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Review: 3 Inches Of Blood
 
LONG LIVE HEAVY METAL

Album:
 LONG LIVE HEAVY METAL, 2012, Century Media

Stil:
 Heavy Metal, Thrash Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 29.06.2012

Review:
 Es scheint, die Kanadier haben immer noch mit einem Image-Problem zu kämpfen, denn ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, warum man mit dem Album-Titel LONG LIVE HEAVY METAL so deutlich auf die musikalische Ausrichtung der Band hinweisen möchte. Das habe ich bisher das letzte Mal bei den Schweden Dream Evil erlebt, die THE BOOK OF HEAVY METAL jedoch zum Anlass nahmen, um zu zeigen, dass sie weit mehr als nur Power Metal auf dem Kasten haben.

Diesmal hat sich die Band mit Frontmann oder besser Oberkreischer Cam Pipes noch namhafte Verstärkung für die Basis geholt. Bassist Bryon Stroud, bekannt durch seine Engagements bei Strapping Young Lad und Zimmers Hole, sorgt für den nötigen Druck, während sich Justin Hagberg und Shane Clark um die Sechssaitern kümmern und Ash Pearson den Takt angibt.

Für ihr Hauptanliegen lassen sich die Jungs wenig Zeit. Schon der Opener "Metal Woman" macht klar, hier folgt Heavy Metal mit seiner vollen Wucht. Double-Base-Attacken gehören deshalb genauso zum guten Ton, wie schneidende Maschinen-Riffs und fette Chöre für den Refrain. Wem das noch zu "langsam" war, um richtig "heavy" warm zu werden, bekommt mit "My Sword will not sleep" gleich eine Up-Tempo-Packung, die sich gewaschen hat. Mit Geschwindigkeiten nahe dem Thrash wird jedoch nicht vergessen, das Tempo variabel zu gestalten. So gibt es auch etwas gebremstere Passagen und ein kurzes Gitarre-Solo als Auflockerung, bevor man sich mit einem klassischen Ausstieg der 80er auf den nächsten Song einschießt.
"Leather Lord" unzweifelhaft eine Verbeugung als Judas Priests Painkiller und Rob Halfords stimmliche Höhenflüge, die man noch mit Melodic Death als Children of Bodom angereichert hat. Und siehe da, es funktioniert und mach Laune ohne Ende, was nicht zuletzt am üppigen Gitarren-Solo liegen mag, das jeden Luftgitarren-Akrobat in die Ermüdung treibt.
"Look out" fängt ganz traditionell an. Heavy Metal in seiner reinsten Form, von der Gesangslinie bis hin zum Refrain. Selbst das Gitarren-Solo lässt noch nicht erahnen, dass der Song nach 3 Minuten einen Hard Rock Ausflug unternimmt und mit Hammond-Klängen die guten alten 70er wieder aufleben lässt. Eine gelungene Überraschung, die sich nahtlos in das Songwriting einfügt. Damit hat er sich mein Prädikat Alben-Highlight redlich verdient. Es soll jedoch nicht das letzte sein.
Man hat den Eindruck, dass sich die Band jetzt erst richtig warm gespielt hat, denn es folgt ein Nackenbrecher dem nächsten. "4.000 Torches", da wird einem schon vom Titel her warm, doch erst der abwechslungsreiche und stellenweise brachial treibende Rhythmus sorgt für die handtellergroßen Schweißflecken.
Darfs noch etwas mehr Tempo sein? Aber klar doch, immer her damit. "Leave it on the Ice" agiert in Speed Metal-Regionen, die üblicherweise früher nur den Kollegen von Anvil vorbehalten waren, während manche Thrash-Einlagen auch von Overkill & Co. stammen könnten. Hier ist Vorsicht geboten, denn wer es mit dem Headbangen übertreibt, braucht sich nicht wundern, wenn der Kopf im Bühnengraben landet. Und weil's so schön war, gibt es mit "Die for Gold" gleich noch einen Tempo-Nachschlag.
3 Inches Of Blood vernachlässigen jedoch auch nicht ihre eigentliche klassische Zielrichtung. "Storming Juno", ein Up-Tempo-Riff-Gewitter mit jeder Menge Melodic überrascht sicherlich mit seinen Melodic Death-Einschüben, die sich einmal mehr prima in den Song einfügen, als wäre es völlig normal, diese Stile zu mischen.
Es bleibt also spannend, bis zum letzten Song, denn es fehlen noch ein paar Überraschungen, die ich in meinem Fazit noch erwähnen werde. Wer die Limited Edition ersteht, bekommt noch 3 Bonus-Songs (darunter eine Cover-Version) und somit eine löbliche Spieldauer von über einer Stunde feinstem Heavy Metal!

Fazit: Hier ist es ein Genuss, jeden Song wirklich bis zu Ende zu hören, denn man weiß nie, was sich die Truppe wieder hat einfallen lassen. Und da meine ich keine simplen Abfolgen von Strophe, Refrain, Break und obligatorischem Gitarren-Soli, wie bei manch anderen Combos, die schon fast amateurhaft gnadenlos bis zum Exzess bei jedem Song zu hören sind. 3 Inches Of Blood haben hier immer wieder eine Überraschung parat, sei es Retro-Orgeln aus den 70ern, Melodic Death Metal Shouts, thrashige Intermezzos oder gar ein folkiges Instrumental. Hier wird Abwechslung groß geschrieben und lässt die stilbedingte Limitierung der Kopfstimme schnell vergessen. 3 Inches Of Blood hätten für mich nicht erst so plakativ mit dem Zaunpfahl winken müssen, damit ich weiß, welchen Stil sie spielen. Sie beweisen jedoch auch eindrucksvoll, dass sie sowohl die Wurzeln, die verschiedenen Einflüsse als auch die Weiterentwicklungen des Heavy Metal kennen. So kommt es, dass dieses Album neben dem Hauptthema Heavy Metal durchaus Hard Rock, Folk, Melodic Death und noch eine gesunde Portion Thrash Metal beinhaltet. Damit ist für Abwechslung gesorgt, von der ersten bis zur letzten Rille. Für mich persönlich wird LONG LIVE HEAVY METAL wohl Einzug in meine Favoriten für 2012 halten. Stay heavy!

Titel-Liste:
 
  1. Metal Woman
  2. My Sword will not sleep
  3. Leather Lord
  4. Chief and the Blade
  5. Dark Messenger
  6. Look out
  7. 4.000 Torches
  8. Leave it on the Ice
  9. Die for Gold
  10. Storming Juno
  11. Men of Fortune
  12. One for the Ditch
    - - - Bonus Tracks - - -
  13. Lords of Change
  14. Strenght of hte Grave
  15. Daytona

Laufzeit:
 63:43 Min.

Band-Infos:
 
  • www.3inchesofblood.com 

  • Probehören und Kaufen:
    3 Inches of Blood: LONG LIVE HEAVY METAL


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