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Review: Atrocity |
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Album:
Stil:
| | Gothic Metal, Industrial Metal |
Wertung:
| |  5 von 7 Punkten | | J.G., 03.04.2008 |
Review:
| | Jede Menge Zeit ist vergangen, um genau zu sein elf Jahre, bis der einstige Charterfolg WERK 80 einen Nachschlag bekommen hat. Klar kann man nun spötteln: "Wenn einem schon selbst nichts gescheites einfällt...". Aber sei's drum, freuen wir uns, dass Alexander Krull den Faden von damals weiterspinnt und erneut die Pop- und Wave-Erfolge der 80er in ein metallisches Gewand presst.
Auch diesmal hat er sich in vielerlei Hinsicht Mühe gegeben. Zunächst galt es die richtigen Songs zu finden und da hat er wirklich geklotzt, statt gekleckert, denn einiges läuft noch heute immer wieder in diversen Radiostationen.
Für die weiblichen Stimmparts springt selbstverständlich seine Ehefrau Liv Kristine ein und für einen Song konnte er zusätzlich Jensara Swann gewinnen.
Das Artwork - und hier meine ich nicht nur das Cover-Bild - wird diesmal von der für ihre Offenherzigkeit bekannte Dame namens Dita van Teese und der Kollegin Zlata veredelt. Ja genau, die Dita, die Marilyn Manson vor Kurzem den Laufpass gegeben hatte. Selten verstand es ein Artwork so stark vom eigentlichen Inhalt, also der Musik, abzulenken. Warum? Na, schaut's euch selbst an.
Aber nun zur Musik. "People are People" von Depeche Mode macht den Anfang und liefert mit orchestraler Unterstützung eher einen soften metallischen Einstieg. Hier halten sich die Gitarren noch stark zurück. Lediglich der deutlich straffere Rhythmus gegenüber dem Original sorgt für mehr Härte.
Es geht weiter mit "Smalltown Boy" von Bronskie Beat. Wer den Song kennt, wird hier eindeutig Jimmy Somerville's Stimme schmerzlich vermissen. Gemildert wird dieser Mangel durch einige Background-Einsätze von Liv. Ansonsten hat man hier schon deutlich mehr den Tiger aus dem Tank geholt und den Gitarren die Führung überlassen. Eine Cover-Version, die wirklich Spaß macht.
Wer kennt ihn nicht, den Superhit "Relax" von Frankie Goes To Hollywood? Vorbei sind die Zeiten weichgespülter Gitarren-Riffs. Hier ist Härte angesagt - und zwar auf ganzer Front. Mit extrem dichter Instrumentalisierung und fast Growl-ähnlichem Gesang sind Atrocity endlich in der Metal-Welt angekommen. Achtung, alle die das Original kennen riskieren einen echten Kulturschock.
Poppig und soft, ja um nicht zu sagen zuckersüß präsentierten damals Simple Minds ihr "Don't you forget about me". Das wollte Alex anders und hat es wirklich prima gelöst. Mit dem richtigen Quäntchen Härte belässt er es bei der originalen sphärischen Grundstimmung und würzt nur dort metallisch nach, wo es angebracht ist.
Rauf und runter lief damals auf der fahrt in den Italien-Urlaub "The Sun always shines on TV" von den Norwegern A-ha. Auch wenn Alexanders Engagement hier etwas blass und rüde klingt, veredelt dafür Liv's elfengleiche Stimme diese Cover-Version. Für den nötigen Druck an der Basis sorgen die tiefgestimmten Gitarren und das Orchester agiert mit jeder Menge Bombast. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus hörenswert.
Mit schmachtendem Stimmchen hauchten damals Icehouse ihr "Hey little Girl" ins Mikro, dass man anschließend erst im Spiegel kontollieren musste, ob man nun ebenfalls zum Weichei mutiert war. Damit ist nun Schluss. Ähnlich aggressiv wie bei "Relax" wird der Metal geschrubbt und das räumt zumindest die Zweifel über einen eventuellen Wechsel ans andere Ufer gehörig aus. Danke Alex!
Für "Fade to grey" von den Franzosen Visage darf hier Jensara Swann den weiblichen Part übernehmen. Auch wenn das Tempo nahezu unverändert übernommen wurde, so hat man doch einigen bombastischen Füllstoff draufgepackt und mit knackigen Gitarren-Riffs für Ecken und Kanten gesorgt.
Bei "Such a Shame" von Talk Talk ist es Alex erneut gelungen, wie schon beim Vorgänger "Don't you forget about me" genau das richtige Maß an Härte und originalem Spirit zu vereinen. Hier geht der Daumen eindeutig nach oben.
Etwas unerklärlich, wenn auch stellenweise brachial metallisch ist "Keine Heimat" von Ideal auf dem Album gelandet. Ideal, ein "Kind" der Neuen Deutschen Welle erwachsen aus den Subkulturen der Hauptstadt Berlin überlebte nur bis 1983. Warum sich Alex nicht lieber an dem deutlich bekannteren "Deine blauen Augen machen mich so sentimental" vergangen hat, muss ich ihn vermutlich selbst mal fragen.
Premiere für Alexander, denn mit "Here comes the Rain again" von Eurythmics covert er zum ersten Mal einen, im Original, weiblichen Gesangspart. Auch wenn die Umsetzung recht gut gelungen ist, so kann diese Cover nicht das Original ersetzen. Dafür ist Anni Lennox' Stimme einfach zu prägnant.
Zum Abschluss bedient er sich erneut bei einer Deutschen Band. Diesmal sind es Alphaville mit einem ihrer Welthits "Forever Young" vom legendären gleichnamigen Album. Vielleicht gibt's dann bei der dritten Auflage daraus "Big in Japan" oder "Sounds like a Melody"? Wer weiß?
Fazit: Man kann über Cover-Alben schimpfen wie man will. Die Frage, sind solche Aktionen notwendig oder nicht, kann in jedem Fall philosophische Ausmaße annehmen. Aber das ist alles nicht wesentlich. Was zählt, ist der Fun-Faktor und da hat Atrocity genau den richtigen Weg gefunden. Sie haben erneut gezeigt, dass sich durchaus auch Songs aus der berühmt-berüchtigten Pop/Wave-Zeit der 80er in die Heavy Metal-Welten des neuen Jahrtausends übertragen lassen ohne groß am eigentlichen Ausdruck zu verlieren.
Wer allerdings, wie ich, die beiden Welten recht gut kennt, und die Originale noch in den Ohren hat, als wäre es gestern gewesen, der mag vermutlich etwas enttäuscht das Haupt schütteln. Bezeichnend an den Interpreten von damals war eben der oftmals übertriebende Grad an Soft und Syntie. Eine heile Welt, die es damals schon nicht mehr gab wurde perfekt vorgegaukelt und es funktionierte auch meistens - besser zumindest, als heute. |
Tipp:
| | Für Jungspunde in Sachen 80er Pop ist die Scheibe eindeutig zu empfehlen, da auch mangels Vergleiche kein Meckern aufkommt. Alle Kinder der 80er sollten zumindest nicht gleich abwinken, sondern einfach reinhören. Auch diese Scheibe besitzt ihren eigenen Charme, wenn auch zugegebenermaßen einen anderen als die Originale. |
Titel-Liste:
| | - People are People (Depeche Mode)
- Smalltown Boy (Bronskie Beat)
- Relax (Frankie Goes To Hollywood)
- Don't you forget about me (Simple Minds)
- The Sun always shines on TV (A-ha)
- Hey little Girl (Icehouse)
- Fade to grey (Visage)
- Such a Shame (Talk Talk)
- Keine Heimat (Ideal)
- Here comes the Rain again (Eurythmics)
- Forever Young (Alphaville)
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.atrocity.de  |
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