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Review: Apocalyptica
 
7TH SYMPHONY

Album:
 7TH SYMPHONY, 2010, Dragnet / Sony

Stil:
 Cello Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 N.Z., 20.09.2010

Review:
 Kaum zu glauben, welch internationalen Erfolg und Bekanntheitsgrad Apocalyptica mit Ihrem Bandkonzept, welchem zu ihren Gründungszeiten 1996 wohl kaum jemand großes Durchsetzungsvermögen auf dem Welt-Musikmarkt zugeschrieben hätte, mittlerweile verbuchen kann. Am Anfang stand lediglich ihr gemeinsames Abschlussprojekt an der Musikhochschule, bei welchem die vier Finnen Metallica Stücke auf Celli neu interpretierten. Nachdem die daraus entstandene Platte großen Anklang fand, wurde fleißig weiter gecovert: Von Slayer über Faith No More, Rammstein oder Sepultura. Als dann schließlich auch noch eigene Kompositionen das Bild vervollständigten, gab es kein Halten mehr, so dass nun, drei Jahre nach Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums WORLDS COLLIDE, bereits die, treffend mit 7TH SYMPHONY titulierte, siebente Platte in den Regalen steht.

Zusammengesetzt aus vier von Gastmusikern besungenen Tracks und sechs instrumentalen Stücken ist der siebte Streich des finnischen Cello-Trios und ihres Schlagzeugers ein buntes Allerlei aus grenzwertiger Radiotauglichkeit, bretternden Sounds und gefühlsechter Intensität. Als krasses Gegengewicht zum siebenminütigen Opener "At the Gates of Manala", welcher in seiner instrumentalen Form etwas schwer zu greifen ist und zu Langatmigkeit und Wiederholungen neigt, folgen die, weit in den Mainstream-Alternative-Sound abrutschenden Titel "End of Me" (feat. Gavin Rossdale, Sänger der Band Bush) und "Not strong enough", welches seine Stimme Brent Smith, Leadsänger der Band Shinedown, verdankt, die in ihrer erstaunlich eingängigen Simplizität zwar durchaus ins Ohr gehen und Chart-Potential versprühen, jedoch leider auch mit Innovation sparen und geradezu durchschnittlich daher kommen.
Wenn dabei auch noch die Celli in den Hintergrund geraten und nicht nur vom Gesang begleitet sondern beinahe vollständig überlagert werden, ist für meine Begriffe der Gedanke, der hinter dem Projekt steht, leicht verfehlt, schließlich möchte ich als Käufer eines Apocalyptica Albums keinen 08/15 Alternative Rock, sondern Cello interpretierte Rock- oder Metal. Stücke, die unter Umständen teils durch Gesang etwas aufgelockert werden (wenn's denn überhaupt nötig ist). "2010" nennt sich das nächste Stück, welches eine kleine extra Würze, durch das Mitwirken von Slayers Drummer Dave Lombardo, erhält. Der Song ist actiongeladen und stark, leider sind jedoch die Celli derart verzerrt, dass sie eher wie ganz ordinäre E-Gitarren klingen.
Seinem Namen alle Ehre macht das wirklich schöne "Beautiful", welches ebenfalls instrumental, allerdings sehr viel sanfter und schlichter als der Vorgänger dahinplätschert, ohne für viel Furore zu sorgen. "Broken Peaces" ist ein weiterer gesangsbestückter Track - hier erhält das Album seine weibliche Note durch Lacey Mosley, US-amerikanische Sängerin der Band Flyleaf. Leider kann sich der Song ebenfalls nicht der Durchschnitts-Falle entziehen, schließlich klingt es wie ein x-beliebiges Stück von Evanescence oder anderen populären Bands mit weiblichem Leadgesang.
Einzig besungener Titel, der ein wenig aus der verhängnisvollen Eingängigkeit auszubrechen vermag ist "Bring Them to Light" feat. Joe Duplantier (Sänger der französischen Band Gojira), welcher das Stück mit charmanter Grobheit hervorhebt, die zarten Lyrics in beinahe ironischer Verzweiflung heraus gebrüllt, wobei er mit den Celli interagiert ohne sie zu dominieren. Das rhythmische "On the Rooftop with Quasimodo" bietet sowohl lauernde Passagen, welche zurückgezogen hinter tickenden Drums auf ihren Ausbruch warten, als auch eine packende Melodie, die auf unterschiedlichen Intensitätsebenen zu überzeugen vermag.
Die ineinanderfließenden, abschließenden Tracks "Sacra" und "Rage of Poseidon" beenden das Album mit einer perfekt von den gestrichenen sowie gezupften Celli übertragen, gehaltvollen Schwermütigkeit und im zweiten Teil geradezu unbarmherzig heran brandender Kraft, welche einem, im scheinbaren Chaos gipfelnd, fast den Atem nimmt um dann jedoch, wie ein abklingender Schmerz, wieder zur Ruhe zu kommen. Ähnlich unter Strom wie dieses spannungsgeladene und mitreißende Finale hätte ich mir das komplette Album gewünscht.

Fazit: Auch wenn die besungenen Titel durchaus etwas Abwechslung in die Platte bringen und sicherlich den Abverkauf steigern, zerreißen sie durch ihre beinahe übertriebene Schlichtheit und Einfallslosigkeit leider etwas das Bild dessen, was man sich von einem Apocalyptica Album erhofft. Auch die teils etwas überlagerten Celli nehmen dem Konzept etwas seiner Authentizität. Die instrumentalen Stücke sind jedoch sehr stark und überzeugen beinahe ausnahmslos.

Anspieltipps:
 "Sacra" und "Rage of Poseidon" sind ein Songverbund, welcher unbedingt zusammen gehört werden sollte - toll!

Tipp:
 Natürlich ein Muss für alle Fans. Bedingt interessant für die übrigen Freunde instrumentaler Musik.
Neben der Standartversion ist außerdem eine Deluxe-Edition erschienen, welche Bonus-Titel sowie eine DVD enthält. Diese wurde jedoch nicht getestet.

Titel-Liste:
 
  1. At the Gates of Manala
  2. End of me
  3. Not strong enough
  4. 2010
  5. Beautiful
  6. Broken Pieces
  7. On the Rooftop with Quasimodo
  8. Bring Them to Light
  9. Sacra
  10. Rage of Poseidon

Laufzeit:
 46:17 Min.

Probehören und Kaufen:
Apocalyptica: 7TH SYMPHONY

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