumming bringt die Boxen zum kochen. Trotzdem geht es in den Strophen ruhig weiter, dieses Wechselspiel wiederholt sich noch einige Male. Im Refrain kommt ein Keyboard zum Einsatz, während Peter die Lyrics mehr keift als singt. Der Opener stellt sich als Wechselbad von Melodie und Heftigkeit heraus, mit einem äußerst melodischem Mittelteil. Solider, abwechslungsreicher und nicht unbedingt vorraussehbarer Start in PSALMS OF EXTINCTION.
Als zweites kommt der, im Vorfeld als kostenloser Download erhältliche Promo-Song "Nailed to the Ground" zum Zuge. Der Riff zieht sich durch den Song, hier herrscht mehr Gradlinigkeit als im Opener. Der Refrain ist zwar poppig, bleibt dafür aber im Kopf hängen. "Nailed to the Ground" hält sich im Mid-Tempo auf und wird durch schönes Synthesizing unterstützt. Die Bridge fällt durch den Gesang etwas brutaler aus, insgesamt bleibt es jedoch ein relativ massenkompitabler Song. Den Bass bedient hier, wie auch schon im Opener, Peter Iwers von In Flames.
Weiter geht es mit "Zombie Slam". Zu diesem Stück wurde ein gutes Video gedreht. Peter Tägtgrens Stimme ist hier sehr tief, fast schon Hypocrisy-mäßig. Textlich geht es um Zombies, jedoch nicht allzu lächerlich umgesetzt. Der im Song vorkommende Riff erinnert durch die Melodie an einige Soundtracks von Horror-Klassikern, während in den Strophen das Keyboard die Gitarre verdrängt. Im Vorfeld präsentierten Pain diesen Song live, wie im Tomahawk-Review nachzulesen ist. Dort hat er mir schon sehr gut gefallen, und auch auf CD bin ich begeistert. Toller Song!
Mit "Psalms of Extinction" folgt nun der Titelsong des Albums. Beginnt ruhig, mit einer Menge Synthesizing und Keyboard, fast schon orchestral. Peters Stimme ist hier wieder im normal klingenden Bereich angelangt. Der Titelsong ist durchaus fast schon als balladesk zu bezeichnen, es ist ein ruhiger Song, der vom Keyboard getragen wird. Schöne Abwechslung, wenn auch nicht allzu viel spannendes passiert. Am Schlagzeug sitzt hier übrigens Mikkey Dee von Motörhead.
Mit einer ultimativ poppigen Melodie beginnt "Clouds of Ecstasy", bis ein gradliniger Riff in den Strophen diesen wieder verscheucht. Doch im (übrigens guten) Refrain schafft die Melodie ihr Comeback. So geht es songwritingtechnisch weiter. Im übrigen handelt es sich beim fünften Song auf PSALMS OF EXTINCTION um einen Mid-Tempo-Song mit kritischen Lyrics, die sich mit den Stars von Hollywood auseinandersetzen. Als Video hierzu würde der erneute Absturz von David Hasselhoff gut passen, welches im Internet herumschwirrt. Thematisch also durchaus mit "Lost in Hollywood" von System of a Down vergleichbar.
Ein Björk-Cover schließt sich an, denn Pain covern "Play Dead" der Isländerin. Der Riff ist alles andere als spannend, ein 08/15-Nu Metal-Riff auf Valium. Wie auch schon "Psalms of Extinction" ist "Play Dead" ein eher ruhiger Song, welcher mit viel Keyboards auskommt. Peters langgezogener Gesang ist auf Dauer ebenso nervig wie der Riff. Meiner Meinung nach ein recht uninteressanter Song.
Die Hälfte des Albums ist rum, die zweite wird mit "Does it really matter?" eingeleitet. Eine Keyboardmelodie und Synthesizing dominieren zu Beginn, Peter kommt mit ruhigem Gesang hinzu, kombiniert mit leisem und langsamen Schlagzeug. Im Refrain wird dann wieder etwas mehr Gas gegeben. Auch hier gibt es einen kritischen Text auf die Ohren, in der zweiten Strophe sogar mit zweifachem Gesang. Konsequentes Songwriting gibt es hier zu hören, darunter leidet die Abwechslung. Ergo: Einrelativ unspektakulärer Song mit guten Lyrics.
Heftiger geht es da schon in "Computer God" zur Sache. Hier sind von der ersten Sekunde an exzessives Drumming, schnellerer Gesang und punktgenaue Riffs angesagt. Sollte live funktionieren. "Computer God" ist ein weiterer kritischer Song, welcher durch Schnelligkeit und Härte gefällt. Zwar ist das Drumming monoton, wie man es zum Beispiel von Ministry kennt, trotzdem bleibt bei diesem Stück kein negativer Nachgeschmack.
Mit 6:15 Minuten ist "Just think again" der, mit Abstand, längste Song auf PSALMS OF EXTINCTION. Es handelt sich hierbei um eine Ballade, die durch den Text durchaus das Potential hat, zum Nachdenken anzuregen. Sehr interessant gestaltet ist die Bridge, die durch eine weibliche Stimme (inkl. dem altbekannten Radio-Effekt) und Keyboard dominiert wird. Im Booklet passt das computeranimierte Bild der Babys sehr gut zum Text. Auch ein Gitarrensolo (gespielt von Alexi Laiho, Children of Bodom) findet sich in "Just think again" ein, woraufhin ein weiteres Mal der Refrain gesungen wird. Man hätte das Stück auch auf vier Minuten reduzieren können, denn mit einer Dauer von sechs Minuten gibt es leider zu viele Wiederholungen. Weniger ist manchmal mehr.
Ein simpler Riff startet "Walking on Glass", einen Song, den Pain ebenfalls auf dem Tomahawk-Festival präsentierten. Die Strophen sind konsequent durchgezogen und im Mid-Tempo, während Pain im Refrain aggressiver und etwas schneller werden. Der Refrain hat Ohrwurmcharakter, hab ihn seit dem Tomahawk-Festival nicht mehr aus dem Kopf bekommen, und durch das Album wird es wohl ewig so weiter gehen. In der Bridge wird es ruhiger, dieser Umstand wird jedoch durch den Refrain wieder geändert. Meiner Meinung nach ist "Walking on Glass" der beste Song auf PSALMS OF EXTINCTION. Macht Spaß, bleibt im Kopf, funktioniert live.
Weiter geht es mit "Bottle's Nest". In den Strophen dominiert hier ein weiteres Mal das Synthesizing, der Riff hat sich gefälligst unterzuordnen. Der Refrain hingegen wird wieder vom Riff getragen, ist jedoch nicht allzu toll. Textlich setzt man sich hier mit dem Thema Alkoholsucht auseinander, der Song ist in ähnlicher Manier aufgezogen wie das vorherige "Walking on Glass": Stampfende Drum-Beats, gradliniges Songwriting, ein klassischer Pain-Song.
Den letzten Song auf PSALMS OF EXTINCTION stellt "Bitch" dar. Peter Tägtgren schreibt hier aus Sicht der, ühm...ja...Schlampe. Kennt man(n) nur zu gut. Während es in den Strophen etwas ruhiger zugeht, wird im Refrain wieder richtig die Sau rausgelassen, Peter wird richtig aggressiv. Zum Ende hin wird der Song immer schneller, brutaler und härter, ein Gitarrensolo sucht sich den Weg durch das aggressive Soundwerk. Relativ abrupt endet der Song dann auf einmal, und man hat PSALMS OF EXTINCTION hinter sich.

Fazit: Wo Pain drauf steht, ist auch Pain drin. Das war seit dem ersten Album so, das wird sich wohl nie ändern. Man weiss, was man bekommt, wenn man im Plattenladen zu einem Pain-Album greift: Songs, die größtenteils dem Schema F folgen, welches sich Peter seit PAIN zurecht gelegt hat. Strophe - Refrain - Strophe - Refrain - Bridge - Refrain.
Hört sich negativ an. Jedoch schaffen es Pain jedes Mal zu überzeugen. Die Texte auf PSALMS OF EXTINCTION sind größtenteils von Kritik und Anspielungen getränkt, auch musikalisch gibt es neben den typischen Pain-Knallern wie "Bitch", "Save your Prayers" oder "Walking on Glass" mit "Just think again" oder dem Titelsong durchaus ruhige Songs.
An der Produktion des Albums gibt es nichts auszusetzen, es knallt ohne Ende. Auch das Booklet und Artwork gefällt, auch wenn Peter Tägtgren auf dem Cover aussieht wie Johnny Depp in Fluch der Karibik.
Wie erwähnt, ein solides Pain-Album. Für das nächste Album wünsche ich mir jedoch endlich eine Weiterentwicklung, gerade beim Songwriting. Bei Hypocrisy geht es doch auch, wieso nicht bei Pain? Wir werden es sehen. Fünfeinhalb Punkte.

Tipp:
 Neben "Walking on Glass" kann ich "Zombie Slam" sowie "Computer God" jedem ans Herz legen, der sich bisher noch nicht allzu sehr mit Pain befasst hat.

Titel-Liste:
 
  1. Save your Prayers
  2. Nailed to the Ground
  3. Zombie Slam
  4. Psalms of Extinction
  5. Clouds of Ecstasy
  6. Play Dead
  7. Does it really matter?
  8. Computer God
  9. Just think again
  10. Walking on Glass
  11. Bottle's Nest
  12. Bitch

Laufzeit:
 48:00 Min.


 
 
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