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Review: Alestorm
 
CAPTAIN MORGANīS REVENGE

Album:
 CAPTAIN MORGANīS REVENGE, 2008, Napalm

Stil:
 Viking Metal, Power Metal, Folk Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 S.M., 08.02.2008

Review:
 Auf dem in den letzten Jahren wieder populären Piratenthema reiten nun auch die schottischen Newcomer von Alestorm ordentlich herum. Sie bezeichnen ihren Stil selbst als "Scottish Pirate Metal", was weiterhin für die Verehrung dieses Themas spricht. Auch das Cover-Artwork, das stark an die erfolgreiche "Fluch der Karibik"-Trilogie erinnert, passt zu dieser Ideologie.
Alestorm stammen aus Perth, Großbritannien, oder besser gesagt: Schottland. Gegründet wurde die Band von Christopher Bowes (Gesang, Keyboard) und Gavin Harper (Gitarre). Weiterhin gehören Dani Evans (Bass) und Ian Wilson (Drums) zur Formation.
Dann wollen wir mal sehen, ob die Jungs das Seeräuber-Image von Running Wild noch toppen können.

Bei den ersten Tönen zu "Over the Seas" muss ich doch mal nachschauen, ob sich nicht versehentlich eine Turisas-Scheibe in meinen Player verirrt hat, derart ähnlich klingt die Einleitung mit bombastischen und symphonischen Keyboardarranments. Auch im weiteren Verlauf können die Anleihen bei "To Holmgard and beyond" nicht ganz geleugnet werden. Viking Metal wird mit straightem Power Metal vermischt und mit folkloristischen Einspielungen aufgelockert. Trotz der gewissen Plagiatie ein Stück, dass gut ins Ohr geht, weil der gesamte Aufbau stimmt und die Hookline von einer interessanten Melodie geführt wird. Auch Christopher Bowesī rauher, aber cleaner Gesang fügt sich gut ins Gesamtbild.
Mit dem Titeltrack "Captain Morganīs Revenge" fahren die Schotten auf der symphonisch angehauchten Viking/Power Metal-Schiene weiter. Allerdings sind die Anteile keltischer Folklore diesmal höher und der Refrain deutlich hymnischer. In einem längeren instrumentellen Zwischenpart mit starker Hauptrolle des Keyboards blitzt das Turisas-Erbe nochmal ordentlich durch. Aber eins muss man auch ganz deutlich sagen: Es gibt wahrlich schlechtere Vorbilder als Turisas. Auch dieser Song versüßt die Gehörgänge und lädt zum Mitgröhlen ein.
Bei "The Huntmaster" dominiert mehr der Power Metal. Im Stile früherer Rage-Stücke wird ordentlich marschiert, während das Keyboard wieder für die Anreicherung von folkloristischen Arrangements sorgt. Wie auch zuvor wird die Hookline von einer eingängigen Melodie geführt und auf den rauhen, aber hymnischen Refrain zugetrieben.
Vom Keybard angestimmte Akkordeontöne leuten den ersten Track ein, der aus dem Viking/Power-Schema fällt. "Nancy the Tavern Wench" klingt wie astreiner irischer (oder schottischer?) Folk-Rock mit metal-mäßiger Riffuntermalung. Aber die Männer von den britischen Inseln performen dieses Stück so gekonnt, dass es trotz erhöhter Schunkellaune nicht albern wird.
Mit "Death before the Mast" wollen die vier Freibeuter dann beweisen, dass es auch deutlich härter geht. Der Grundsound ist irgendwo zwischen Power und Thrash Metal angesiedelt und wird nur gelegentlich durch Akkordeoneinspielungen etwas aufgelockert. Der Aufbau ist nicht so harmonisch und lediglich das Keyboard kann mitunter melodische Akzente setzen. Ich möchte aber nicht sagen, dass das Stück schlecht ist. Im Grunde kommen gerade die Aggressivität in den Vocals und die thrashigen instrumentalen Teile als interessanter Gegensatz zu dem bisher so melodiösen Charakter des Albums.
Ähnlich aggressiv ist "Terror on the high Seas", allerdings ist der Track mehr dem sehr straighten Power Metal zugerichtet. Sehr gelungen ist eine dramatische Keyboarduntermalung und in Gedanken kann man sich direkt vorstellen, wie sich hier zwei Galeonen mit krachenden Kanonen gegenüberliegen und die Entercrews auf ihre Einsätze warten.
"Set sail and conquer" ist dann wieder melodiöser und hymnischer, ohne aber ganz die Klasse der ersten drei Stücke zu erreichen. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist ein kurzer Instrumentalabschnitt, in dem die Akkordeonmusik wie vom Jahrmarkt klingt.
Eine Einleitung mit Flöte, Maultrommel und Saitenklängen wirft das nächste Folklorestück in die Runde. "Of Treasure" könnte durchaus ein Piratensong des 17. Jahrhunderts sein, den Piraten nach einer Schlacht in einer düsteren Kneipe in Port Royal unter starken Rum-Einfluss den genauso angetrunkenen Zuhörern entgegengegröhlen.
Mit "Wenches & Mead" wird uns nochmal die äußerst gelungene Mischung aus hymnischem Power Metal und folkloristischem Viking Metal präsentiert. Eine starke Melodie treibt den rauhen Gesang auf den gelungenen Refrain zu. Turisas meets Running Wild ist ebenfalls eine gute Umschreibung. Nochmal ein richtiger Lichtblick dieses Albums und ich dachte schon, die Seeräuber hätten zu Anfang bereits ihr bestes Pulver verschossen.
Als krönender Abschluss kommt Alestorms ureigene Drinkgelage-Umsetzung der insgeheimen schottischen "Nationalhymne" "Flower of Scotland".

Fazit: So, nun kann ich mir auch unter der Bezeichnung "Scottish Pirate Metal" was vorstellen: Man nehme eine ordentliche Portion Viking Metal im Stile von Turisas oder Ensiferum, füge jede Menge Power Metal á la Running Wild oder Blind Guardian hinzu und würze das Gericht dann noch mit einer genau abgemessenen Prise Folk Metal und britischer Folklore. Heraus kommt dabei ein Album, das sofort ins Ohr geht, praktisch keinen Ausfall hat und beste Laune verbreitet. Alestorm legen mit CAPTAIN MORGANīS REVENGE ein beachtliches Debüt hin und ich hoffe, dass sie genau auf dieser Schiene weiterfahren.
Leichte Kritik muss ich an der kurzen Spielzeit üben. Außerdem sollte man die bandeigene Homepage mit informativen Inhalten füllen, anstatt nur auf eine relativ magere Myspace-Seite weiterzuleiten. Dem positiven Gesamteindruck tut das jedoch keinen Abbruch.

Anspieltipps:
 "Over the Seas", "Captain Morganīs Revenge", "The Huntmaster" und "Wenches & Mead".

Tipp:
 Mit ihrer intelligenten Stilvermischung sprechen Alestorm Fans von epischem Viking Metal genauso an wie die Power Metaller.

Titel-Liste:
 
  1. Over the Seas
  2. Captain Morganīs Revenge
  3. The Huntmaster
  4. Nancy the Tavern Wench
  5. Death before the Mast
  6. Terror on the high Seas
  7. Set sail and conquer
  8. Of Treasure
  9. Wenches & Mead
  10. Flower of Scotland

Laufzeit:
 41:38 Min.

Band-Infos:
 
  • www.alestorm.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Alestorm: Captain Morgan'S Revenge

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