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Review: Armored Saint |
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Album:
| | LA RAZA, 2010, Metal Blade |
Stil:
| | Heavy Metal, Hard Rock, Funk Metal |
Wertung:
| |  5 von 7 Punkten | | V.R., 28.01.2011 |
Review:
| | Hätte jemand nach neun Jahren Pause ernsthaft noch mal ein neues Album der amerikanischen Heavy Metal-Götter Armored Saint erwartet? Nach dem genialen SYMBOL OF SALVATION-Album überraschte und schockierte der Ausstieg des Sängers John Bush und führte schließlich zur Auflösung der Band. Danach hätte wohl kaum jemand mit einer weiteren Scheibe gerechnet, und doch meldeten sich Armored Saint im Jahr 2000 mit dem Album REVELATION fulminant und kraftvoll zurück – und das sogar mit dem unlängst zu Anthrax abgewanderten John Bush als Sänger. Schon ein Jahr später folgte mit NOD TO THE OLD SCHOOL eine weitere Platte mit älteren Demoaufnahmen, doch dann war erst mal wieder Schluss. Und so mussten die Fans weitere neun Jahre ohne neues Material ihrer Lieblinge ausharren, bis die Zeit im Jahr 2010 für ein neues Werk endlich wieder reif war. LA RAZA nennt sich das gute Stück, was zu deutsch übersetzt schlicht und einfach ‚die Rasse’ bedeutet. Ob das Comeback wohl ähnlich stark ausgefallen ist wie anno 2000?
Hört man die ersten Takte des Openers "Loose Cannon", wird man sich verwundert fragen, ob die richtige CD im Schacht liegt. Die melancholischen Orchesterklänge wirken eher Saint-untypisch, doch nach einer Minute ändert sich der Stil, Schlagzeug, Gitarren und der unverkennbare Gesang von John Bush gesellen sich dazu und jetzt dürfte Jedem klar sein, dass Armored Saint zurück sind – und wie! Der Song ist ein absoluter Volltreffer und überzeugt mit flottem Tempo und schnell ins Ohr gehenden Melodien selbst die härtesten Zweifler.
Auch der zweite Titel namens "Head on" ist überaus gelungen und ein Ohrwurm vor dem Herren. Der Metal-Anteil wurde hier zwar deutlich zurückgeschraubt, aber Armored Saint hatten schon immer auch Hard Rock-lastige Lieder auf ihren Alben und diese stehen den Metal-Krachern qualitativ zumeist in nichts nach. In diesem Fall wird das Level des Openers sogar noch übertroffen, die Band agiert hier wirklich auf höchstem Niveau.
Ein Kirchenglockenintro ist auch nicht unbedingt das, was man von Armored Saint erwarten würde, der anschließende Song namens "Left Hook from right Field" ist dagegen ein recht typischer Song der Band, irgendwo zwischen Hard Rock und Heavy Metal angesiedelt. Darüber hinaus kommt hier allerdings auch das eine oder andere ungewöhnliche Element zum Tragen, in den Strophen bekommt man sogar fast das Gefühl, als hätten Armored Saint den Funk entdeckt – auch nicht schlecht, so kommt Abwechslung ins Spiel.
Diese Funk-Note kommt bei "Get off the Fence" noch deutlicher zum Tragen und hier ist es dann schon ein bisschen zu viel des Guten, denn in diesem Fall leidet die Melodieführung darunter. Der Titel ist letzten Endes einfach zu unmelodisch und sperrig ausgefallen und gehört eindeutig zu den Schwachpunkten des Albums. Glücklicherweise rettet der mitreißende Groove den Song vor dem Totalausfall.
Gänzlich unmetallisch ist "Chilled" ausgefallen. Diese Nummer ist für Armored Saint wirklich recht ungewöhnlich und im Bereich des klassischen, stellenweise schon fast modernen, Rocks anzusiedeln. Dies soll per se aber nichts Schlechtes bedeuten, denn der Titel geht recht schnell ins Ohr und bleibt dort auch hängen. Somit stellt dies wohl eine Art Horizonterweiterung dar und diese sei der Band durchaus zugestanden.
Anschließend geht es ab in den Dschungel – aber keine Angst, Armored Saint müssen nicht ins Dschungelcamp. Die Rede ist vom Titelsong "La Raza", welcher durch zirpende Grillen und allerlei anderes Dschungelgetier sowie einige Tribal-Drums eingeleitet wird, bevor sich dann, wie zu erwarten war, auch die metallische Härte dazugesellt. Doch was ist denn das bitte, schon wieder deutliche Funkanteile? Leider ja, und dieses Mal sogar derart viele, dass man den Song gut und gerne als Funk Metal bezeichnen kann. Lediglich der Refrain klingt nach Armored Saint, der Rest könnte in dieser Forum auch gut von Bands wie Living Colour oder Extreme stammen. Doch während es bei jenen Bands stimmig klang, wirkt dieser Song doch etwas aufgesetzt.
Auch "Black Feet" ist kein typischer Armored Saint-Song, dafür ist der Titel einfach zu unmetallisch. Hier mischt die Band erneut Rock mit Funk-Elementen, wobei Letztere deutlich hintergründiger eingesetzt werden als bei der letzten Nummer. So richtig zünden will der Titel leider nicht, denn dafür fehlt es sowohl an Härte als auch an einer eingängigen Ohrwurmmelodie.
"Little Monkey" ist dann glücklicherweise deutlich klassischer ausgefallen, besitzt aber auch eine nicht zu leugnende Alternative-Schlagseite. In jedem Fall haben wir es hier nach zwei schwachen Songs endlich wieder mit einem richtig starken Titel zu tun, der auch melodietechnisch voll punkten kann.
Der nächste Song heißt "Blues", doch daraus lassen sich in diesem Fall keine Rückschlüsse ziehen. Mit Blues hat der Titel nämlich wenig gemein, sondern mehr mit moderner, leicht alternative-lastiger, Rockmusik, wobei auch die eine oder andere traditionelle Idee eingebaut wurde. In jedem Fall ist auch dieser Song sehr ungewöhnlich für Armored Saint-Verhältnisse, woraus man der Band aber nicht unbedingt einen Strick drehen sollte, da die Rechnung dieses Mal aufgegangen ist, da der Titel durchaus recht gelungen ist.
Gibt es denn zum Abschluss wenigstens noch mal einen richtig klassischen Saint-Rocker wie zu besten Zeiten? Jein lautet die eindeutige Antwort, denn "Bandit Country" besitzt zwar durchaus auch klassische Anteile, doch müssen sich diese mit Funk- und Alternativeelementen arrangieren. Schlecht ist der Titel jedoch keinesfalls und nach mehrmaligem Hören brennt er sich durchaus in die Gehörgänge ein. Armored Saint hatten eben schon immer auch Songs auf ihren Alben, die nicht gleich beim ersten Hören zünden, nur leider sind diese auf LA RAZA eindeutig in der Überzahl.
Fazit: Nach den ersten drei Songs wollte ich schon beinahe die Höchstnote vergeben, doch von Song zu Song wird LA RAZA immer experimenteller. Das eine oder andere ungewöhnliche Element ist ja durchaus in Ordnung und bringt auch die gern gesehene Abwechslung ins Spiel, doch auf diesem Album übertreiben es Armored Saint doch ein bisschen. Einige der Songs sind doch tatsächlich als reinrassiger Funk Metal zu betiteln, andere gehen stark in die Alternative-Richtung. Das ist sicher nicht unbedingt das, was alteingesessene Fans nach neun Jahren Pause erwartet hätten. Nein, Armored Saint machen es ihren Anhängern wirklich nicht leicht, dass sie sich mit einer derart sperrigen Platte zurückmelden. Doch sperrig soll keinesfalls schlecht bedeuten, denn die Songs besitzen durchaus ihren Charme. Dieser erschließt sich allerdings erst nach dem fünften, vielleicht sogar erst nach den zehnten Hören. Bis dahin haben manche das Album vielleicht längst ins Archiv gestellt, doch das wäre voreilig, denn LA RAZA ist wirklich eine gute Scheibe, nur eben größtenteils nicht typisch Armored Saint. Bleibt zu hoffen, dass das Album dennoch seine Käufer finden wird, denn hier könnte sich durchaus auch ein neuer Käuferkreis erschließen. Neben den alten Fans, die sich zumindest an den ersten drei Songs sehr erfreuen werden, könnten der Platte auch alte Extreme-Anhänger mal ein Ohr leihen, denn ab Titel vier wird LA RAZA stellenweise wirklich ziemlich funky, und Funk Metal ist eine Richtung, die es in den letzten Jahren kaum zu hören gab. Verglichen mit den alten Alben der Band zieht LA RAZA aber ganz klar den Kürzeren, denn es mangelt einfach zu sehr an eingängigeren Titeln. Letzten Endes setzen sich Armored Saint hier zwischen alle Stühle und liefern ein Comeback-Album ab, das vor allem eines ist: ungewöhnlich. |
Anspieltipps:
| | “Loose Cannon”, “Head on”, “Left Hook from right Field”, “Chilled”, “Little Monkey”. |
Tipp:
| | Alteingesessene Armored Saint-Fans sollten definitiv vorher reinhören, denn nur wenige Songs klingen nach den Klassiker-Alben der Band. Darüber hinaus dürfen die Platte aber auch Funk-Metal-Liebhaber mal antesten, denn dieser Stil spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle auf LA RAZA. |
Titel-Liste:
| | - Loose Cannon
- Head on
- Left Hook from right Field
- Get off the Fence
- Chilled
- La Raza
- Black Feet
- Little Monkey
- Blues
- Bandit Country
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Laufzeit:
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