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Review: Avantasia |
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Album:
| | THE WICKED SYMPHONY/ANGEL OF BABYLON, 2010, Nuclear Blast |
Stil:
| | Heavy Rock, Melodic Metal, Symphonic Metal |
Wertung:
| | THE WICKED SYMPHONY
 6,5 von 7 Punkten | ANGEL OF BABYLON
 6,5 von 7 Punkten | | J.G., 22.04.2010 |
Review:
| | Angesichts der Omnipräsenz von Tobias Sammet muss man sich manchmal schon fragen, ob er das Rätsel der Zeit geknackt und einen 36 Stunden-Tag gefunden hat. So irgendwo zwischen Touren, Interview und Studio, zwischen Edguy und Avantasia hat er nun letzterem Projekt auf die Schnelle eine Fortsetzung für das Album THE SCARECROW verpasst. Dass sich Mastermind Tobi nicht einfach mit einem gewöhnlichen Album abgibt, versteht sich fast von selbst. Weil er jedoch befürchtet hatte, die Fans mit einem Doppel-Album musikalisch zu überfordern oder gar zu erschlagen, wurde aus dem Doppel einfach ein Doppel, sprich zwei Alben, die sowohl thematisch, als auch musikalisch in sich geschlossen sind und genauso gut einzeln funktionieren. Ok, der Unterschied mag wohl hauptsächlich auf dem Papier existieren, aber egal, die Fans freut es allemal.
Wie schon bei allen Vorgänger-Alben ließ Meister Sammet wieder seine musikalischen Beziehungen spielen und konnte eine Vielzahl musikalischer Größen für sein Vorhaben gewinnen. Je nach Charakter gelang es erneut, für jede Rolle eine geniale Mikro-Besetzung zu finden. Und so tummeln sich neben 'himself' noch weitere bestens bekannte Musiker, wie das bereits in der Vergangenheit gemeinsam agierenden Duo Jorn Lande/Russel Allen oder Michael Kiske (ex-Helloween), Tim 'Ripper' Owens (ex-Judas Priest), Klaus Meine (The Scorpions), Andre Matos (Angra), Bob Catley (Magnum) und Ralf Zdiarstek, der bereits bei den ersten beiden Alben hinter dem Mikro stand.
Für die Gitarrenfront sorgt erneut der wiederauferstandene Sascha Paeth (Heaven's Gate), Bruce Kulick (ex-Kiss), Oliver Hartmann (ex-At Vance), für die orchestralen Effekte einmal mehr Miro Rodenberg und den Drum-Hocker teilen sich Felix Bohnke (Edguy), Alex Holzwarth (Rhapsody of Fire) und Eric Singer (ex-Kiss). Dies sind wohlgemerkt nur die Mitstreiter für THE WICKED SYMPHONY. Wer jetzt denkt, damit sei es doch schon mehr als genug, der hat natürlich wieder einmal die Rechnung ohne Workaholic Sammet gemacht. Für ANGEL OF BABYLON stehen zusätzlich zu den bereits genannten Musikern noch Jon Oliva (Jon Olivas Pain), Oliver Hartmann und Cloudy Yang zum Zuge. Instrumental sind Henjo Richter (Gamma Ray), Jens Johansson (Stratovarius) und Simon Oberender noch hinzu gestoßen. Angesichts dieser Besetzungsliste hätte das auch für zehn Alben oder mehr gereicht, aber wir sind ja bescheiden - *hüstel*.
Was erwartet nun den Fan auf den beiden Alben?
In jedem Fall ist es die thematische und musikalische Fortführung von THE SCARECROW, wobei auf THE WICKED SYMPHONY mehr der Heavy Rock mit teils recht modernen Elementen für Härte und Hochdruck sorgt und ANGEL OF BABYLON mehr mit symphonischen eingängigen Songs und gehöriger Dynamik aufwartet.
Jeden Song einzeln aufzuzählen würde das Konzept vermutlich nur zerreden, denn wenn es auch keine "Opera" geworden ist, wie es uns Sammet selbst bestätigt hat, so wirkt es doch am Besten in seiner Gesamtheit.
Nichtsdestotrotz lohnt es sich ein paar besonders glänzende Perlen näher zu betrachten. Beginnen wir bei THE WICKED SYMPHONY: Da wäre zum Beispiel gleich der Titeltrack und Opener "The Wicked Symphony", dass vor allem durch sein harmonisches Gesangsduo Lande/Allen Leben eingehaucht bekommt.
Für genügend Zündstoff wird sicherlich auch Michael Kiske sorgen, denn schließlich handelt es sich bei "Wastelands" um einen recht harten Up-Tempo-Rocker. Ob da nicht wieder die Never-ending-Story bezüglich seiner musikalischen Neigungen ausbrechen wird...?
In bester Judas Priest Manier darf sich Tim 'Ripper' Owens bei "Scales of Justice" austoben, denn hier wurde ihm der Song maßgeschneidert auf den Leib geschrieben. Wer bis jetzt noch behauptete, Tim wäre nur ein Schreihals, der wird wohl einsehen, dass der 'Ripper' noch ganz andere Qualitäten besitzt.
Gleiches gilt natürlich auch für Klaus Meine, auf den Tobias Sammet besonders stolz war, ihn für sein Projekt gewinnen zu können. Im walzenden Mid-Tempo von "Dying for an Angel" fühlt sich Klaus hörbar wohl.
Wer es komplex und abwechslungsreich liebt, der wird bei "Runaway Train" mit gleich vier Sängern, u.a. Bob Catley und einer Laufzeit von fast neun Minuten voll auf seine Kosten kommen.
Einen Schuss Moderne und das nicht nur durch den Synthie-Start hat man "Crestfallen", bei dem sich Oliver Hartmann bei seinem Solo so richtig austoben und dem von sanft bis Double-Bass agierenden Song bereichern darf.
Düstere Metal-Klänge alá Rammstein gefällig? "Black Wings" startet zumindest genau in dieser Art und Weise, bevor es in Richtung walzender Mid-Tempo Ballade abbiegt.
Und weiter gehts mit ANGEL OF BABYLON: Es beginnt für mich mit einem kleinen Deja Vú, denn der Opener "Stargazers" versprüht sofort denn Esprit von Kingdom Comes TWILIGHT CRUISER, das inzwischen auch schon 15 Jahre auf dem Buckel hat. Zitieren und abkupfern sind aber zwei paar Stiefel und so weilt die sphärische Stimmung nur kurz, bevor Tobi das wild mit den Pfoten scharrende Rock-Tier von der Leine lässt.
Für "Death is just a Feeling" gab es wohl kaum einen besseren Deckel zu finden, als Jon Oliva und genau dieser steht auch am Mikro und schließt die orchestral theatralische Kanne hermetisch ab.
Wer jetzt befürchtet, ANGEL OF BABYLON würde im gemächlichen Tempo mit ein paar Ausreißern nach oben nur so vor sich hin dümpeln, der sei beruhigt. Songs wie "Rat Race", lassen es kaum zu, sich genüsslich auf eine Runde Schlafen einzurollen.
Wie viel Feingefühl der Mastermind bei der Auswahl seiner Mitstreiter besessen hat, zeigt sich einmal mehr bei "Symphony of Life", denn hier kommt Cloudy Yang mit ihrer Ausnahmestimme zum Zuge und verleiht dem melancholisch düsteren Song das richtige Gänsehaut-Gothic-Feeling.
Wer Monster-Songs liebt, bekommt mit dem abschließenden "Journey to Arcadia" noch einmal ein richtiges Brett, bei dem erneut mit Tobias, Bob und Russel gleicht drei Sänger ins geschehen eingreifen und auch dem dritten Teil von THE SCARECROW einen bombastischen Abschluss beschert.
Fazit: Da gibt es nun wirklich nicht mehr viel zu sagen. Die Auswahl der Sänger und Musiker garantiert höchstes Niveau und über das Songwriting bzw. die Ideen braucht man erst gar nicht zu diskutieren. Fans werden mit der Trilogie noch lange Freude haben und können sich je nach gerade vorherrschender Laune das passende Album zur Brust nehmen. Einmal mehr überrascht der Wunderknabe Sammet, was alles in ihm steckt und glücklicherweise hat er in Sascha Paeth und Co. treue Mitstreiter, die seine Ideen auch auf geniale Art und Weise in die Tat umsetzen können. Mir persönlich fällt es schwer, die beiden Alben gegeneinander abzuwägen, denn eigentlich gefallen mir härtere Songs wie auf THE WICKED SYMPHONY besser, jedoch kann man sich der epischen Dichte von ANGEL OF BABYLON kaum entziehen, sodass ich letzteres sogar einen kleinen Ticken besser bewerten würde. Wer gleich bei der Deluxe-Doppelpack-Version mit Foto-Doku THE WICKED TRILOGY und Gratis-Songs zum Download zugreift, der bekommt dann wirklich Kost, die sich ein Höchstpunktzahl von 7 mehr als verdient hat.
Und wer jetzt wieder zu meckern beginnt, von wegen warum drei Alben anstatt einen wirklich guten, der sollte zuerst einmal wirklich insich gehen und überlegen, welche 22 der insgesamt 33 Songs er löschen würde... dann darf er auch wieder mitreden! |
Anspieltipps:
| | Wollt ihr noch mehr Lesen oder endlich Musik hören...? "Scales of Justice" mein Favorit mit Langzeitgarantie und hauchdünnem Vorsprung. |
Tipp:
| | Wer Avantasia kennt und liebt, braucht nicht zu überlegen. Allen anderen, die auf epischen Bombast Rock mit exzellenten Musikern und Sängern stehen, werden bald Schwielen auf den Fingern vom häufigen Repeat-Drücken bekommen. |
Titel-Liste:
| | THE WICKED SYMPHONY
- The Wicked Symphony
- Wastelands
- Scales of Justice
- Dying for an Angel
- Blizzard on a broken Mirror
- Runaway Train
- Crestfallen
- Forever is a long Time
- Black Wings
- States of Matter
- The Edge
ANGEL OF BABYLON
- Stargazers
- Angel of Babylon
- Your Love is evil
- Death is just a Feeling
- Rat Race
- Down in the dark
- Blowing out the Flame
- Symphony of Life
- Alone I remember
- Promised Land
- Journey to Arcadia
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Laufzeit:
| | THE WICKED SYMPHONY 60:29 Min. ANGEL OF BABYLON 58:56 Min. |
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