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Review: Antichrisis |
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Album:
| | NOT FADE AWAY, 2012, Blue Yonder |
Stil:
Wertung:
| |  7 von 7 Punkten | | V.R., 18.04.2012 |
Review:
| | Es erscheint fast wie ein Wunder, dass nach langen Jahren des Wartens 2012 tatsächlich ein neues Antichrisis-Album veröffentlicht wird. Immerhin war der Weg für Bandkopf Sid und seine Band von Steinen nur so übersät. Nachdem private Krisen überstanden waren, sollte 2006 eigentlich das nächste Antichrisis-Album THE LEGACY REMAINS erscheinen. Vorher wurde A LEGACY OF LOVE, das wohl bekannteste und beste Album der Band, noch einmal ganz neu eingespielt und als A LEGACY OF LOVE MARK II veröffentlicht, da zwischen A LEGACY OF LOVE und THE LEGACY REMAINS ein großer Zusammenhang besteht und beide Alben dementsprechend auch ähnlich produziert sein sollten. Eine Labelpleite verhinderte leider die Veröffentlichung von THE LEGACY REMAINS, das schließlich als das unveröffentlichte Antichrisis-Album in die Geschichte einging. Anschließend formierten sich Antichrisis völlig neu, aus dem Quintett wurde ein Duo. Neben Sid gehört anno 2012 auch die Sängerin Ayuma, Sids Ehefrau, zur Band. Zusammen haben beide viele neue Songs aufgenommen, die ursprünglich 2011 bei einem neuen Label erscheinen sollten. Da kurz vor der Veröffentlichung auch jenes Label in finanzielle Schwierigkeiten geriet, entschied man sich kurzerhand, das neue Album NOT FADE AWAY ausschließlich digital bei einem selbst gegründeten eigenen Label zu veröffentlichen. Damit genug der Hintergründe, entscheidend ist letzten Endes vor allem die musikalische Qualität des neuen Werkes und in diesem Punkt, so viel sei vorweg genommen, bietet NOT FADE AWAY großen Anlass zur Freude.
Den Opener "Here comes the Night" werden Fans sicher schon von der Bandhomepage kennen. Ganz klar gehört der Titel zu den besten Antichrisis-Songs der letzten Jahre. Irgendwo zwischen Rock, Pop und Gothic hin- und herpendelnd und mit einem reinrassigen Ohrwurmrefrain gesegnet, bietet die Nummer alles, was man von einem hochklassigen Opener erwarten darf. Als Höhepunkt des Songs bedarf gerade das energiegeladene Gitarrensolo eine gesonderte Erwähnung.
Auch "Night Train" ist bereits seit einigen Jahren bekannt. Ursprünglich gab es den Song nämlich schon 2007 als "Stone Rain" auf der Homepage zu hören. Mit der Zeit hat der Song allerdings eine intensive Transformation durchgemacht. Wo ursprünglich noch düstere Gothic Metal-Klänge regierten, wird der Song in seiner heutigen Form durch Bläserklänge und Ayumas zwischen Zukunftsangst und Hoffnung pendelnden Vocals bestimmt.
Waren die ersten beiden Songs schon von sehr hoher Qualität, kann "Ocean’s too wide" diese sogar noch toppen. Hier bewegen sich Antichrisis auf Synthiepop-Pfaden und lassen die großen Zeiten von Bands wie Human League, Visage oder OMD neu aufleben. Versucht haben das in den letzten Jahren viele, aber Antichrisis ist das Kunststück gelungen, das Niveau der großen Vorbilder wirklich zu erreichen. Darüber hinaus weist der energiegeladene Song neben den Uilleann Pipes, welche lange Jahre DAS Erkennungszeichen der Band schlechthin waren, auch ungewohnte Elemente auf. Einen Bariton hätte in diesem musikalischen Umfeld sicher kaum jemand erwartet.
Mit "The Fire went out" folgt im Anschluss die erste Ballade, bei der sich Antichrisis von ihrer ruhigen, fast schon besinnlichen Seite zeigen. Leider kann die Produktion bei diesem Titel nicht vollends überzeugen, was aber zu verschmerzen sein sollte, zumal man nicht vergessen darf, dass Antichrisis kein finanzstarkes Label im Rücken haben. Davon mal abgesehen weiß aber auch dieser Song zu überzeugen, gegen Ende läuft er mit seiner verspielten Bridge gar zur Höchstform auf.
Richtig melancholisch wird es bei "Who you are". Die gefühlvolle Nummer reißt den Hörer mit ihrem harmonischen Wechselgesang sofort mit und entführt ihn im weiteren Verlauf auf eine emotionale musikalische Reise, vorbei an den Klippen des drohenden Untergangs, hin zu einem nur zu erahnenden Ziel in weiter Ferne. Eine große Stärke der Band war schon immer die musikalische Umsetzung intensiver Gefühle und dieser Song macht da keine Ausnahme.
"Have you been loved?" mutet dann gleich viel hoffnungsvoller, aber dennoch nicht weniger intensiv an. Wirkte der letzte Titel noch wie das Ende eines Abschnitts, so ist man hier ganz eindeutig am Ziel angekommen. Die Stimmung erinnert dabei ein wenig an "Nightswan" vom A LEGACY OF LOVE-Album und auch qualitativ ist er in einer ähnlichen Liga angesiedelt.
Jetzt wird es etwas experimenteller, denn "The Point of no Return" ist bei weitem nicht so eingängig wie der Rest des Albums und könnte in dieser Form sicher auch auf dem dritten Antichrisis-Album PERFUME stehen. Beim ersten Hören mag man noch dazu geneigt sein, den Titel zu überspringen, was fatal wäre, da sich seine wahren Qualitäten erst nach mehreren Durchläufen erschließen. Wenn man sich erst mal auf die ungewohnten Elemente wie Sids Sprechgesang und den modernen Rhythmus eingelassen hat, kann sich die besondere Energie des Titels aber voll und ganz entfalten.
"Shine" ist der tongewordene Liebesbeweis Sids an seine Frau Ayuma. Irgendwo zwischen Midtempo-Nummer und Ballade bedankt er sich bei ihr für die Zeit mit ihr und in jeder Note spiegeln sich diese großen Gefühle wider.
Das wunderbar romantische "Creatures of a Jade Lagoon" geht sogar noch einen Schritt weiter, indem sich, trotz aller Verlustängste und negativer Erfahrungen, ein Gefühl des Vertrauens einstellt. Nur wenige Liebeslieder der letzten Jahren können eine derartige Intensität und Authentizität aufweisen wie dieser Song, der ganz klar zu den stärksten Songs auf NOT FADE AWAY zählt und sogar in einer Liga mit "Dancing in the Midnight Sun" spielt. Behandelte Letzteres Themen wie zerbrochene Hoffnung und Enttäuschung, so ist dieser Titel so etwas wie der musikalische helle, durch und durch hoffnungsvolle Zwilling.
Weiter geht es mit dem wohl ältesten Song des Albums. Schon 2004 wurde "Endless Flow" auf der Antichrisis-Homepage veröffentlicht. In der 2012er-Fassung klingt der Titel aber noch ein ganzes Stück runder, kompletter, schlicht und einfach besser.
"Adrenalin" gehört zu den wenigen rockigen Nummern des Albums. Hier schimmern die Wurzeln der Band, die überraschenderweise mehr im Punk-Bereich als im Gothic Metal zu suchen sind, an allen Ecken und Enden durch.
Gleich im Anschluss wird es wieder deutlich gefühlsbetonter, denn "Walking with Angels" ist von der ersten bis zur letzten Note Ayuma und ihrem Lebensweg gewidmet. Der Song ist ein wahrer Hoffnungsspender, ein Symbol dafür, dass man seine Ziele, trotz der widrigsten Umstände, nie aus den Augen verlieren sollte.
"Crossing the Line" ist dann wieder deutlich härter, allerdings nicht unbedingt rockiger, da der Song eher im düsteren Dance-Bereich angesiedelt ist. Auf NOT FADE AWAY gehört er zwar nicht gerade zu den Highlights, doch letzten Endes beweisen Titel wie dieser eben die große Stilvielfalt und den Abwechslungsreichtum der Band.
Besinnliche Uilleann Pipes-Klänge leiten das balladeske "Restless Years" ein. Hier haben Antichrisis noch einmal alle ihre Stärken gebündelt und einen wunderschönen romantischen Song geformt.
Abgeschlossen wird das Album mit dem traurigen Abschiedssong "Lament for Kira", den Sid und Ayuma ihrer 2011 verstorbenen Katze Kira gewidmet haben. Mit diesem Titel endet ein Album voller durch und durch authentischer Gefühle auf eine höchst würdige Art und Weise.
Fazit: Das erste Antichrisis-Album seit sieben Jahren führt die Tradition der Band auf höchstem Niveau fort. Wie schon bei den vorherigen Werken stehen auch hier die Gefühle, welche durch die Musik ausgedrückt werden, im Mittelpunkt. NOT FADE AWAY ist reich an musikalischen Höhepunkten und neben aller musikalischen Perfektion sind es eben besonders diese authentischen Gefühle, die dem Album seine Klasse verleihen. Jeder Emotion wird auf dem Album Raum gelassen, so spielen hier Hoffnung, Zuneigung, Vertrauen und Liebe ebenso eine Rolle wie Angst, Trauer und sogar Wut. Überhaupt wird Abwechslung auf dem Album groß geschrieben. Wirklich einfach war es nie, Antichrisis in eine musikalische Schublade zu stecken, doch selten ging die Band so vielfältig zu Werke wie auf NOT FADE AWAY. Viele der Songs sind zwar im klassischen Rock- und Pop-Bereich verwurzelt, doch auch Anleihen aus den Bereichen Irish Folk, Alternative Rock, Gothic und Dance sind deutlich herauszuhören. Erfreulich ist auch, dass die Uilleann Pipes als musikalisches Erkennungszeichen der Band auch heute noch zum Antichrisis-Sound dazugehören. Leider besitzt die Band bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad, den sie verdient hätte. Angesichts der hohen musikalischen Qualität auf NOT FADE AWAY wäre Antichrisis der verdiente Durchbruch nur zu wünschen. Letzten Endes wird die Band aber wohl auch in Zukunft ein Geheimtipp für Menschen bleiben, die sich, über alle Genregrenzen hinweg, auf der Suche nach der perfekten musikalischen Umsetzung von Gefühlen befinden. Und in diesem Umfeld kann Antichrisis wirklich Niemand den Namen streitig machen. Unterm Strich macht das absolut verdiente sieben Punkte für ein von vorne bis hinten durchgängig starkes Album, das trotz seiner beachtlichen Länge ohne Ausfall daherkommt und schon jetzt zu den musikalischen Highlights des Jahres 2012 zählt. |
Anspieltipps:
| | "Here comes the Night", "Ocean’s too wide", "Who you are", "Have you been loved?", "Shine", "Creatures of a Jade Lagoon", "Adrenalin", "Walking with Angels". |
Tipp:
| | Völlig unabhängig vom musikalischem Genre ist dieses Album jedem zu empfehlen, der einfach gerne gefühlvolle und qualitativ hochwertige Musik hören möchte. |
Titel-Liste:
| | - Here comes the Night
- Night Train
- Ocean’s too wide
- The Fire went out
- Who you are
- Have you been loved
- The Point of no Return
- Shine
- Creatures of a Jade Lagoon
- Endless Flow
- Adrenalin
- Walking with Angels
- Crossing the Line
- Restless Years
- Lament for Kira
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