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Review: Becoming August
 
TWENTY ONE

Album:
 TWENTY ONE, 2009, Higmo's Inc. Music

Stil:
 Rock, Country Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 09.01.2010

Review:
 Schon als das Album in unserer Redaktion eintraf, brach es einen Rekord, den des größten Promo-Pakets. Mit satten 49x38cm hatte unser Briefkasten keine Chance das Monster zu verdauen und deshalb musste der Postmann zweimal klingeln...
Nach dem Auspacken war klar, dass es sich nicht um eine schnell und schludrig zusammen gestellte Promoware handelte. Mit Liebe zum Detail, wurde das Projekt Becoming August auch optisch richtig in Szene gesetzt. Buntstifte und Wassermalfarben waren die farbigen Helfer für Cover-Artwork, Inlay und Booklet. Dass man dabei keinen hoch bezahlten Profi engagierte, sondern durchaus auf Familienpower setzte, gibt dem ganzen eine sehr persönliche und angenehme Note.
Jetzt ist meine Neugier endgültig geweckt und ich möchte wissen, was sich hinter Allen Higgins, genannt Higmo tatsächlich verbirgt.
Die Spur führt in den "Pine Tree State" Maine, genauer in die Kleinstadt Brunswick, wo der Bandgründer, Songwriter und Gitarrist Allen Higgins hauptberuflich ein eigens Sägewerk betreibt, ganz nach dem Motto: "The only thing we don't cut is our hair". Auch wenn Allen Higgins, genannt Higmo, nur ein Amateurmusiker ist, so heißt das nicht, dass sein Spaßprojekt auch amateurhaft umgesetzt wurde. Ganz im Gegenteil. Da hat er sich mit Anna Libby eine optisch und stimmlich attraktive Frontfrau ausgesucht, in Paul Lavigne den richtigen Bassisten gefunden, den Rhythmus und die Keys Sean McNeil anvertraut, noch ein paar weitere Gastmusiker eingeladen und auf das Profistudio von Bobby Keyes zurück gegriffen, um TWENTY ONE einzuspielen. In diesem Studio wurden bereits Künstler von Jerry Lee Lewis bis New Kids on the Block verarztet.
Auch wenn Higgins selbst seine Musik als Real American Rock beschreibt, so muss man nicht gleich fluchtartig den Raum verlassen in der Befürchtung nationalistisch verklärte Kriegshymnen zu hören.

Das Album beinhaltet vielmehr Songs, die sich sowohl musikalisch zeitlos als auch textlich für die Breite Masse geschrieben wurden. Amüsante kleine Geschichten aus dem Alltag, verpackt in walzendem knackigen Rock, wie beim Opener "Freight Train", mit Southern-Einschlag bei "TV Song" oder mit Piano-Klägen etwas entschärft bei dem recht straight galoppierenden "Outta here".
Eigentlich recht harmlos startet "Famous" als waschechter Country-Rocker, bei dem man den Saloon schon fast greifbar vor seinem inneren Auge sieht. Böse bei dem Song ist der Text, der das Hauptproblem aller hart arbeitenden Menschen beschreibt. Einen Dollar verdient und zwei Dollar ausgegeben - das kann auf Dauer nicht gut gehen.
Recht modern und ruhig klingt "4 Nothing", das vor allem von Anna Libbys Stimme und den sanften Gitarren getragen wird. Hier fällt es leicht, die Seele baumeln zu lassen. Und wer auf noch etwas mehr Gefühl steht, der sollte auf die nächste Ballade "Unwanted" warten.
Mit gesundem Tempo und einer gehörigen Portion Pop-Anleihe rockt es wieder bei "Indefinitely", bevor mit "Lucky" die nächste Ballade lauert. Diese lebt, genauso wie das nachfolgende "Midnight Moon" von Annas gefühlvoller Gesangsarbeit und dem wirkungsvoll in Szene gesetzten Piano.
"Amy's Song" fällt mit seiner melancholieschwangeren Grundstimmung (Taschentücher bereit halten) etwas aus dem ansonsten fröhlich beschwingten Atmosphäre. Macht aber nichts, denn "Found a Way" führt wieder auf gewohnte Pfade zurück. Leider nicht so rockig, wie ich es mir persönlich gewünscht hätte, aber das geht auch so in Ordnung.

Fazit: Ich habe in den letzten Jahren nur wenige Alben erlebt, die mit so viel Persönlichkeit ausgestattet waren, wie TWENTY ONE. Auch wenn hier "nur Amateure" am Werk waren, so ist das Ergebnis professionell und absolut überzeugend. Es zeigt einmal mehr, was Musik ausmacht. Auch einfache Leute aus einer Sägemühle können ein Gefühl für Musik besitzen und es verstehen ihren Alltag entsprechend musikalisch aufzuarbeiten. Handwerklich einwandfrei und liebevoll in Szene gesetzt, genau das bringt es auf den Punkt.
Wenn das Holz aus der Mühle nur annähernd die Qualität besitzt, wie Higmos Musik, dann braucht man sich auch bei Bau größerer Häuser keine Gedanken machen.

Titel-Liste:
 
  1. Freight Train
  2. TV Song
  3. Famous
  4. 4 Nothing
  5. Outta here
  6. Unwanted
  7. Indefinitely
  8. Lucky
  9. Midnight Moon
  10. Amy's Song
  11. Found a Way

Laufzeit:
 44:49 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/becomingaugust 

  • Probehören und Kaufen:
    Becoming August: Twenty One

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