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Review: Black Sheriff
 
II

Album:
 II, 2010, Club Scheiße

Stil:
 Rotzrock, Punk Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 15.08.2010

Review:
 
Boozed, Dustsucker, Gunslinger, Mind of Dolls oder The Carburetors haben eine gemeinsame Stoßrichtung, jede Note immer mit Volldampf durch die PA jagen und am besten voll in die Fresse des ungeschützten Besuchers schleudern. Blessuren der Akteure werden dabei ebenso in Kauf genommen wie Tinnitus-schwangere-Schockwellen für die geneigte Zuhörerschaft.
Auch wenn im Anschreiben der Black Sheriffs etwas vollmundig große Namen wie Van Halen, Ozzy Osbourne, Sex Pistols und Mötley Crüe ins Spiel gebracht werden so lässt sich unter dem Strich bestätigen, dass Trommeln ebenso zum Rotzrock Geschäft gehört, wie die Mucke selbst. Und so überrascht es kaum, dass Black Sheriff ihren Rotzrock zelebrieren, wie es sich gehört, räudig, abgedreht, kompromisslos und knockentrocken. Schnell wird klar, dass man hier keine Truppe von Musik-Frischlingen vor sich hat, die noch ihr grün hinter den Ohren abarbeiten müssen, sondern stilsichere Musik-Profis, die genau wissen, wie man die Massen begeistern kann. So weit hergeholt sind die Vergleiche also gar nicht, besonders wenn man weiß, dass sie erst richtig auf der Bühne abgehen und von dieser Spielfreude auch einiges auf's Album retten konnten.

Dass man sich dabei aus den unterschiedlichsten Genres bedient und einmal mehr der AC/DC-Fraktion hinterher hechelt, wie bei "Winning Streak" und ein anderes Mal wie ein Stiefbruder von Motörhead klingt, wie beim Opener "Hi - Fidelity", ist kein Tadel, sondern gehört einfach zum Pflichtprogramm. Es muss aber auch nicht immer Rotzrock sein, denn auch mit einer guten Portion Punk im Gepäck lässt sich prima Krach machen, bis die Verstärker qualmen und die Boxen schlapp machen, wie "Over for you" in bester Sex Pistols-Manier zeigt.
Hervorzuheben ist dabei die exzellente Gitarrenarbeit von Tom Krämer, der immer für gehörigen Riffdruck sorgt und sich nicht mit Standard-Gefrickel zufrieden gibt. Hier wird gezockt und gerockt bis kurz vor dem Saitenriss. Klar, dass bei diesem Feuerwerk gehöriger Basisdruck nötig ist und sowohl Buddy an den langen Saiten ebenso wie Micha hinter der Schießbude den Systemtakt hochhalten und schon nach kurzer Zeit für Schweißflecken unter den Achseln der Zuhörer sorgen.
Besonders das Riffing von "Be alone Tonight" krallt sich sofort im Gehörgang fest, obwohl mir hier als einer der wenigen Songs der Gesang etwas zu brav klingt.
Trotzdem kann man auch dem Frontmann Glen Ravioli eine tadellose Leistung bestätigen, der (mit wenigen Ausnahmen) immer die richtige stimmliche Klangfarbe erwischt, von rockig, kratzig, räudig bis hin zu punkig frech. Obwohl er seine Sache prima macht und stimmlich mit seiner gesunden Bandbreite aufwarten kann, bin ich bei den wirklich räudigen Motörhead-Nummern, wie "Hold it tight" immer geneigt, die Reibeisenstimme alá Lemmy als Vergleich heran zuziehen und da sticht das Original bis jetzt noch einfach den Glen. Das gilt auch bei anderen stark an die Originale angelehnten Songs. Wandle ich auf AC/DCs Pfaden erwarte ich mindestens eine Frontsau vom Kaliber eines Brian Johnson oder Bon Scott. Das ist quasi das 'A' und 'O', egal wie Young-like-genial die Gitarrenriffs bei "Winning Streak" noch klingen mögen. Hier sehe ich noch ein bisschen Verbesserungspotenzial, bin aber überzeugt, dass man hier noch aufschließen kann.
Mit standesgemäßem wilden Ritt "In a Dream" endet das Scheibchen leider schon nach etwas mehr als 40 Minuten.
Abgesehen davon sind die 13 Songs ein recht kurzweiliges Vergnügen, so locker und lässig flutschen sie durch die Gehörgänge, was aber ausnahmsweise nicht als Kritik zu verstehen ist. Man vergisst bei all dem Mitgröhlen, Luft-Gitarre-Spielen und Bierchen zischen einfach, wie schnell die Zeit vergehen kann. Aber was soll's, dann spendiert man eben nochmal 'ne Runde, dem CD-Player und den Kumpels an der Theke!

Fazit: Eine Rotzrock-Scheibe mit großer stilistischer Vielfalt und der Garantie so schnell nicht wieder in der CD-Hülle zu verschwinden ist den Jungs von Black Sheriff mit ihrem Album II in jedem Fall gelungen. Hier kann man locker auf Augenhöhe mit der großen Zahl skandinavischer Bands angefangen von The Carburetors über Glucifer bis hin zu Turbonegro mithalten. Vielleicht legt sich ja Glen Ravioli bei den Live-Acts abweichend vom Original bei Motörhead-Like Songs auch etwas mit mehr voluminösem Schmackes ins Zeug und dann wäre auch ich rundum zufrieden, denn ins Mikro beißen kann er schon recht überzeugend.

Anspieltipps:
 "Over for you", "Hold it tight", "Winning Streak" und "Be alone Tonight".

Tipp:
 Wer auf wilde Rock- und Punk-Ausritte steht, bekommt mit dem Zweitling der Black Sheriffs das volle Brett auf die Zwölf. Also Kaufen und Abfeiern, was sonst!

Titel-Liste:
 
  1. Hi - Fidelity
  2. Snakeskin Pillow
  3. INRI
  4. Hold it tight
  5. We're comin' Home
  6. Monkeys of Mayhem
  7. Never say die
  8. Be alone Tonight
  9. Over for you
  10. Winning Streak
  11. Live forever
  12. Stole my Heart
  13. In a Dream

Laufzeit:
 40:48 Min.

Band-Infos:
 
  • www.smokinevil.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Black Sheriff: II

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