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Review: Ancara
 
BEYOND THE DARK

Album:
 BEYOND THE DARK, 2008, Metal Heaven

Stil:
 Hard Rock, Heavy Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 U.B., 11.02.2008

Review:
 Finnland das Land der Elche und Wälder ist gemessen an der Einwohnerzahl bestimmt mit weitem Abstand das produktivste Fleckchen Erde wenn es um das Hervorbringen von Rock und Metal Bands geht. Mit Ancara ist allerdings keine neue Formation angetreten die Charts zu stürmen. Die Wurzeln der Gruppe gehen bereits auf das Jahr 1985 zurück. Damals nannte man sich Metal Circus, später gekürzt zu MC, zwischenzeitlich Resistence bevor man sich endlich für Ancara entschied. In einem Interview sagte Sänger Sammy Salminen der Name habe sich so oft geändert weil auch ständig die Mitglieder kamen und gingen. So überrascht es auch nicht, dass aktuell außer Trommler Timo Rajala kein anderer Musiker der Anfangszeit mehr mit dabei ist. Lange Zeit dümpelten die Aktivitäten so vor sich hin bevor man 2003 endlich engagierter an die Sache ran ging. Nach einigen Demos, gut Ding will Weile haben, kam 2006 die erste Scheibe auf den Markt, The Dawn genannt. Die Single daraus "The World" stieg in Finnland bis auf Rang zwei und wurde nur von Lordi gebremst auf die Pool Position zu klettern. Das nun vorliegende zweite Album BEYOND THE DARK erschien in Finnland bereits Ende August 2007 beim Label von Goldkehlchen Timo Kotipelto, der Stimme von Stratovarius. Über den verspäteten Start im Rest von Europa sollte man sich nicht zu sehr grämen da Metal Heaven die die Scheibe hier vertreiben, den Silberling durch zwei Bonus Songs plus zwei Video Clips aufgewertet hat. Bei einem der Bonus Songs handelt es sich um das bereits angesprochene "The World". Die in Finnland verkaufte CD hat mit nur acht Liedern gerade mal eine Spielzeit von 34 Minuten. Hallo liebe Finnen ihr solltet euch, was die Spieldauer betrifft, nicht unbedingt an Children of Bodom orientieren die ihre Songs in ähnlich homöopathischer Dosis auf die Scheiben pressen. Die Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als Melodic Hard Rock. Aus meiner Sicht wildern die Jungs aber auch ganz nett im Metal Bereich. Stil hin Stil her, schauen wir uns die Songs doch mal näher an die Sammy Salminen Lead Vocals, Samuel Hjelt Gitarre und Vocals, Huja Wahlsten Gitarre und Vocals, Mika Rajala Bass und Timo Rajala Drums uns da aus dem hohen Norden mitgebracht haben.

"Circles" stampft ordentlich los und rockt mächtig. Was sofort auffällt ist der Bass. Da werden die meisten Langsaitenzupfer garantiert blass vor Neid welchen Raum man dem Instrument hier lässt. Das gilt übrigens für das gesamte Album. Auch die Drums legen sich kräftig ins Zeug. Die Riffs sind auch nicht von schlechten Eltern, die Vocals rau und ehrlich in mittleren Höhen angesiedelt werden durch die Stimmen der beiden Gitarristen prima unterstützt. Dadurch, dass einzelne Instrumente nur auf einen Kanal gemischt wurden klingen die meisten Songs sehr räumlich. Nicht nur dabei, sondern mitten drin, fühlt sich das an egal ob über die Boxen oder mittels Kopfhörer konsumiert wird.
"Deny" zieht mit donnernden Riffs mächtig vom Leder. Der schon erwähnte Bass poltert deftig. Der teils mehrstimmige Chorus, deny me you find me, geht schnell ins Ohr und lädt zum Mitsingen ein.
"Snowflower" startet dem poetischen Titel entsprechend episch orchestral. Die Gitarren sind dagegen deutlich aggressiver. Die Vocals sind sanft und unterstreichen den balladesken Charakter der Nummer. Leider kann die Melodie nicht ganz mithalten, hier fehlt das melodiöse Element, gerade bei einer (Power) Ballade. Zum Ende klingt die Nummer langsam, wieder mit Keyboards wie am Anfang aus.
"Scarred" rifft sich sofort in mein Ohr und mein Herz. Der Song hat einen mitreißenden Drive. Da wippen beide Füße zum flotten Takt. Die Vocals sind schön intensiv und an den richtigen Stellen mit einer gehörigen Portion Pathos. Die Backing Vocals mit dem immer wiederkehrenden what about me passen hervorragend zum Rest des Songs. Die Drums treiben und die nicht übertriebenen Gitarrensoli runden einen rundum gelungenen Track ab.
Als dunkler Stampfer mit viel Power gibt sich "Just for me". Die Vocals sind rau und ungeschliffen genau wie die Backing Shouts und ein wichtiger Bestandteil des etwas düsteren Songs.
Verzerrte Gitarren die an Polizeisirenen erinnern leiten "Cranium Tension" ein. Midtempo walzt Ancara wie ein Bulldozer durch die Gehörgänge. Der Bass hat viel Gelegenheit zu glänzen und ist schon sehr dominant. Der mehrstimmige Refrain ist heiter und sorgt dafür, dass die Nummer nicht zu düster wird.
Sanfte Gitarrenklänge lassen bei "When everyone else is gone" auf eine Ballade schließen, aber die kräftigen Riffs die folgen belehren eines Besseren. Die Midtempo Nummer spielt zwar mit einigen sanfteren Abschnitten, ist aber sonst recht heftig. Der Druck kommt vor allem von einer starken Rhythmustruppe, die gut mit den Gitarren harmonisiert.
"In Silence" ist vom Tempo vergleichbar aber noch einen ganzen Zacken härter. Der Songtitel erscheint angesichts der gebotenen Power schon als Scherz. Starker Groove prägt den kraftvollen Midtempo Song.
Kurze Maschinengewehrsalven werden auf "The World" durch schnelle, ähnlich klingende Drummschläge abgelöst. Die Gitarren setzen mit Macht ein, die Vocals sind im Gegensatz dazu viel heiterer und Sammy Salminen beweist hier wie wandlungsfähig seine Stimmbänder sind. Blieb er bisher im mittleren Spektrum, so überzeugt er hier auch in den höheren Tonlagen. Melodie und Chorus sind ungewohnt melodisch für Ancara, gefallen mir aber umso mehr. Schöne Mischung aus Eingängigkeit und Kraft. Dass der Track als Single in Finnland bis auf Platz zwei in den Charts kletterte, überrascht mich überhaupt nicht.
Als Rausschmeißer gibt es noch "Burn in Hell". Die Live Nummer tritt mächtig in den Allerwertesten. Was für ein Einheizer, da kocht der Saal und schüttelt die Mähne. Die Vocals sind zum Teil geshoutet und schön kratzig. Ob Gitarrensolo, heftige Drumattacken, aggressive Vocals und Basspoltern, alles da. Auch als Live Band sind Ancara alles andere als eine Schlaftablette.

Fazit: Von der technischen Seite gibt es keinen Anlass für Kritik. Der Sound ist voll und klar und es fehlt wahrlich nicht am Druck. Die Songs lassen aber noch etwas Feinschliff vermissen. Mir bleibt da zu wenig hängen, den gewissen Kick suche ich vergebens. Was bleibt sind gefällige Songs, stark rhythmusbetont, die ehrlich und ohne unnötigen Firlefanz rüberkommen. Ancara werden ihren Weg gehen, da bin ich mir sicher.

Anspieltipps:
 "Scarred", "In Silence", "The World"

Tipp:
 Wer von seichtem Melodic Hard Rock genug hat und sich etwas raueren Tönen zuwenden will, dabei auch mal die Grenze zum Metal zu überschreiten gewillt ist, der findet in diesem Album den passenden Stoff für seinen CD Player. Ancara werden gern in einem Atemzug mit Leverage genannt, dieser Vergleich trifft aber nur bedingt zu. Der melodische Anteil ist bei Leverage spürbar höher und auch das Songwriting ist etwas besser. Dennoch ist BEYOND THE DARK ein empfehlenswertes Album. Speziell Liebhaber der Bassgitarre werden ihre Freude haben. Der Viersaiter ist ständig präsent aber nie störend. Nur selten habe ich dieses Instrument so gekonnt gespielt hören dürfen.

Titel-Liste:
 
  1. Circles
  2. Deny
  3. Snowflower
  4. Scarred
  5. Just for me
  6. Cranium Tension
  7. When everyone else is gone
  8. In Silence
  9. The World
  10. Burn in Hell (Live)

Laufzeit:
 44:03 Min.

Band-Infos:
 
  • www.ancarasite.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Ancara: Beyond the Dark

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