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Review: Adrenaline 101
 
TWELVE STEP PROGRAM

Album:
 TWELVE STEP PROGRAM, 2010, STF

Stil:
 Rock

Wertung:
 3 von 7
3 von 7 Punkten
 V.R., 17.08.2010

Review:
 In den letzten Jahren hat sich die Schweiz von einem Geheimtip zu einer der Hauptanlaufstellen für Fans klassischer Hard Rock-Klänge entwickelt. Neben den schon seit Jahrzehnten existierenden Krokus sind es heutzutage hauptsächlich Gotthard, Shakra, Crystal Ball und Sideburn, die das kleine Land über die eigenen Grenzen hinaus bekannt machen. Mit Adrenaline 101 möchte seit 2005 eine weitere Schweizer Rockband auf sich aufmerksam machen. Im Gegensatz zu den genannten Gruppen gehen die Jungs aus Zürich allerdings deutlich zahmer zu Werke. In der Basis spielen sie klassischen Rock, angereichert mit einer Prise Hard Rock und einem winzigen Hauch Alternative. Mit STF hat sich nun auch endlich ein Label gefunden, das das Debüt-Album TWELVE STEP PROGRAM über die Landesgrenzen hinweg veröffentlicht. Ob dieser Name daher rührt, dass das Album genau zwölf Songs enthält?

Mit einem relativ langsamen Rocksong namens "Seek the Lane" startet das Album. Bis auf eintöniges Bassgeschrubbe und nöligen, an die Red Hot Chili Peppers erinnernden, Gesang hat der Titel nichts zu bieten. Für einen Opener ist das wirklich erschreckend lasch, obwohl das Tempo im weiteren Verlauf noch ein bisschen angezogen wird. Von der Härte der Landsmänner von Krokus oder auch Shakra ist die Truppe dabei meilenweit entfernt. Manche behaupten ja, dass Gotthard heutzutage Hard Rock für Hausfrauen spielen. Wenn man dies als Grundlage nimmt, müsste man die Musik von Adrenaline 101 fairerweise aber sogar schon als Hard Rock für die Oma von nebenan betiteln.
Mit mehr Tempo und Härte gehen Adrenaline 101 bei "Flush Nights" zu Werk, doch härter heißt in diesem Fall nicht unbedingt besser. Für einen guten Song fehlen einfach die eingängigen Ohrwurmmelodien, die nach dem Hören auch hängen bleiben. Dieser Song geht dagegen trotz anständiger Gitarrenriffs ins eine Ohr rein und kommt aus dem anderen sogleich wieder heraus.
Die im letzten Song vermissten Melodien bietet "Brand new Day", das deutlich gelungener ist als die ersten beiden Lieder. Hier verleihen Adrenaline 101 ihrer Musik eine eigene Note und können erstmals überzeugen. Fröhlich und verspielt mischt die Band hier klassischen Rock mit modernem Teenie-Punk.
Leider war es das erst mal wieder mit guten Ansätzen, denn "In the Mix" ist mit seinen verschrobenen Alternative-Elementen und chronischer Melodiearmut sogar ein richtiger Nervsong und damit ein Fall für die Skip-Taste.
"Golden Frame" nervt zwar nicht, ist aber nicht mehr als ein ziemlich öder Rocksong mit starkem Pop-Appeal. Lasch und kraftlos quillt der Song aus den Boxen und macht dabei keine Anstalten, sich in irgendeiner Weise im Ohr festzukrallen.
"When I'm gone" ist dann eine typische Rockballade, die immerhin eine ganz nette Melodie aufweisen kann, ansonsten aber auf kompletter Songlänge ohne Höhepunkte vor sich hinplätschert und keine Akzente setzen kann. Der nölige Gesang im Refrain sorgt zudem für einen nicht zu unterschätzenden Nervfaktor.
Bei "Push comes to shove" geht es dann zumindest stellenweise wieder rockiger zur Sache. Wie die meisten anderen Titel hat aber auch dieser Song das Problem, dass die Melodien unglaublich belanglos daherkommen und keinerlei Langzeitwert haben.
Dann kommt "Your Touch" - der Songtitel lässt eine Ballade vermuten. Stattdessen erwartet den Hörer aber erdiger Rock mit leichter Hard Rock-Schlagseite. Ein bisschen erinnert die Band bei diesem Titel an Gotthard. Da auch der Refrain recht ordentlich ausgefallen ist, haben wir es hier mit einem der besseren Songs des Albums zu tun.
Der positive Eindruck, den der letzte Song hinterlassen hat, ist schnell vergessen, da mit "I should be the One" ein unglaublich langweiliger wie uninspirierter Rocksong folgt, der bestenfalls für eine harmlose Hintergrundbeschallung taugt.
Eine ordentliche Schippe Härte legen Adrenaline 101 dann noch mal bei "Homicidal" drauf. Glücklicherweise kann der Titel auch sonst überzeugen, da er eine griffige Refrainmelodie und erdige Gitarrenriffs aufweist. Auf diesem Niveau sollte die Band häufiger zu Werke gehen, dann wäre aus der Platte vielleicht etwas Anständiges geworden.
Doch wie schon bei den anderen beiden guten Songs des Albums folgt auch auf diesen Kracher wieder ein sehr langweiliges Lied namens "Inseparable". Bei diesem Song ist es nicht nur die Stimme, die an die Red Hot Chili Peppers erinnert, auch die musikalische Untermalung klingt, als dienten die kalifornischen Herren hier als Hauptinspirationsquelle. Leider kommt der Titel über eine schwache Kopie zu keiner Zeit hinaus.
Mit "Fistful of Hate" wären wir dann auch schon beim zwölften und letzten Lied angelangt. Zum Glück, möchte man sagen, denn trotz des Songtitels, der einen ordentlichen Härtekracher vermuten lässt, haben wir es auch hier wieder mit einer uninspirierten und laschen Rocknummer ohne jeglichen Höhepunkt zu tun.

Fazit: Mit einem Album wie TWELVE STEP PROGRAM werden es Adrenaline 101 kaum schaffen, über die Schweizer Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden. Ihre uninspirierte Mischung aus klassischen Rock, einigen Hard Rock-Klängen und alternative-lastigem, an die Red Hot Chili Peppers erinnernden, Gesang kann nur in wenigen Momenten eigene Akzente setzen und pendelt meist zwischen belanglos und nervig. Lediglich drei Songs sind als ordentlich bis gut zu bezeichnen. Es fehlt einfach an allen Ecken und Enden. Nicht nur die mangelnde Härte, auch die fehlenden Ohrwurmmelodien und die undurchdachten Songstrukturen sorgen dafür, dass wir es hier mit einer unterdurchschnittlichen Veröffentlichung zu tun haben. Häufig klingen Adrenaline 101 wie Gotthard mit angezogener Handbremse. Keine Spur von Adrenalin, wie es der Bandname verheißt. Möchte man gerne etwas Positives über TWELVE STEP PROGRAM sagen, dann ist es die Tatsache, dass man die Musik gut im Hintergrund plätschern lassen kann, ohne dass man dabei sofort den Wunsch verspürt, die Anlage auszuschalten.

Anspieltipps:
 "Brand new Day", "Your Touch", "Homicidal."

Tipp:
 Hard Rock-Fans, die sich nicht daran stören, dass es hier doch sehr gemäßigt und uninspiriert zur Sache geht, dürfen mal ein Ohr riskieren. Eventuell ist das wegen des Gesangs auch was für Red Hot Chili Peppers-Fans.

Titel-Liste:
 
  1. Seek the Lane
  2. Flush Nights
  3. Brand new Day
  4. In the Mix
  5. Golden Frame
  6. When I'm gone
  7. Push comes to shove
  8. Your Touch
  9. I should be the One
  10. Homicidal
  11. Inseparable
  12. Fistful of Hate

Laufzeit:
 43:16 Min.

Band-Infos:
 
  • www.adrenaline101.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Adrenaline 101: TWELVE STEP PROGRAM

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