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Review: Michael Angelo Batio
 
HANDS WITHOUT SHADOWS 2 - VOICES

Album:
 HANDS WITHOUT SHADOWS 2 - VOICES, 2009, M.A.C.E.

Stil:
 Neo-classical Progressive Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 U.B., 12.04.2010

Review:
 "Michael is back!" titelten die Zeitungen im Herbst 2009. Der Speed König der Formel 1 hatte gerade seinen Neueinstieg verkündet. Fast zur gleichen Zeit ließ ein anderer Michael, Speed König der Strom Gitarren, ebenfalls wieder von sich hören. Von Michael Angelo Batio ist die Rede. Im Gegensatz zu Renn Michael, dessen Rückkehr sehr holprig verläuft, war Shredder Michael nie weg und zeigt auch auf seinem neuesten Album mit dem sperrigen Titel HANDS WITHOUT SHADOWS 2 - VOICES nicht die kleinste Spur von Alterserscheinungen, dabei ist der Mann Jahrgang 56! Im Gegenteil, Batio ist nach wie vor der Maßstab der Dinge wenn es um Tempo und technische Fähigkeiten an der Axt geht. Nicht umsonst hieß ein älteres Album NO BOUNDARIES, Batio akzeptiert einfach keine Grenzen. Nebenbei bemerkt hat Batio noch Musik studiert und einen Bachelor Of Arts als Abschluss.
MAB, wie Batio von seinen Fans liebevoll genannt wird, ist nicht nur mit einer großen Portion Talent gesegnet sondern von Geburt an ambidextros, beidhändig. Menschen die von Natur aus beide Hände wirklich gleichwertig einsetzen können sind sehr selten, Snooker Profi Ronnie "The Rocket" O´Sullivan fällt mir da spontan noch ein. Batio bezeichnet sich zwar manchmal als Linkshänder spielt aber die Gitarre wie ein Rechtshänder. Ja, wenn er denn mal nur auf einer Gitarre spielt. Berühmt wurde er nämlich durch seine Auftritte mit der von ihm erfundenen Double Guitar. Auf dem Cover präsentiert er direkt zwei davon. (Von seiner Quad Gitarre will ich hier erst gar nicht sprechen) Nicht zu verwechseln mit einer Double Neck wie sie zum Beispiel Jimmy Page oder Steve Vai schon hatten. Wie das aussieht wenn MAB auf zwei Gitarren gleichzeitig, zum Teil mit den Händen überkreuz, in einem unglaublichen Tempo spielt, mit der rechten und linken Hand unterschiedliche Melodien oder auch mal synchron, sollte man sich genüsslich auf Youtube ansehen. Seine Over- Under Grifftechnik ist ohnehin nicht von dieser Welt. Flitzefinger Herman Li von Dragonforce ließ sich von Batio inspirieren und verzückt seine Anhänger mit eben dieser Technik ohne jedoch die Perfektion eines Batio je zu erreichen. Wie die "2" im Albumtitel deutlich macht, ist es die zweite Scheibe auf der Batio die Hände so schnell bewegt, dass sie (fast) keinen Schatten werfen. Im Gegensatz zu Nummer #1 das rein instrumental war, man beachte den Zusatz "Voices", gibt es jetzt mit Warren Dunlevy einen guten Sänger zu hören. Der Gesang lenkt den Fokus ein klein wenig ab von Michaels Gitarrenspiel aber keine Bange, die Gitarren Marke Dean, ob nun Armorflame, Silverburst, Aviator oder eben die Double Guitar dominieren eindeutig und genau das wollen die MAB Fans ja auch hören!

Das erste Stück "Dial in that Frequency" ist nur ein kurzes Intro mit Störgeräuschen beim Drehen am Frequenzrad eines Radios. Nicht gerade originell und in der Art schon auf den Alben von anderen Bands zu finden.
Mit "Tribute to Dimebag" erinnert Batio an den von einem Amokschützen getöteten Gitarristen Darell Dimebag. Der Song startet sanft, teils mit akustischer Gitarre und Keyboards sehr melodisch. Michael verarbeitet hier den Dimebag Song "Cemetery Gates". Nach dem melodischen Beginn gibt es einen harten Schnitt mit verzerrten, heulenden Gitarren und harten Riffs. "Cowboys from Hell" bilden einen scharfen Kontrast zum ersten Teil. Die erst spät einsetzenden Vocals sind aggressiv mit heiseren Shouts. Joe Babiak an den Drums gibt einen ersten überaus positiven Eindruck seines Könnens ab und sorgt für mächtig Druck. Dazu erklingen wirbelnde Gitarrensoli mit perlenden Tonfolgen und gegen Ende wilde Schreddereinlagen der Marke MAB.
Wer von Batio beim Track "Clapton is God" ein Tribute Denkmal gesetzt bekommt dürfte klar sein. Der wohl bekannteste Song des Altmeisters "Layla" gibt den Musikern Gelegenheit sich von der sanfteren Seite zu zeigen. Kaum zu glauben das Sänger Warren Dunlevy Claptons Stimmlage so genau trifft und die Leidenschaft und den Schmelz so gut rüberbringt. Bei der Textstelle: Layla you´ve got me on my knees, I´m begging please, dürfte selbst Clapton gerührt Beifall klatschen. Die eingängigen Riffs klingen bei Batio zwar nahe am Original aber sind doch eine Spur metallischer ausgefallen. Auch die Drums haben mehr Raum und viel mehr Punch. Als klitzekleines Intermezzo wird "Sunshine of your Love" noch angerissen. Batio hält sich hier songdienlich stark zurück, nur kurze neo- klassische Soli blitzen auf. Erst zum Schluss wird die Interpretation härter und endet mit flirrenden Gitarren.
Glockenschläge mit viel Hall läuten im wahrten Sinne des Wortes "Metallica rules" ein. Logisch, von "For whom the Bell tolls". Die harten Riffs und die finstere Atmosphäre empfinde ich als gelungen. Auch die Vocals klingen nach Herrn Hetfield. Mit "Master of Puppets" und "Enter Sandmann" werden noch weitere Klassiker von Metallica in das Tribute eingeflochten und Batio lässt es sich natürlich nicht nehmen seinem Instrument so richtig die Sporen zu geben. Da wird geschrammelt das die Schwarte kracht und das Picking bewegt sich bei gefühlter dreifacher Schallgeschwindigkeit. Da will ich mal hoffen der gute Hetfield bekommt dieses Cover nie zu hören sonst greift der beim Vergleich zu seinen eigenen Künsten vor lauter Frust wieder zur Flasche.
Nun ist es an der Zeit einem weiteren Gitarren Hero zu huldigen. Mit "EVH" ist Eddie Van Hallen gemeint, das wird schon mit den ersten Takten klar. "Panama", "Ain´t talking about Love", "Jump" und "Running with the Devil" werden geschickt in einer Art Medley verarbeitet. Besonders die Übergänge sind schön fließend so dass der Song nicht gestückelt wirkt. Batio hat reichlich Gelegenheit Tapping einzusetzen, das Anschlagen der Saiten mit den Fingern der rechten Hand, für das Eddie berühmt ist. Dunlevy bringt mich erneut zum Staunen, seine Vocals gegen beinahe als David Lee Roth Kopie durch. Selten einen Sänger gehört der ein so wandlungsfähiges Organ besitzt.
Mit "Symphony of Destruction" ist nun Megadeth an der Reihe. Sänger Dunlevy trifft die Tonlage von Dave Mustaine recht gut und trägt zu der verschwörerischen, im Unterton gar etwas psychopatischen Stimmung bei. Viel Bass und sägende Gitarren, Vinnie Moore und George Bellas sorgen für den düsteren Background während Batio bisweilen alle Register zieht und in einem wahren Geschwindigkeitsrausch dahinprescht. Seine klassisch angehauchten Soli heben sich hell vor den finsteren Riffs ab. Der Schluss ist im wahrsten Sinne des Wortes explosiv. Stimmung des Original Songs nicht ganz getroffen, gerade durch Batios exzessive Gitarreneinlagen aber gerade deswegen erneut ein Lehrstück was auf dem Saiteninstrument so alles möglich ist.
"For Jimi: All along the Watchtower" ist ein Tribute an den unvergessenen Jimi Hendrix. Obwohl eigentlich ist "All along the Watchtower" ja von Bob Dylan. Nur machte Hendrix mit seiner Version den Song damals noch deutlich bekannter. Am Anfang hört man johlendes Publikum im Hintergrund was wohl für eine Live Stimmung sorgen soll die aber garantiert nur vom Band kommt. Sänger Dunlevy klingt so gar nicht nach Hendrix und das ist gut so. Dem reichlich nuscheligen Gesang von Jimi konnte ich ohnehin nie etwas abgewinnen. Da sind die Vocals von Dunlevy viel akzentuierter. Batios Gitarre strebt nun ebenfalls nicht danach nah am Original zu sein. Für Hendrix Puristen nicht unbedingt ein gefundenes Fressen. Wobei ich mir sicher bin, dass selbst ein Hendrix vor den Soli eines Batio den Hut ziehen würde.
Michael Angelo Batio ist ein Randy Rhoads Fan. "Tribute to Randy 2: You can´t kill Rock and Roll" ist bereits der zweite Song der dem auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Gitarristen gewidmet ist. Der erste war auf dem HWS 1 Album. Betont melodisch, beinahe balladenhaft, versehen mit schmeichelnden Vocals geht das Stück sofort ins Ohr. Batios Gitarrenspiel ist ständig präsent aber weniger im Vordergrund als bei ihm gewohnt. Die Solos machen Rhoads aber alle Ehre.
Mit "On the Double" kommen wir zum einzigen Lied das von Batio geschrieben wurde. Der Rest besteht wie angegeben aus Tribute und Medleys. Für mich ist das Stück das Highlight des Albums. Der Titel zeigt was hier angesagt ist, Batios berühmte Double Guitar. MAB schöpft hier aus dem Vollen. Mit reichlich Prog Elementen versehen, angetrieben durch die wieselflinken und dabei ungemein druckvollen Drums, strotzt das Stück nur so vor Tempo- und Rhythmusvariationen und ist doch aus einem Guss. Tolles Songwriting und der eigene Batio Sound mit der bekannten Anhebung der Mitten sind ein Erlebnis. Das Tempo ist atemberaubend und man wartet förmlich auf den Überschallknall. Schade, dass der Song nicht länger ist.
Den Abschluss bildet eine Art Fan- Song. Auf "MAB Forum Shreddathon" kommen nicht weniger als dreizehn Gitarristen aus Michaels eigenem Forum zum Einsatz. Eine tolle Geste von Batio der hier jungen Musikern die Chance gibt sich der Öffentlichkeit mit ihren Fähigkeiten zu zeigen. Die haben ihre aufgenommenen Riffs nach einem Aufruf im Forum eingeschickt und die wurden dann zu einem Stück gemixt. Jeder Gitarrist konnte sich so etwa 30 bis 40 Sekunden verewigen. Interessant sind die unterschiedlichen Stile und das Können. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen viel Individualität der Musiker verschmilzt der Track zu einem Shredder Ohrenschmaus. Ganz am Ende haut dann noch MAB persönlich in die Saiten.

Fazit: Es gibt Gitarristen, Meistergitarristen und Gitarrengötter. Zur letzten Kategorie zählen so bekannte Namen wie Joe Satriani, Yngwie Malmsteen, Steve Vai oder Ritchie Blackmore. Nun, wenn es Götter der Sechssaiter gibt wer ist dann der Zeus der Griffbrettakrobaten? Den Titel darf für mich ohne Zweifel MAB für sich beanspruchen. Was Michael hier erneut abliefert ist einfach eine Klasse für sich. Waren die meisten MAB Alben rein instrumental so hat er mit Warren Dunlevy nun einen Sänger engagiert und der entpuppt sich als äußerst wandlungsfähig. Joe Babiak an den Drums spielt sein Instrument in überzeugender Manier. Dazu steuert eine Schar von illustren Gastmusikern, von denen jeder aber nur auf jeweils einem Song einen Einsatz hat, darunter Vinnie Moore und David Shankle ihren Anteil am Gelingen des Albums bei. Mark Tremonti und Bill Peck, zwei weitere Gitarristen, sind wieder mit an Bord wie schon auf dem ersten HANDS WITHOUT SHADOWS Album von 2005. Wem reine Shredder Ultra Speed Alben bisher zu monoton waren, sollte hier unbedingt reinhören, zumal MAB nicht ständig mit dem Tempo einer Cruise Missile durch die Stücke pflügt. Nur ein Song (die Nr.9) ist im Original von MAB, auf den anderen Stücken huldigt er Clapton, Randy Rhoads, Metallica, Eddie Van Halen, Darrell Dimebag, Megadeth und Jimi Hendrix mit je einem Stück, natürlich mit der eigenen Batio Note. Michael brilliert nicht nur mit perfektem Gitarrenspiel, es gelingt ihm auch den Stil der einzelnen Musiker, die ich gerade angesprochen habe, zu treffen und deren Stücke auf interessante Weise neu zu interpretieren. Das Album ist abwechslungsreicher als seine Vorgänger. Der Sound ist kristallklar wie es sich für einen Perfektionisten vom Schlage eines Batio gehört. Der Meister ist Produzent, spielt Akustik-, E- und Bass-Gitarren inklusive der Double und die Keyboards noch dazu.

Anspieltipps:
 Das gesamte Album und als absolutes Sahnehäubchen der Shredder Overkill "On the Double".

Tipp:
 Rusty Cooley, Jason Becker, Joe Satriani, Paul Gilbert, Vinnie Moore, Tony MacAlpine und Joey Tafolla stehen in eurem Plattenschrank, dann darf Michael Angelo Batio nicht fehlen. Selbst ein Malmsteen muss sich geschlagen geben. Geschwindigkeit ist keine Hexerei, sagt ein Sprichwort. Falsch! Batio ist ein wahrer Hexenmeister. Wenn er den Nachbrenner zuschaltet könnte ich schwören er hat an jeder Hand zehn Finger die in einem schieren Trommelfeuer das Griffbrett bearbeiten. Der Mann ist vom Gitarrenspiel besessen wie Tiger Woods vom Einlochen… oh, das war das jetzt zweideutig? Wie auch immer, wenn ihr technische Gitarrenpower in Perfektion sucht sagt das Heavy Metal Navi: "Sie haben ihr Ziel erreicht."

Titel-Liste:
 
  1. Dial in that Frequency
  2. Tribute to Dimebag
  3. Clapton is God
  4. Metallica rules
  5. EVH
  6. Symphony of Destruction
  7. For Jimi: All along the Watchtower
  8. Tribute to Randy 2: You can't kill Rock and Roll
  9. On the Double
  10. MAB Forum Shreddathon

Laufzeit:
 47:03 Min.

Band-Infos:
 
  • www.angelo.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Michael Angelo Batio: HANDS WITHOUT SHADOWS 2 - VOICES

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