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Review: Place Vendôme
 
TITEL

Album:
 PLACE VENDÔME, 2005, Frontiers

Stil:
 Melodic Rock, AOR

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 29.12.2005

Review:
 Es wurde ein wahrlich königlicher Name für ein ebenfalls königlich besetztes Projekt gewählt. Jeder, der schon einmal die Sehenswürdigkeiten von Paris näher in Augenschein genommen hat, sollte ihn eigentlich kennen, den Place Vendôme. Er liegt im ersten Stadtbezirk, gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten und wurde ab dem Jahr 1688 zu Ehren des Königs Ludwig XIV errichtet.
Schon die Namensgebung weckt also hohe Erwartungen. Zumindest die musikalische Zusammensetzung lässt Großes erahnen. Immerhin hat sich der Boss von Frontiers, Herr Perugino eine "AOR All Star Projekt"-Truppe gewünscht - und bekommen. Für Songwriting und Instrumente sind die Jungs von Pink Cream 69 verantwortlich. Das Keyboard bedient Günter Werno von Vandenplas. Und für den Gesang? Nun, hier komme ich etwas ins grübeln, wenn ich Michael Kiske lese. Hat nicht gerade dieser Herr in der Vergangenheit für genügend Schlagzeilen gesorgt und kein gutes Haar an der Rockmusik gelassen? Ich will mal gütig sein und nicht annehmen, dass hinter den kürzlichen Gesangseinlagen für Edguy, Thalion und jetzt Place Vendôme leere Taschen stecken und man deshalb schon mal über seinen eigenen Schatten springt...
Schluss mit den Spekulationen, kümmern wir uns um die Musik.
Um es vorweg zu nehmen. Es erwarten uns zehn wirklich abwechslungsreiche und gefühlvolle Rock-Songs, die dem Ausnahme-Talent Michael Kiske nahezu auf den Leib geschrieben wurden.

Der Opener "Cross the Line" vermittelt einen ziemlich rockigen Einstieg, wobei spätestens bei Kiskes Einsatz die Ansätze von Schärfe deutlich abgemildert werden.
Der Song "I will be waiting" ist da schon deutlich melodiöser ohne gleich kitschig zu klingen. Als wahre Wucht entpuppt sich der Refrain, der sofort haftet wie Sekundenkleber.
Mit Orchester und gebremsten Tempo wird "Too late" ins Rennen geschickt. Eigentlich etwas zu schnell für eine waschechte Ballade, aber zumindest mit einer gehörigen Portion Gänsehaut-Feeling, kann dieses Werk besonders Kuschelrockfreunde begeistern.
Gewürzt mit einem Schuss Yes und Journey sorgt "I will be gone" für Abwechslung. Unterstützt mit Background-Chor kann Kiske einmal mehr seine stimmliche Vielfalt unter Beweis stellen.
Synthesizer, Gitarren und Orchester dominieren den Beginn von "The setting Sun", bevor sich Kiske aufschwingt, die erste echte Ballade zum Besten zu geben. Träumen ist angesagt nicht zuletzt wegen der "singenden Gitarren-Soli".
Na, doch noch Rock im Gepäck, denke ich mir bei den ersten Takten des Titelsongs "Place Vendome" und werde unweigerlich zum mitnicken animiert. Mitreisender Takt, Ohrwurm-Refrains und knackige Gitarren-Soli lassen richtig Stimmung aufkommen...
...bevor dann mit "Heavens Door" wieder eine reinrassige Ballade zum schwelgen in angenehmen Erinnerungen einlädt - sanft, verspielt und überzeugend.
"Right here" ist ein typisches Beispiel für vielfältige Facetten, die ein gutes AOR-Stück auszeichnen. Ob man hier etwas zu sehr an den möglichen Kanten geschliffen hat, um unbedingt Radiotauglichkeit zu erreichen, ist nicht zu beweisen, aber zu vermuten.
Die beiden letzten Stücke sind ein mehr als würdiger Ausklang eines gelungenes Projekt. "Magic Carpet Ride" und "Sign of the Times" zeigen sich vielfältig, weisen jede Menge Tempowechsel und gelungene Breaks auf, sparen nicht an emotionsgeladenen Gesangslinien und Soli.

Fazit: Eingefleische Rockfans wird diese Scheibe wohl nur ein müdes Lächeln entlocken. Ein bis zwei Rocknummern mehr, wären sicherlich kein Schaden gewesen. Qualtätsbewußte AOR-Liebhaber, die gerne Journey oder 101 South konsumieren, sind durchaus gleiche oder sogar etwas bessere Kost gewohnt. Hmm - und was bleibt?
Kiske! Nun alle Fans, die der Stimme eines der besten Sänger aller Zeiten, eine neue Chance geben oder sie einfach zu lange vermisst haben, werden begeistert sein. Das ist doch schon etwas!

Tipp:
 Zeitloser, eigenständiger AOR und Melodic Rock mit gelungenen Kompositionen von Profis ins rechte Licht gerückt, wird jede Sammlung von Liebhabern dieses Genres bereichern.

Titel-Liste:
 
  1. Cross the Line
  2. I will be waiting
  3. Too late
  4. I will be gone
  5. The setting Sun
  6. Place Vendome
  7. Heavens Door
  8. Right here
  9. Magic Carpet Ride
  10. Sign of the Times

Laufzeit:
 45:49 Min.


 
 
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