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Review: Aethra
 
TIME AND ETERNITY

Album:
 TIME AND ETERNITY, 2011, Eigenvertrieb

Stil:
 Melodic Metal, Hard Rock

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 V.R., 04.01.2012

Review:
 Mexico ist auf der Heavy Metal-Landkarte ein noch weitgehend leerer Fleck. Von der Death Metal-Band Ravager mal abgesehen fiel mir bis vor Kurzem keine weitere Hardwurstkappelle aus dem Land der Tacos und scharfen Chilischoten ein. Bis ich auf die Melodic Metal-Band Aethra stieß, welche mit TALES FROM DISTANT SKIES AND FAR BEYOND (2003) und INTOXICATING EVOLUTION (2005) bereits zwei durchaus gelungene Alben im Eigenvertrieb veröffentlichte. Stilistisch stand die Band schon damals für hochmelodische Klänge in der Schnittmenge zwischen Rock und Metal mit dem feinen Gespür für Ohrwurmmelodien. Auch war Aethras Musik schon damals mit einem leicht poppigen Anstrich gesegnet, was hier ausnahmsweise mal keinerlei negativen Nachgeschmack mit sich bringt, sondern einfach ausdrücken soll, dass der Sound der Band bei aller Härte auch durchaus massenkompatibel gehalten ist. Nachdem es nach 2005 etwas stiller um die Band wurde, kehren sie Ende 2011 endlich, nach sechs Jahren Pause, mit einem neuen Album namens TIME AND ETERNITY zurück. Zeit also, auch hierzulande mal einen Blick gen Mexico zu werfen.

Bevor so richtig losgerockt wird, entführen Aethra den Hörer mit dem instrumentalen keyboardbetonten Introsong "Time and Eternity" erst einmal in die Welt der Ruhe und Entspannung. Schon hier wird der poppige Appeal der Musik Aethras deutlich, der uns während des Hörens noch häufiger begegnen wird.
Doch genug der Meditation, denn bei "Angels" wird nach einem kurzen einführenden Keyboard-Part auch anständig losgerockt. Die Band bewegt sich musikalisch hier irgendwo zwischen Stratovarius, Rhapsody of Fire und Europe. Will heißen: Symphonische Keyboardparts treffen auf rockige Gitarrenklänge und poppigen Charme, und das alles im gewohnten Melodic Metal-Tempo. In die pure Symphonic Metal- oder Melodic Metal-Ecke kann man Aethra jedenfalls nicht so einfach stecken, denn dafür orientieren sie sich zu sehr am Hard Rock. Diese Mischung mag anfangs merkwürdig klingen, doch fügt sie sich sehr schnell zu einem harmonischen Ganzen. Mit über sieben Minuten weist der Song eine beachtliche Länge auf, doch Aethra nutzen diese Zeit und bringen ordentlich Abwechslung und auch Atmosphäre ins Spiel. Von Langeweile kann hier also definitiv nicht die Rede sein.
Bei "Live for Tomorrow" werden die Keyboards dann erst mal ein wenig in den Hintergrund gedrängt, nur in wenigen Passagen geben sie hier den Ton an. An ihre Stelle treten die Gitarren und das ist gut so, denn der weitgehend rockige Song bietet eine gelungene Abwechslung zum symphonischen Einstieg. Auch kommt hier die durchweg sehr angenehme Stimme des Sängers Eduardo Gómez besonders gut zur Geltung. Das absolute Highlight des Songs ist letzten Endes aber das beinahe schon folklorehafte Gitarrensolo, wo Aethra ihren mexikanischen Wurzeln musikalisch freien Lauf lassen.
"Never too late" kommt dann wieder deutlich keyboardbetonter daher und ist zudem der bisher schnellste Song. Geschwindigkeitsmäßig befinden wir uns hier in Melodic Speed-Gefilden, während Aethra musikalisch auch hier wieder ihre ganz eigene Note beweisen, indem die Metal-Klänge erneut mit einem speziellen poppigen Anstrich versehen werden. Dem einen oder anderen mag der Song dadurch zu soft daherkommen, was den qualitativen Anspruch der Band aber keinesfalls mindert. Die Band hat einfach ihre eigene Nische gefunden und verkörpert diese zu 100 Prozent.
Weiter geht es mir einer kurzen Ballade namens "Where the Stars are born", welche aber nicht unbedingt hätte sein müssen, da Aethra sich hier leider ein wenig in den Niederungen des Kitsches verirren. Mit einem Totalausfall haben wir es aber glücklicherweise nicht zu tun, denn der Song hat durchaus Potential, welches aber nicht voll ausgenutzt wird. Vielleicht reichen zweieinhalb Minuten auch einfach nicht aus, um die für eine Ballade nötige Atmosphäre zu erzeugen.
Anschließend bieten Aethra dem Hörer mit "Heroes we are" einen reinrassigen Melodic Metal-Kracher, der dank der eingestreuten Akustikgitarrenklänge, welche wieder einen deutlichen Folkloretouch aufweisen, wieder seine ganz eigene Note besitzt. Das hohe Niveau der ersten Songs kann hier also eindeutig erreicht werden.
Keyboardbetont setzt sich das Album mit dem Midtempo-Rocker "The magic Book" fort. Hier präsentiert die Band ein weiteres Mal ihre ganz eigene Mischung aus symphonischen, rockigen und metallischen Elementen. Phasenweise wird aber auch ein Gang zurückgeschaltet, so dass insbesondere die Strophen durchaus balladesk anmuten. Somit geschieht während des über sieben Minuten langen Songs erstaunlich viel, so dass hier niemand Eintönigkeit oder Langeweile befürchten muss.
Song Nummer Acht ist dann leider auch schon der letzte Titel der Platte – auf TIME AND ETERNITY wird somit eindeutig mehr Wert auf Klasse als auf Masse gelegt. Bei "All the Way down" handelt es sich jedenfalls um eine wunderschöne Abschlussballade, die auch höheren Ansprüchen genügen wird. Hier können Aethra nun doch noch beweisen, dass sie auch das Balladenfach beherrschen, nachdem die andere Ballade des Albums ja nicht ganz die Erwartungen erfüllen konnte. Damit haben wir es hier mit dem krönenden Ende einer leider sehr kurzen, aber auch absolut hochwertigen Scheibe zu tun.

Fazit: Es ist eine schiere Ungerechtigkeit, dass Aethra noch keinen Plattenvertrag besitzen und die Band hierzulande für mindestens 99,9 % der Bevölkerung absolut unbekannt sein dürfte. Aethra besitzen nämlich das, was anderen Bands des Melodic Metal-Genres zumeist noch fehlt – Eigenständigkeit, Innovation und ein eigenes Profil. Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, vermengt die Band auf TIME AND ETERNITY Melodic Metal mit Hard Rock, Folklore, und - ja, man muss es einfach so sagen – Pop. Die Musik der Band mutet phasenweise wirklich absolut poppig an, und ist dennoch absolut metallerkompatibel. Damit haben Aethra das Kunststück vollbracht, kommerzielle und massenkompatible Musik auf CD zu pressen, für die sich definitiv kein Metalfan schämen muss. Wäre das Album nicht schon nach knapp 40 Minuten zu Ende, könnte man hier glatt vom Melodic-Album des Jahres sprechen. Von diesem Status ist TIME AND ETERNITY aber auch in all seiner Kürze nicht allzu weit entfernt. Wenn Aethra beim nächsten Mal also ein geringfügig längeres Album auf gleichem Qualitätslevel rausbringen, dann wird es sich dabei ganz sicher um ein absolutes Genre-Highlight handeln – welchem dann hoffentlich bei einem regulären Plattenlabel erscheinen kann, damit Aethra endlich der Bekanntheitsgrad zuteil wird, welchen sie verdient haben.

Anspieltipps:
 Das komplette Album ist absolut hochwertig, jeder Song ist als Anspieltipp geeignet!

Tipp:
 Melodic Metal-Fans aufgepasst, hier wartet eine echte Perle auf euch! Vorausgesetzt, man hat nichts gegen einen leicht poppigen Anstrich einzuwenden, wird man mit diesem Album ganz sicher glücklich werden, denn es enthält eine ganze Palette an wunderbaren Melodien.
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Titel-Liste:
 
  1. Time and Eternity
  2. Angels
  3. Live for Tomorrow
  4. Never too late
  5. Where the Stars are born
  6. Heroes we are
  7. The magic Book
  8. All the Way down

Laufzeit:
 38:15 Min.

Band-Infos:
 
  • www.aethrametal.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Aethra: TIME AND ETERNITY

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