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Review: Arcturon
 
THE EIGHT THORNS CONFLICT

Album:
 THE EIGHT THORNS CONFLICT, 2011, Eigenvertrieb

Stil:
 Melodic Death Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 V.R., 20.01.2012

Review:
 Gerade mal rund 20 Jahre ist das Durchschnittalter bei den Schweizer Death-Metallern von Arcturon. Umso erstaunlicher ist dann die Tatsache, dass die Band bereits seit 2004 aktiv ist und inzwischen auf höchst professionellem Niveau agiert. Da überrascht es dann auch kaum noch, dass man bereits im Vorprogramm von namhaften Szene-Bands wie Arch Enemy, Six Feet Under, Nile oder Finntroll spielen konnte und mit Rotting Christ und Omnium Gatherum auch schon eine ganze Tour bestreiten durfte. Doch es wird noch besser: Das Debüt-Album THE EIGHT THORNS CONFLICT konnte die Band nämlich in Peter Tägtgrens legendären Abyss Studio, mit Jonas Kjellgren von Scar Symmetry als Produzent, einspielen. Umso verwunderlicher ist dann wiederum die Tatsache, dass sich kein Label finden ließ, das die Scheibe veröffentlichen wollte. Dies soll nun allerdings keinen Grund darstellen, um nicht doch mal einen genauen Blick auf der Werk zu werfen. Wer weiß, vielleicht handelt es sich bei THE EIGHT THORNS CONFLICT ja sogar um das nächste große Ding im melodischen Death Metal-Bereich.

Der Einstieg mit dem knüppelharten Death Metal-Brett "The Dissenter" könnte stärker kaum ausfallen. So und nicht anders muss man eine Death Metal-Scheibe eröffnen, auf harte und doch melodische Weise und mit Melodien, die auch bei weiteren Durchläufen noch interessant bleiben. Auch wenn Arcturon hier stilistisch stark an Bands wie Amon Amarth erinnern, besitzen sie immer noch genügend Eigenständigkeit, um nicht als bloße Kopie der genannten Szenegröße zu gelten – zumal das ja auch bei weitem nicht die schlechtesten Vorbilder sind.
"Gryfius" ist tempomäßig dann eine Stufe unterhalb des Openers angesiedelt, weiß musikalisch aber genauso zu fesseln. So wie dieser Song klangen In Flames mal, als sie noch als hochklassiger Garant innerhalb der Melodic Death Metal-Szene galten, bevor sie von diesem Stil dann von Album zu Album immer mehr abwichen. Doch wer braucht heute noch In Flames, wenn es doch Arcturon gibt, die ihre Sache keinen Deut schlechter machen.
Weiter geht es mit dem Titelsong "The eight Thorns Conflict", wo Arcturon geschwindigkeitsmäßig wieder eine Schippe drauf legen. Der Song bietet melodischen Death Metal in Reinkultur, bei dem auch Keyboards eine gewisse Rolle spielen. Diese werden aber durchweg passend eingesetzt, spielen zu keiner Zeit die erste Geige und weichen den Gesamtsound dementsprechend auch nicht auf, sondern vervollständigen ihn.
Bisher war die Scheibe auf durchweg hohem Level angesiedelt und da macht dann auch "Pleasures of the Earth" keine Ausnahme. Arcturon wissen bereits jetzt, in ihren jungen Jahren, wie man mitreißenden, sowohl harten als auch melodischen Death Metal fabrizieren muss, der auch nach dem zehnten Hören noch zu fesseln weiß.
Ein wenig düster wird es bei "The Empire shall burn". Im Intro werden die Keyboards auch mal etwas großzügiger eingesetzt und erzeugen dabei eine sehr stimmige dunkle Atmosphäre. Darüber hinaus bietet auch dieser Song wieder alle Charakteristika, die man bei einem gutklassigen Melodic Death Metal-Song erwarten darf.
Mit einem sehr stimmungsvollen Gitarren-Intro eröffnen Arcturon den nächsten Song namens "Theodicy". Die Band bewegt sich zwar durchgängig in einem musikalisch recht eng abgesteckten Rahmen, agiert dabei aber abwechslungsreich genug, um Langeweile von vornherein vorzubeugen. Dies wird auch bei diesem Song vor allem durch gezielte Tempiwechsel und ein breites Melodiespektrum erreicht.
"Virus" bietet dann ebenfalls sehr melodischen Death Metal und pendelt zwischen routinierten Mid-Tempo-Passagen und knüppelharten Geschwindigkeitsausbrüchen hin und her. Selbst in den härteren Passagen wird der melodische Faktor nie außer Acht gelassen.
Überraschend melancholisch beginnt "Foolish Lambs" mit einem sanften Piano-Intro, bevor sich der Song anschließend zu einem typischen Death Metal-Kracher der Oberklasse entwickelt. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Refrain-Melodien gelegt, die eine ähnliche Melancholie verströmen wie schon das Intro.
Ohne genauer auf die restlichen Songs einzugehen, sei versichert, dass Arcturon auch bei "Journey", "Storm clear out Thoughts", "Numinous Temptation" und "The glorius Passion" ein durchweg hohes Qualitätslevel an den Tag legen und damit auf kompletter Albumlänge überzeugen können. Insbesondere letztgenannter Titel ist mit seinen cleanen Vocal-Passagen in den Strophen und der stimmungsvollen Atmosphäre, die zwischen Melancholie und Aggression hin- und herpendelt, ein absoluter Genrekracher geworden und schließt ein superbes Album damit überaus stilvoll ab.

Fazit: Man kann sich das kaum vorstellen, dass die Bandmitglieder von Arcturon alle kaum älter als 20 sind, angesichts der hohen Qualität der Songs auf THE EIGHT THORNS CONFLICT und der routinierten wie professionellen Spielweise der Band. Den Schweizern ist damit ein echtes Genre-Highlight gelungen und es ist absolut unverständlich, dass sich für diese Scheibe kein Label finden konnte. Arcturon haben den Bogen in ihren jungen Jahren schon raus und sie wissen ganz genau, wie man einen genialen Melodic Death Metal-Kracher nach dem anderen aus dem Hut zaubert. Zudem agieren die Jungs abwechslungsreich genug, um der Gefahr der Langeweile schon frühzeitig vorzubeugen. Dementsprechend kann man die Platte auch mehrmals am Stück hören, ohne Abnutzungserscheinungen befürchten zu müssen. Keyboards und Akustikpassagen werden dabei stets gezielt zur Stimmungsförderung eingesetzt und rauben dem Sound der Band dabei kein Stück an Härte. Stilbildend oder innovativ ist natürlich keiner der Songs auf THE EIGHT THORNS CONFLICT, hochklassig sind sie dagegen alle. Arctoron bewegen sich dabei auf bekannten Pfaden, dies allerdings auf einem ungewohnt hohem Niveau, und das auf kompletter Albumlänge. Bands wie Amon Amarth, In Flames oder Dark Tranquility haben Ähnliches zwar schon viel früher, aber nur selten besser abgeliefert. Ab und zu hat man dann allerdings doch das Gefühl, dass musikalisch noch ein bisschen mehr drin gewesen wäre und der eine oder andere Titel zündet auch nicht gleich beim ersten Mal. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau und für ein Erstlingswerk in Eigenproduktion ist das Album erstaunlich professionell und hochklassig ausgefallen. Es bleibt zu hoffen, dass Arcturon noch viele Platten dieser Güteklasse aufnehmen können. Sollten sie sich noch ein wenig verbessern, wird es in einigen Jahren ganz sicher auch zur Höchstpunktzahl reichen. Jetzt fehlt nur noch eine mutige Plattenfirma, die diese talentierte junge Band unter ihre Fittiche nimmt. Verdient hätten Arcturon dies jedenfalls schon bei THE EIGHT THORNS CONFLICT.

Anspieltipps:
 Alle elf Songs sind klasse!

Tipp:
 Liebhabern von Bands der Sorte In Flames oder Dark Tranquility sei diese Scheibe ebenso empfohlen wie Anhängern von Gruppen wie Insomnium.

Titel-Liste:
 
  1. The Dissenter
  2. Gryfius
  3. The eight Thorns Conflict
  4. Pleasures of the Earth
  5. The Empire shall burn
  6. Theodicy
  7. Virus
  8. Foolish Lambs
  9. Journey
  10. Storm clear out Thoughts
  11. Numinous Temptation
  12. The glorious Passion

Laufzeit:
 45:04 Min.

Band-Infos:
 
  • www.arcturon.ch 

  • Probehören und Kaufen:
    The Eight Thorns Conflict

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