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Review: Atreyu
 
LEAD SAILS PAPER ANCHOR

Album:
 LEAD SAILS PAPER ANCHOR, 2007, Roadrunner

Stil:
 Metalcore / Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 M.K., 23.08.2007

Review:
 Eine weitere Neuverpflichtung von Roadrunner Records ist die Screamo-Band Atreyu. Während das Vorgängeralbum A DEATH-GRIP ON YESTERDAY noch beim Emo-Spezialisten-Label Victory Records erschien, nahm das Quintett die Chance war bei Roadrunner Records unterzukommen. LEAD SAILS PAPER ANCHOR stellt das vierte Studioalbum der Kalifornier dar.

Los geht es mit "Doomsday", zu Beginn gibt es hier direkt an den Hardcore angelehnte, zackige Riffs. Nach gut 20 Sekunden kommt es zum ersten Gitarrensolo der CD, welches an die glorreichen 80er erinnert. Frontmann Alex Varkatzas singt in den Strophen recht aggressiv, im Refrain ist jedoch klarer Gesang mit einem feinem Gespür für Melodie gegeben, während der Rest der Truppe im Hintergrund Gangshouts abliefert. So geht es nun weiter, recht aggressive Strophen treffen auf melodischen Refrain, während der Song im Upper-Midtempo liegt und einen sehr ordentlichen, stampfenden Opener abgibt, inklusive Moshpart am Ende.
Nun folgt "Honor", welches mit den ebenfalls aggressiven Vocals in den Strophen mich wieder an die ein oder andere Hardcore-Band erinnert, während im Refrain wieder Zeit für eine Ohrwurmgesangslinie ist. Doch auch hier gibt es Gangshouts tzu vernehmen. Der Song knallt nicht so sehr wie der Opener, ist insgesamt auch etwas langsamer. Dafür bietet das Songwriting einiges an Abwechslung, das Schlagzeugspiel von Brandon Saller ist teilweise tribalartig. Interessant.
Fröhlicher, fast schon punkig beginnt "Falling down". Der Riff in den Strophen könnte auch von der ein oder anderen Rotzrockkapelle stammen. Im guten Refrain ist jedoch wieder melodiöseres Gitarrenspiel von Dan Jacobs und Travis Miguel angesagt. Die Band arbeitet ab der zweiten Strophen mit einigen Effekten beim Gesang, passt ganz gut zur Musik. Erinnert teilweise an Green Day. In der Bridge im zweiten Teil gibt es Trompeten, während die Band einen live formidabel funktionierenden Part spielt. Hiernach folgt ein gut gespieltes Gitarrensolo, das man in diesem Genre so nicht allzu oft hört. Durch die Trompeten kommt ein leichter Ska-Touch auf, der Song macht Spaß und ist verdammt vielseitig. Bisher das meiner Meinung nach beste Stück auf LEAD SAILS PAPER ANCHOR.
Nun folgt mit "Becoming the Bull" ein etwas langsameres, stampfendes Stück. Zu dem vierten Song des Albums haben Atreyu ein Video gedreht. Wie gehabt wird hier mehr gesungen als auf den Frühwerken der Band. Nur am Ende des Refrains darf geshoutet werden, während in der zweiten Strophe wieder mit Effekten auf der Stimme von Alex gearbeitet wird. Der Chorus bleibt zwar auch im Kopf hängen, nervt mich jedoch nach einigen Durchläufen. In der nachfolgenden Bridge wird anfangs ruhig und klar gesungen, nach einer Bridge mit Tempowechsel wird jedoch geshoutet. Dies jedoch nur für kurze Zeit, dem Refrain wird einmal mehr Vorfahrt gewährt. Standardsong, der keine großen Highlights bieten kann.
Der fünfte Track nennt sich "Two become one" und beginnt sehr ruhig mit Synthesizern und sogar Streichern. Nach fünfundzwanzig Sekunden gibt die Band dann jedoch Gas, ein ordentlicher Up Tempo-Song entwickelt sich. Da wippt der Fuß mit, während Alex sich gescheit zwischen klarem Gesang und aggressiv geshouteten Vocals befindet. Im Refrain wird das Tempo kurzzeitig runtergefahren, danach geht es wieder im gewohnten Tempo weiter. Wie auch schon zu Beginn gibt es hier ein kurzes Gitarrensolo zu hören. Danach folgen Strophe und Refrain mit dem bekannten Tempowechsel. In der Bridge in der zweiten Hälfte des Songs gibt es wieder Synthesizer und sogar weiblichen Gesang, bevor kraftvolle Riffs und Drums sich dazu gesellen. Langgezogenes Shouten folgt. Nun folgt noch einmal der Refrain, danach geht es mit einem frickeligen Gitarrensolo weiter, in dessen Verlauf Atreyu noch weiter aufs Gaspedal drücken. Dann ist überraschend Schluß. Hat mir gut gefallen, nette Mischung aus seichten und härteren Tönen.
Mit "Lose it" kommen wir ungefähr zur Mitte des Albums. Asiatisch angehauchte Klänge starten das gute Stück, welches nach gut 15 Sekunden mit einem wuchtig gespielten Riff losbricht. Das Tempo bleibt jedoch sehr niedrig, eine Art Halbballade baut sich auf. Nur im Refrain kommt etwas mehr Härte auf, im Rest des Songs dominieren verspielte Gitarren und gefühlvoller Gesang. In der Bridge des Stückes wird es experimentell, Queen trifft auf Panic! At The Disco und geshouteten Vocals. Hört sich interessant an. Danach geht es jedoch mit dem Refrain weiter und der Song endet mit den türkischen Klängen vom Beginn. Wie gesagt, interessant zu hören.
Mit einem sehr langsamen Klavier beginnt "No one cares". Drums und Gesang setzen ein und ich fühl mich schon fast an die neuen Linkin Park erinnert. Im Refrain geht es mit etwas mehr Tempo weiter, welches nach dem Chorus beibehalten wird. Hier darf auch gerifft werden, jedoch nur verhalten. Die Instrumentalisierung der Bridge erinnerte mich im ersten Moment an Tool oder System of a Down, recht experimentell das Ganze. Leider dauert dieser Part nicht lange an, es geht mit dem Refrain weiter. Dieser wird noch einmal wiederholt, da wird auch das Tempo ordentlich aufgebaut, während beim dritten Versuch kraftvolle Drums dominieren. Damit endet das Stück.
Als achtes Stück auf LEAD SAILS PAPER ANCHOR folgt "Can't happen here", welches mit Army-mäßigem Drumming und Riffs beginnt, bevor Alex' Shouting einsetzt und der Song in eine heftigere Richtung geht. Doch auch hier ist nach wenigen Sätzen wieder Gruppenkuscheln zum klaren Gesang angesagt. Der Refrain folgt, bevor es mit der zweiten Strophe weiter geht. Diese wird wieder aggressiver gesungen. Unkonventionelle Breaks bilden die Übergänge zwischen Strophe und Chorus. In eben jenem Chorus fällt die Einfachheit der Riffs auf. Da hat man schon packenderes von Atreyu gehört. Die Variation kurz vor Schluß reißt den Karren jedoch noch mal aus dem Dreck. Zum Schluß gibt es dann nochmal Armydrumming, dann ist Schluss.
Wieder mal mit Klavier beginnt das nachfolgende "Slow burn", welches nach dem Fall Out Boy-mäßigen Gesang zu Beginn gut nach vorne geht und mich an eben jene Fall Out Boy erinnert. Der Refrain ist ein Ohrwurm sondergleichen und bleibt im Ohr hängen. In der zweiten Strophe erinnert das Songwriting stark an Panic! at the Disco. Also ein moderner Song, der bei jener Zielgruppe viele Freunde finden sollte. Freunde der härteren Atreyu aus den Anfangstagen müssen sich jedoch erstmal umgewöhnen. In einer weiteren Chorusversion gibt es zur Unterstützung den Text wiederholende Gangshouts, bevor der Song kurzzeitig etwas härter wird und überraschenderweise kurz vorkommt. Dreieinhalb Minuten, die echt schnell rumgingen.
Stark bei Mötley Crüe und Konsorten bedient haben sich Atreyu beim vorletzten Stück, "Blow". Der Refrain bleibt wunderbar im Ohr hängen, das Songwriting ist mit dicker Hose geschehen. Unterhaltsames Stück, dass an so manche Poserband aus den Achtzigern erinnert, ohne lächerlich zu wirken. Richtig guter Rocksong. Die Bridge in der zweiten Songhälfte bringt etwas Ruhe mit gefühlvollem, mehrstimmigen Gesang in den Song. Hiernach folgt ein gutes und recht langes Gitarrensolo, wonach es mit dem Chorus weiter geht. Dann ist auch schon Ende und der letzte Song des Albums steht an.
Dieser heißt "Lead Sails (and a Paper Anchor)" und beginnt sehr ruhig mit an Country angelehnte Gitarrenspielereien. Nach kurzer Zeit gesellt sich Alex mit ruhiger Stimme hinzu, unterstützt von Drummer. So geht es nun weiter, der Schlagzeuger darf sich mit ruhigem Spiel auch noch einbringen. Eine astreine Ballade, die mit ausgefeiltem Songwriting und schönen Melodien aufwarten kann. Am Ende kommt es zu mehrstimmigen Gesang, was doch sehr schmalzig klingt und den Song schon fast unerträglich schleimig macht.

Fazit: Eins kann man ohne Zweifel sagen: Mit dem Labelwechsel folgte auch eine Stilkorrektur. Wenn man sich an die frühen Zeiten von Atreyu erinnert, fällt des Öfteren mal das Wort Metalcore. Eben jene Fans werden sich beim Hören der neuen Atreyu ordentlich erschrecken. Klarer Gesang steht im Vordergrund, die Band hat von Hard Rock bis Punk und selbst Country dazugelernt.
In ihren Augen sicherlich der richtige Schritt. Eintönige Metalcore-Bands gibt es nun wirklich schon genug und Atreyu entwickeln sich konsequent weiter. Der Stilwechsel, der auch schon auf dem vorherigen A DEATH-GRIP ON YESTERDAY zu erahnen war, wurde nun vollends vollzogen.
Und Weiterentwicklung kann man vielen Bands aus dem Metalcore-Sektor absprechen. Definitiv nicht jedoch den fünf Jungs von Atreyu. Ein gelungenes Album, mit dem die Band viele neue Fans gewinnen, aber auch eine Menge Anhänger verlieren kann. Vor dem Kauf also lieber reinhören, liebe Atreyu-Jünger.

Tipp:
 "Falling down" sowie "Blow" stehen ganz oben auf meiner Liste.

Titel-Liste:
 
  1. Doomsday
  2. Honor
  3. Falling down
  4. Becoming the Bull
  5. Two become one
  6. Lose it
  7. No one cares
  8. Can't happen here
  9. Slow burn
  10. Blow
  11. Lead Sails (and a Paper Anchor)

Laufzeit:
 41:16 Min.

Band-Infos:
 
  • www.atreyurock.com 


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