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Review: Attick Demons
 
ATLANTIS

Album:
 ATLANTIS, 2011, Pure Steel

Stil:
 Heavy Metal, Power Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 22.12.2011

Review:
 Attick Demons aus Portugal, kenne ich nicht. So ging es mir als ich das erste full-length Album der Iberer in die Hand bekam. Bereits seit 15 Jahren gibt es die Dachkammer Dämonen. In der Zeit wurden zwei EPs veröffentlicht, 2000 ATTICK DEMONS und 2006 ATLANTIS. Warum nun das Debüt Album auf den gleichen Titel wie die zweite EP hört, keine Ahnung. Das Cover jedenfalls ist mehr als gelungen, da wartet man förmlich darauf, dass Conan jeden Augenblick durchs Bild reitet. Artur Almeida Vocals, Hugo Monteiro Gitarre, Nuno Martins Gitarre, Luis Figuera Gitarre, Joao Clemente Bass und Goncalo Pais an den Drums schicken sich an mit ATLANTIS endlich auch über die Landesgrenzen Portugals bekannt zu werden. So mystisch wie die sagenumwobene Insel ist die Musik von Attick Demons nicht und mit Iron Maiden im Visier eifern die sechs Portugiesen einem fast schon übermächtigen Vorbild nach. Kann das überhaupt gut gehen? Bevor ich die Scheibe gehört hatte hätte ich mit einem klaren nein geantwortet. Nachdem ich sie gehört habe muss ich sagen: und ob das geht!

Mit einer Mischung aus etwas Maiden und viel Power Metal kommt "Back in Time" daher. Das Stück hat viel Drive durch die rasenden Gitarren und fetzenden Drums und ist leicht progressiv mit häufigen Tempo- und Rhythmusvariationen. Gegen Ende spielen die Portugiesen noch einige schöne Gitarrensoli.
Schon deutlich mehr im Stil der Vorbilder von der britischen Insel ist das Titelstück "Atlantis" ausgefallen. Hier hat ex Manowar Gitarrist Ross the Boss einen Gastauftritt. Auch Paul Di'Anno ex Sänger von Maiden darf ganz kurz ans Mikro. Seiner krächzenden Stimmbänder hätte es wahrlich nicht bedurft, im direkten Vergleich mit Artur Almeida der besonders in den Höhen mit tollem Vibrato in der Stimme enorm nach Bruce Dickinson klingt, fällt DiAnnos Leistung deutlich ab. Beim Rhythmus stand Maiden eindeutig Pate und auch die Gitarrensoli klingen vertraut und damit gut.
"City of golden Gates" packt da noch eine Schippe drauf. Die Gesangslinien sind 1:1 wie die von Air Raid Siren Dickinson. Wenn man ganz genau und konzentriert hinhört vielleicht eine Spur weniger souverän aber das sind nur Nuancen. Der Mann hat wirklich Stimme. Der Song zündet sofort, ist eingängig und gefällt mit dem gekonnten Zusammenspiel der Gitarren.
"The Flame of eternal Knowledge" was für ein poetischer Titel, wartet auf mit wild riffenden Gitarren, pumpendem Bass, galoppierendem Rhythmus, souveränen Vocals und ekstatischen Gitarrenläufen.
"Riding the Storm" ist zur Abwechslung eigenständiger. Viel Gitarrenpower gibt es aber auch hier. Der Song ist weniger eingängig als die Vorgänger und die Hooks eine Spur schwächer. Nach einem ruhigen Abschnitt in der Mitte geben die Sechssaiter wieder Vollgas. Die entfesselten Drums mag ich besonders.
"Sacrifice" beginnt als Ballade, sogar mit Piano. Die volle Dröhnung lässt nicht lange auf sich warten und hier sind sie wieder die typischen, flotten Maiden Rhythmen mit großer Dynamik.
"Meeting the Queen" besitzt eine tolle Melodie. Der Song ist in großen Teilen ruhig wobei auch einige energische Ausbrüche vorhanden sind. Eine weibliche Stimme im Stil Female Fronted Metal singt erst Solo und später im Duett mit dem Attick Demons Frontmann. Leider ist ihre hohe Stimme etwas dünn, schade denn sonst ist der Track rundum gelungen und endet mit einem Piano Einsatz.
"In Memoriam" bringt sie uns zurück, die Prime Time von Maiden. Klasse Melodie, fricklige Gitarrensoli und Vocals die einem Dickinson Ehre machen würden.
Auf "Listen to the Fool" schälen sich langsam die Gitarren aus Synthieklängen. Der Track macht ohne Zweifel erneut Anleihen bei den Engländern bewahrt aber auch ein Stück Eigenständigkeit.

Fazit: Nach THE FINAL FRONTIER sollte Schluss sein, Steve Harris und Co. wollten in die Musikrente gehen. Doch man hat es sich anders überlegt, ist nach Portugal ausgewandert und hat die Band in Attick Demons umbenannt. Das erste Album ATLANTIS macht genau da weiter wo man in der Blütezeit von Iron Maiden in den späten Achtzigern aufgehört hat. Nein, so ist es natürlich nicht aber solche Gedanken kommen einem sofort in den Sinn wenn man die ATLANTIS hört. Attick Demons klingen mehr nach Iron Maiden als Maiden zur heutigen Zeit. THE LAST FRONTIER war ein gutes Album, nach Maiden Maßstäben aber eben nur durchschnittlich. Die britischen Jungfrauen wären wahrscheinlich froh wären auf ihrem letzten Album einige der Kracher gewesen wie sie die Portugiesen auf ATLANTIS im Gepäck haben. Jetzt höre ich schon die Nörgler: ach, noch eine Coverband, noch ein Maiden Clone. Weit gefehlt. Die Band überzeugt mit tollen Songs, super Hooklines und viel Spielfreude. Die Stücke sind kurz und auf den Punkt ohne ausufernde Eskapaden. Klar, die Einflüsse von Maiden sind bei Attick Demons enorm stark und der Frontmann singt wie ein Zwillingsbruder von Bruce Dickinson. Die Ähnlichkeit ist wirklich frappierend und ich bin mir immer noch nicht im klaren ob Bruce vielleicht heimlich nicht doch..... Wie dem auch sei, Arthur Almeida ist ein toller Sänger, 99% der Metal Shouter wären froh wenn sie solch eine Stimme hätten. Die Bandkollegen, allen voran die drei Gitarristen, lassen es ordentlich krachen. Was will man mehr? Das Attick Demons keinen Preis für Eigenständigkeit und Originalität gewinnen ist mir aber auch so was von egal. Hommage an Maiden hin oder her, die Scheibe rockt ohne Ende, das zählt. Die Gastauftritte vom ehemaligen Maiden Sänger Paul Di'Anno und ex Manowar Gitarrist Ross The Boss hätte man sich ruhig schenken können, speziell der kurze krächzige Einsatz von Di'Anno trägt nichts zum sonst guten Track bei. Solche Unterstützung hat Attick Demons einfach nicht nötig. Anno 2011 sind Attick Demons verflixt nah dran an ihren Vorbildern, und das sage ich als alter Maiden Fan mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sollte Maiden tatsächlich aufhören und nicht den Rücktritt vom Rücktritt erklären dann hoffe ich, Attick Demons bleiben uns in der Form noch lange erhalten.

Anspieltipps:
 "City of golden Gates", "The Flame of eternal Knowledge", "Sacrifice", "In Memoriam"

Tipp:
 Für Maiden Anhänger gilt: kaufen, kaufen, kaufen. Wer "nur" auf melodischen Heavy Metal/ Power Metal der alten Schule steht ist hier ebenso bestens aufgehoben.

Titel-Liste:
 
  1. Back in Time
  2. Atlantis
  3. City of golden Gates
  4. The Flame of eternal Knowledge
  5. Riding the Storm
  6. Sacrifice
  7. Meeting the Queen
  8. In Memoriam
  9. Listen to the Fool

Laufzeit:
 45:28 Min.

Band-Infos:
 
  • www.attickdemons.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Attick Demons: ATLANTIS

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