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Review: Alestorm
 
BACK THROUGH TIME

Album:
 BACK THROUGH TIME, 2011, Napalm

Stil:
 Power Metal, Folk Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 17.06.2011

Review:
 Sie haben wieder Vollzeug gesetzt, die schottischen Piraten Alestorm, um erneut zu einer erfolgversprechenden Kaperfahrt aufzubrechen. Erfreulicherweise ist vieles beim Alten geblieben, so dass man sich als alter Hase sofort zurecht findet. Aber auch Neulinge sollten kaum Probleme haben, sich durch die mitreißenden Rhythmen wohlzufühlen und am Liebsten mit Muskete, Säbel und einer gesunden Portion Rum mit an Bord des Folk Metalers zu gehen.
Erfreulicherweise braucht man letzteres weniger um sich wegen schlechter Musik selbst zu betäuben, sondern vielmehr um beim geselligen Musizieren mit den trinkfesten Piraten mithalten zu können.
Mit der gewonnenen Routine durch krakenstarke Vorgänger, wie BLACK SAILS AT MIDNIGHT und dem Debüt CAPTAIN MORGANīS REVENGE ist auch alles etwas komfortabler an Bord geworden. Schon längst hat man die kleine Schaluppe aus den Anfangszeiten durch eine robuste 2-Decker-Fregatte und jeder Menge Kanonen eingetauscht. Dies ermöglicht mit voller Kraft auch Mal Blank Metal Riffs abzufeuern, die man den Jolly Roger-Freunden gar nicht zutraut. Und auch ruhigere Songs sind durchaus kein Thema, besonders wenn etwas Flaute auf den Meeren herrscht, was aber vor der schottischen Küste nur sehr selten vorkommt.

Und so fackelt man beim Opener "Back through Time" auch nicht lange. Ein kurzes Intro mit Dialog und Kanonendonner und schon geht es mit extremer Schlagzahl in die erste hymnische Piratennummer, die besonders von variablem Takt und mitreißenden Riffs lebt. Klar, dass man beim Refrain am liebsten mitgröhlen möchte.
Nicht so wild, aber mit etwas mehr folkloristischer Unterstützung, wie einem Akkorden geht es mit "Shipwrecked" in die nächste Runde. Wobei "nicht so wild" bezieht sich lediglich auf den Start, die im Verlauf des Songs schreckt man nicht mal vor thrashigen Elementen zurück.
Mit gehörigem Basisdruck und gesunden Grundtempo wird immer noch unter Vollzeug gesegelt. "The Sunk'n Norwegian" kann besonders mit seinem eingängigen hymnischen Refrain sofort punkten. Der Folk-Anteil wurde erneut etwas ausgebaut, jedoch behält der Metal noch deutlich die Oberhand.
Eine Pause ist noch lange nicht in Sicht und so erwischen die Piraten eine steife Brise, die erneut das Tempo bei "Midget Saw" nach oben treibt. Kompromisslos werden hier die Riffs abgefeuert, sodass jeder Gegner schnell das Weite suchen würde.
Mit "Buckfast Powersmash" gibt es einen kleinen Break im Stilwechsel, denn war bisher alles mitsingfähig und gefällig, so beginnt man hier knallhart thrashig, der wohl im Verlaufe der Melodielinie immer wieder mit shanty-artigen Passagen unterbrochen mit, jedoch beim Refrain erneut voll zuschlägt.
Erst mit der zum Schunkeln einladenden Ballade "Scraping the Barrel" kann man das erste Mal etwas verschnaufen, wenn sich Akkordeon und E-Gitarren ein Stelldichein geben. Textlich ist der Song mehr als interessant, wird doch besungen, dass Alestorm erstmal die Geschichten ausgegangen sind um ein viertes Album zu schreiben?!? Man werde aber zu gegebener Zeit sicherlich wieder ein Fass Ale öffnen... Puh! Da bekommt man ja fast schon einen Schock...
Keine Zeit für Trübsal. Nach Bier, Whiskey und Tequila, wie es die finnische Sippe der Wälder Korpiklaani besingt, geben sich die Schotten deutlich bescheidener aber auch wählerischer. Whiskey oder Gin geht nämlich gar nicht. Da muss es schon eine ordentliche Portion "Rum" sein, bis unsere Piraten zufrieden sind. Natürlich serviert mit dem üblichen Highspeed-Folk...
Nach so viel Schunkel-Metal hat man sich bei "Swashbuckled" auch wieder ein paar härtere Riffs überlegt und treibt die ansonsten romantische Piratenlyrik immer wieder in metallische Härtebereiche.
Nun, bei ganzen sechs Sekunden Spielzeit darf man bei "Rumpelkombo" nicht allzu viel erwarten.
Da macht dann das nostalgisch angehauchte "Barrett's Privateers" schon wieder mehr Piratenlaune, was nicht zuletzt an den reichlichen Chören liegen mag, die erneut zum Mitgröhlen verführen. Und auch die Luftgitarren-Fans kommen bei dem üppigen Gitarren-Solo voll auf ihre Kosten.
Was noch mit jeder Menge Fanfarenklänge recht bombastisch und hymnisch beginnt mausert sich schnell zu einen richtig anspruchsvollen epischen Stück, das man eher von Rhapsody of Fire erwartet hätte. Aber bei "Death Throes of the Terrorsquid" beweisen Alestorm, dass sie bei aller Liebe zu Piratengeschichten auch etwas über den Tellerrand hinaus musikalisch mit beiden Beinen sicher auf den Planken stehen. Erwähnte ich zu Beginn Black Metal? Nun, für Dimmu Borgir-Fans lauert hier sicherlich eine handfeste Überraschung. In jedem Fall ist es ein würdiger Ausklang eines gelungen Albums, das einmal mehr mit Spielfreude und jeder Menge Abwechslung nicht nur kurzweilige Freude bereitet.
Vor Urzeiten feierte bereits die George Baker Selection mit jeder Menge Blockflöten-Charme einen Welterfolg namens "Una Paloma Blanca", der mit Nina & Mike 1975 eine *grusel* Deutsche Version erlitten hat. Auch die Alestorm-Crew haben den Song nun wiederbelebt und mit dem witzigen Titel "I am a Cyber Drinker" als Bonusbeigabe gecovert. Da es bereits 300 Versionen des Originals von nahezu genau so vielen Interpreten gibt, reihen sich die Piraten damit mühelos ein, in die Liste der Nachahmer, natürlich mit dem nötigen Quäntchen Ironie, versteht sich.
"Yeah, ho ho", zum jetzt aber wirklichen Abschluss gibt es noch einen schönen Shanty "You are a Pirate" verpackt als Folk Metal, der noch einmal die Bierkrüge klirren lässt und der Piraten-Party den erwarteten feucht fröhlichen Ausklang beschert.

Fazit: Jetzt hoffe ich nur, dass es Alestorm in ihrem Song "Scraping the Barrel" nicht wirklich ernst gemeint haben, denn die blitzsaubere und abwechslungsreiche Piraten-Performance mit jeder Menge witziger Ideen schreit förmlich nach einer Fortsetzung. Obwohl die Schotten erst seit einigen Jahren die Weltmeere unsicher machen und sie es diesmal sogar mit missmutigen Wikingern zu tun bekommen, steigern sie ihre Härte und hymnische Epik von Album zu Album. Dass sie dabei jedes Mal noch freier und unbeschwerter klingen, erlebt man bei heutigen Bands immer seltener.
Und so erhebe ich meinen Krug mit dem Wunsch: "...dass auch zukünftig noch genügend Fässer im Laderaum gefunden werden, die die Crew mit genügend leckerem Bier für weitere Kaperfahrten und Geschichten versorgen mögen."

Tipp:
 Weiterhin sind es vor allem Running Wild-Fans die mit Alestorm einen inoffiziellen jedoch legitimen Nachfolger finden werden. Inzwischen werden die Schotten aber auch jede Menge eigene Fans für ihre Songs finden, denn "Piraten" sind wieder hoch im Kurs und da meine ich nicht die traurigen Kapitel vor Somalia, sondern vielmehr die spaßigen Kapitel, wie "Fluch der Karibik", die mittlerweile in die vierte Runde gehen.

Titel-Liste:
 
  1. Back through Time
  2. Shipwrecked
  3. The Sunk'n Norwegian
  4. Midget Saw
  5. Buckfast Powersmash
  6. Scraping the Barrel
  7. Rum
  8. Swashbuckled
  9. Rumpelkombo
  10. Barrett's Privateers
  11. Death Throes of the Terrorsquid
    - - - Bonus Tracks - - -
  12. I am a Cyber Drinker
  13. You are a Pirate

Laufzeit:
 CD 47:38 Min.

Band-Infos:
 
  • www.alestorm.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Alestorm: BACK THROUGH TIME

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