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Review: Axxis
 
UTOPIA

Album:
 UTOPIA, 2009, AFM

Stil:
 Melodic Metal, Power Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 S.M., 18.10.2009

Review:
 Braucht man Axxis noch jemand vorzustellen? Wer jetzt ja sagt, interessiert sich sicher nicht für Melodic Metal. Das deutsche Urgestein um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Bernhard Weiss feiert in diesem Jahr das 20-jährige Bandjubiläum und macht außerdem mit dem neuen Werk UTOPIA das Dutzend der Studioalben voll.
Halten wir uns gar nicht mit viel Gequatsche auf, sondern steigen direkt in das Album ein, um zu sehen, ob es bei dem 2007er-Superwerk DOOM OF DESTINY mithalten kann.

Beim Intro "Journey to Utopia" regieren symphonische Aspekte und Hintergrundchöre, bevor beim Titeltrack "Utopia" richtig mächtig losgegrooved wird. Axxis bewegen sich mehr in Power-Metal-Bereichen, was ihnen aber auch gut zu Gesicht steht. Das Konstrukt des Songs ist eingängig und zielgerichtet. Berny Weiss drückt dem Song mit seinem unvergleichlichen Organ seinen Stempel auf, und den Refrain bekommt garantiert niemand so schnell wieder aus dem Kopf. Gleich zum Anfang gibt es also einen Song, der sicherlich zukünftig zu den Axxis-All-Time-Hits gehören wird und hoffentlich auch ins Live-Programm übernommen wird.
"Last Man on Earth" ist erst etwas düsterer und tiefgründiger, erreicht beim Refrain dann aber einen Höhepunkt, der wieder 1a ins Ohr geht. Insgesamt finde ich aber die unterschiedlichen Stimmungen des Songs sehr interessant. Es ist nicht alles so harmonisch, was den Aufbau spannend macht. Stark ist auch das Solo.
Ein dynamisches Riff zum Anfang lässt darauf schließen, dass es auch beim deutschsprachigen Song "Fass mich an" recht druckvoll zu Werke geht. In der Tat ist es ein Power-Metal-Track mit deutschen Lyrics, was erst etwas ungewohnt ist, aber durchaus seinen Reiz hat. Auch hier wird mit verschiedener Amtosphäre gearbeitet. Etwas ruhigere, epischere, manchmal auch fast besinnliche Parts treffen auf richtig wuchtige Abschnitte. Der Höhepunkt ist wieder klasse.
Ich mag den kräftigen Vormarsch, den Axxis auch bei "Sarah wanna die" wieder zelebrieren. Diese Mischung aus eingängigen Melodic-Metal-Harmonien und Power-Metal-Rhythmen geht einfach genial ins Ohr. Dazu sind die Songs intelligent konstruiert und die Höhepunkte thronen schön über den Songs, wie auch bei diesem Track. Axxis präsentieren sich auf UTOPIA einfach wieder in Bestform.
Die emotionale Seite des Sounds kommt bei "My Fathers' Eyes" zum Vorschein. Es ist eine schöne Halbballade, die aber auch die E-Instrumente mal in den Vordergrund hebt. Und die Song-Melodie ist vom Feinsten.
Den wohl kraftvollsten Groove des Albums findet man bei "The Monsters Crawl", das zwar nicht ganz so flott ist wie manch anderer Track, aber auf einem mächtigen Rhythmus gründet. Die Atmosphäre ist wieder vielschichtiger und wechselt zwischen harmonischer, intensiver und sogar leicht aggressiver Ausrichtung mit einigen Dissonanzen. Doch es passt gut ins Album-Konzept, das die Songs nicht nur alle so fröhlich und beschwingt sind.
Ähnlich ist es bei "Eyes of a Child", das durch Chöre und verstärkte symphonisch-progressive Parts recht vielschichtig ist, sich aber rechtzeitig zum Höhepunkt wieder zu einem typischen Axxis-Melodic-Kracher entwickelt.
Power Metal pur bringt uns "Heavy Rain" mit viel Drive, einem mächtig wummernden Bass, mystisch untermalenden Chören und einem einprägsamen Konstrukt, das in einen super Refrain mündet. Und Gitarrist Marco Wried darf sich nochmal im Solo austoben.
Ein Beginn mit spacigen Synthieklängen lässt mich bei "For you I will die" nach Spock-Art eine Augenbraue hochziehen. Doch im weiteren Verlauf bekommt auch dieses Stück mehr Drive und wartet mit einem guten Höhepunkt auf. Dennoch kann es nicht ganz den Standard der vielen starken Vorgänger halten, da diese komischen Samples immer wieder einfließen.
Mit der ebenso kraftvollen wie atmosphärischen Power-Nummer "Underworld" wird dann eines der Melodic-Metal-Highlights des Jahrgangs 2009 absolut angemessen beendet. Noch einmal gipfelt ein klasse Konstrukt in einen Mega-Höhepunkt, wie sie wahrscheinlich nur von Axxis unter der Führung von Ausnahmestimme Bernhard Weiss zum Ausdruck gebracht werden können.

Wer sich die Limited Edition zulegt, bekommt zwei Tracks mehr. Darunter der sogenannte "20 Years Anniversary Song". Mir lagen diese Tracks zur Rezension zwar nicht vor, doch weiß ich, dass bei dem 12-minütigen Jubiläums-Song diverse Gastsänger eine Art Axxis-Hit-Medley performen. Ob man dafür mehr Geld ausgeben muss, ist fraglich. Überhaupt sind solche Editionen in meinen Augen überflüssiger Kommerz. Wieso kann man diese nicht bereits den Käufern der regulären Edition zur Verfügung stellen?

Fazit: Gäbe es nicht DOOM OF DESTINY wäre UTOPIA wohl Axxis' bisher bestes Werk. So muss es sich leider nur mit dem zweiten Platz in der Axxis-Discography zufrieden geben. Nichtsdestotrotz ist es wohl eines der genialsten Melodic-Metal-Alben der letzten Jahre.
Das sind einfach die unvergleichlichen Axxis mit dem einzigartigen Bernhard Weiss. Und die stehen für Melodic-Metal-Qualität seit dem Debüt in 1989. Trotzdem hat sich der Sound weiterentwickelt und passt dadurch auch heute ins zeitgemäße Produktionsbild. Bei mir kommt auch die zunehmende Dynamik aus dem Power Metal gut an.
UTOPIA ist ein absolut gelungenes Jubiläums-Album. Auf die nächsten 20 Jahre!

Anspieltipps:
 Auf einem so starken Werk noch Anspieltipps rauszufischen, gestaltet sich schwer. "Utopia" ist natürlich absolute spitze und steht selbst dem Alltime-Song "Living in a World" in nichts nach. Außerdem "Last Man on Earth", "The Monsters Crawl", "Heavy Rain" und "Underworld".

Tipp:
 Kurz und knapp: ein Muss für Melodic- und Power-Metal-Fans!

Titel-Liste:
 
  1. Journey to Utopia
  2. Utopia
  3. Last Man on Earth
  4. Fass mich an
  5. Sarah wanna die
  6. My Fathers’ Eyes
  7. The Monsters Crawl
  8. Eyes of a Child
  9. Heavy Rain
  10. For you I will die
  11. Underworld

Laufzeit:
 49:32 Min.

Probehören und Kaufen:
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Axxis

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