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Review: Adorned Brood
 
NOOR

Album:
 NOOR, 2008, Black Bards

Stil:
 Pagan Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.M., 11.11.2008

Review:
 Adorned Brood sind bereits seit 15 Jahren im Pagan-Geschäft unterwegs und gehören damit wohl zu den dienstältesten deutschen Bands dieser Spielart. Erst vor kurzem wurden die beiden längst vergriffenen Alben HILTIA und WIGAND von 1996, respektive 1998, als Doppelpack von Black Bards neu veröffentlicht. So kommen nun auch Leute an die Scheiben ran, die seinerzeit noch zu jung oder zu unentschlossen waren (beide Alben waren auf 1000 Stück limitiert).
Wie sich Adorned Brood seit den ersten Werken entwickelt haben, kann man gut hören, wenn man beispielsweise HILTIA mit dem letzten Album HELDENTAT vergleicht. Auf dem neuesten Streich NOOR dürfte die Fans zeitgemäßer und moderner Pagan Metal erwarten.
Adorned Brood bestehen aus Bandleader, Sänger und Bassist Markus Frost, den beiden Gitarristen Mirko Klier und Thorsten Derks, dem Schlagzeuger Tim Baumgärtel und der Flötistin Ingeborg Baumgärtel, die auch die weibliche Stimme beisteuert.

Nach einem recht langen Intro, dass sich mit zunehmender Dauer dramaturgisch steigert, geht es bei "Storm" erstmal in die Vollen mit Growls, brachialem Rhythmus und ordentlicher Riffwand. Danach wechseln sich die Black-Metal-Anteile mit besonneren, folkigen Phasen ab. Lediglich der Gesang bleibt rauh und wird in den harscheren Abschnitten gelegentlich noch von Gekeife unterstützt. Kompositorisch ist das Stück eher schwach und bringt wenig Akzente. Gerade von der folkloristischen Seite bin ich von Adorned Brood besseres gewohnt. Das Leadsolo ist ein kleiner Lichtblick.
Mit "Am Grunde des Meeres" kommt ein Track mit deutschen Lyrics. Hier wird wesentlich besser eine sich steigernde Viking-Metal-Atmosphäre aufgebaut. Auf das Black-Metal-Erbe der Spielart wird zwar keineswegs verzichtet, aber es klingt alles viel besser ausgearbeitet, als beim Opener. Der Höhepunkt ist hymnisch und thront majestätisch über dem Stück.
Es folgt "Sons of the Damned", das bereits als Appetizer auf NOOR seinen Weg auf das vor kurzem erschienene ReRelease von HILTIA fand. Auch bei diesem Song ergänzen sich die aggressive und die folkloristische Seite prima. Besonders in den traditionellen Abschnitten werden interessante Melodien verarbeitet. Der von Ingeborg gesungene Refrain mutet schön mystisch an.
Der Titelsong "Noor" bringt orientalisch klingende Einflüsse ins Spiel. Der chorale Refrain erinnert mich stark an Turisas´ "Fields of Gold". Überhaupt hat man sich hier vom Album THE VARANGIAN WAY der Finnen inspirieren lassen, was sicherlich keine schlechte Entscheidung war und auch viel Abwechslung mit sich bringt. Trotz der eingeschränkten Eigenständigkeit, ist es - von der traditionellen Seite her gesehen - der bisher stärkste Track.
Bei dem Song, der wie die Band "Adorned Brood" heißt, überragt wieder die druckvolle Seite, aber nicht ohne in genau den Richtigen Augenblicken die Power rauszunehmen und mit gemäßigtem Tempo und cleanem Gesang deutliche Akzente in die hymnische Richtung zu setzen. Das Solo mit starken Flöten- und Leadgitarrenparts ragt ebenfalls heraus.
"Schiff der Toten" startet besonnen, wird dann aber langsam dynamisiert um im groovy Mid-Tempo einen typischen Mitgröhl-Höhepunkt zu erreichen. Danach beginnt der Aufbau erneut. Der Song ist zwar interessant arrangiert, fällt aber qualitativ etwas ab.
"Trollmelody" scheint laut der Promo-Info ein älterer Song zu sein, der hier neu arrangiert wurde. Er hat überhaupt keinen Reiz und bildet leider den absoluten Schwachpunkt des Albums.
Mit etwas mehr Pep und gelungeneren Arrangements, geht es bei "Under Yggdrasil" wieder aufwärts. Die Harmonie zwischen der brachialen und der traditionellen Seite ist wieder gelungen und ergänzt sich einwandfrei. Der Refrain geht gut ins Ohr, besonders wenn die weibliche Stimme dazustößt.
Zum Abschluss gibt es eine wirklich gekonnte Umsetzung des Seemannsliedes "Drunken Sailor". Im Gegensatz zum Original darf man hier nicht nur mitschunkeln, sondern auch headbangen.

Fazit: NOOR ist ein bodenständiges Pagan-Metal-Werk mit Lichtblicken, aber auch einigen schwächeren Tracks. Gerade ein Song wie "Trollmelody" passt qualitativ überhaupt nicht auf dieses Album und drückt die Gesamtwertung, die mit etwas mehr Einsatz in Sachen Songwriting höher hätte ausfallen können.
Von der technischen Seite gibt es nichts zu bemängeln. Die Musiker beherrschen ihr Handwerksgerät. Der Anteil der Growls könnte gegenüber dem Cleangesang imho gerne etwas zurückgenommen werden. Auf das Gesamtergebnis wirkt sich das aber nicht aus.
NOOR ist sicherlich kein schlechtes Album. Dennoch habe ich in letzter Zeit etliche stärkere Pagan-Werke gehört, so dass Adorned Brood mit ihrem Drachenboot vorerst nicht in meine persönliche Spitzengruppe segeln werden.

Anspieltipps:
 "Sons of the Damned", "Noor", "Adorned Brood" sowie die ureigene, metallische Umsetzung des Saufliedes "Drunken Sailor".

Titel-Liste:
 
  1. Intro
  2. Storm
  3. Am Grunde des Meeres
  4. Sons of the Damned
  5. Noor
  6. Adorned Brood
  7. Schiff der Toten
  8. Trollmelody
  9. Under Yggdrasil
  10. Drunken Sailor

Laufzeit:
 45:00 Min.

Band-Infos:
 
  • www.adornedbrood.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Adorned Brood: Noor

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