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Review: Black Tide
 
LIGHT FROM ABOVE

Album:
 LIGHT FROM ABOVE, 2008, Interscope

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 U.B., 29.12.2008

Review:
 Nun sind es nur noch wenige Stunden bis das Jahr zu Ende ist. Höchste Zeit auch mal unter musikalischen Gesichtspunkten zu betrachten, was uns 2008 beschert hat. Auf der einen Seite das erneute Auftauchen altbekannter Gruppen, manchmal nur für wenige Konzerte, viele Reunions und eben eine Menge neuer Bands. Bei den Newcomern schien es ein Trend zu sein, sich seitens der Label mit immer jüngeren Gruppen zu überbieten. Sei es Sturm & Drang, Kissin`Dynamite oder eben Black Tide. Das Durchschnittsalter der Bandmitglieder bei Black Tide beträgt knapp 20 Jahre, der Sänger und Gitarrist Gabriel Garcia hat gerade mal 15 Lenze. Dabei kommt das Quartett aus Miami, einem Staat wo doch sonst, übertrieben formuliert, nur Rentner überwintern. Für Black Tide wurde kräftig die Werbetrommel gerührt und das Label ließ fast kein Superlativ aus um die Truppe anzupreisen. Die Produzenten haben bei einigen Tracks kräftig nachgeholfen beim Songwriting. Schauen wir mal ob da ein neuer Stern am Musikhimmel leuchtet oder nur eine schnell wieder verlöschende Sternschnuppe.

Mit "Shockwave", der Song ist inzwischen auch als Single erschienen, legt man gleich flott los. Besonders die Riffs der Twin Gitarren und die Drums marschieren prima nach vorn. Die hohen und auch klaren Vocals lassen aber etwas an Kraft vermissen. Ein sehr radiotaugliches Stück.
Von ähnlicher Spielfreude ist auch "Shout". Nach verfremdeten Vocals im Intro gefallen erneut die Gitarren. Der Track prescht schön druckvoll dahin bei guter Melodie.
Nach gelungener Einleitung mit Akustikgitarre, eine Prise Flamenco ist auch dabei, heizen die hämmernden Drums auf "Warriors in Time" ein. Der Ho, ho, ho Hintergrundchor tut einiges für die Stimmung, die ist True Metal angehaucht und auch die Lyrics lassen kein Klischee aus. Nur die Vocals sind für so einen Titel viel zu brav und nicht mal ansatzweise aggressiv. Eine tiefe, raue und kratzige Stimme würde viel besser passen. Die Gitarren hingegen reißen mit ihrem flirrenden Sound wieder einiges raus.
"Give me a Chance" ist ebenfalls klar dominiert von den Gitarren. Es gibt einen steten Wechsel von härteren und ruhigeren Abschnitten.
"Let me" ist leider ebenso wenig spektakulär. Bis auf die schnellen Gitarren eine 08/15 Nummer mit wenig Wiedererkennungswert.
Auch "Show me the way" plätschert meist nur so dahin. Okay die Gitarren sind gut und ich meine einen kleinen AC/DC Einfluss rauszuhören, eine zündende Melodie fehlt aber.
"Enterprise" kann mit den Gitarren punkten, da stimmt das Tempo und das Zusammenspiel ist gut. Mit etwas Wohlwollen kann man dem Stück Iron Maiden Züge unterstellen, die Gitarrenläufe klingen durchaus nach den Jungfrauen.
"Live fast die young" lautet die nächste Nummer. Da hat man wohl eine alte Textstelle von Dio wiederbelebt. Oder stand da am Ende "I hope I die before I get old" von den Who Pate? Die Riffpower bläst kräftig durch die Lauschlappen nur bei den Vocals fehlt der Druck, das müsste rotzig frech kommen. Die Hooklines und die Melodie sind erheblich besser als bei den drei Stücken zuvor. Hier springt der Funke über und die Fußspitzen wippen automatisch im Takt. Highlight, mal wieder, die Gitarren.
Mit "Hit the Lights" präsentiert uns die Truppe ein ordentliches Cover des alten Metallica Hits. Ich kann mich da nur zum x-ten Male wiederholen, die Gitarren fetzen prächtig.
Mit "Black Abyss" kommen wir zu einem der besseren Stücke des Albums. Eingängiger Melodic Hard Rock mit schöner Melodie und klasse Drumeinlagen machen Spaß.
Zum Abschluss folgt das aus meiner Sicht beste Stück der Scheibe, nicht ohne Grund das Titelstück. "Light from above" hat einen mitreißenden Rhythmus, viele Tempowechsel die schon fast das Prädikat progressiv verdienen. Vom Songwriting deutlich reifer und ausgefeilter als der Rest der Lieder. Hier trifft Kraft auf eine überzeugende Melodie. Davon hätte ich mir bei vielen anderen Stücken mehr gewünscht.

Fazit: Wenn ein neues Produkt im Regal steht wird es häufig mit einem fetten Aufkleber "Neu" versehen, möglichst noch mit einem roten Ausrufezeichen. Ich frage mich immer, ob das schon ein Qualitätskriterium ist nur wenn eine Sache neu ist. Lieber alt und bewährt als neu und mit Macken behaftet lautet bei mir die Devise. Im Falle von Black Tide ist das Debüt durchaus nicht schlecht, besonders wenn man das noch sehr junge Alter der Truppe mit ins Kalkül zieht. Das überschwängliche Lob was an einigen Stellen über LIGHT FROM ABOVE zu lesen war kann ich aber nicht nachvollziehen. In meinen Augen ist es ein Album etwas über dem Durchschnitt mit einigen guten Ansätzen. Vor allem die Gitarren spielen sich gekonnt in die Gehörgänge. Doch vieles hat man bereits ähnlich gehört, manchmal auch schon besser. Keine Frage in der Band steckt Potential wie der Titelsong eindrucksvoll beweist, nur sind zu viele Nummern eben noch Mittelmaß. Während die Joungster von Kissin`Dynamite mit STEEL OF SWABIA ein wahres Feuerwerk an guten Songs abbrannten, viele mit tollen Melodien und Ohrwurmqualität, ist es bei Black Tide nur ein solides Werk bei dem vor allem beim Songwriting noch Platz nach oben ist. Da bleibt auch bei mehrfachem Anhören zu wenig hängen. Stilistisch orientiert man sich an den Heroen der 80er. Die NWOBHM hat ihre Spuren hinterlassen, allerdings ohne die nötige Härte. Lustig, war doch zur damaligen Zeit kein einziger von Black Tide bereits geboren. Der Stil ist ein bunter Mix aus Sleaze, Hard Rock und Thrash Metal. Zum Glück sind die Thrash Elemente nicht sehr ausgeprägt sonst könnte das Gefühl aufkommen, hier will man auf der wieder sehr erfolgreichen Thrash Welle mitreiten und den kommerziellen Erfolg sichern. Ein eigener Stil bleibt da, bei allem zu spürenden Enthusiasmus auf der Strecke. Authentizität sucht man hier vergeblich. Doch auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, sagt ein altes Sprichwort. Die Band ist jung und kann sich sicherlich noch steigern. Nur weil etwas neu ist heißt das noch lange nicht es ist ein Kracher. Zwar ist LIGHT FROM ABOVE alles andere als ein Rohrkrepierer aber eben auch nicht die leuchtende Sylvesterrakete wie uns das Label glauben machen will.

Anspieltipps:
 "Shockwave", "Warriors of Time", "Black Abyss" und "Light from above"

Tipp:
 Ihr hört gern Hard Rock der 80er der hier und da die Grenze zum Metal überschreitet, Bands wie Skid Row, Ratt und Don Dokken rotieren häufig in eurem CD Player? Ein bisschen Glam und Sleaze mit Thrash Zutaten munden euch, ihr steht auf Gitarren betonte Mucke, dann könnte LIGHT FROM ABOVE das Richtige für euch sein.

Titel-Liste:
 
  1. Shockwave
  2. Shout
  3. Warriors of Time
  4. Give me a Chance
  5. Let me
  6. Show me the way
  7. Enterprise
  8. Live fast die young
  9. Hit the Lights
  10. Black Abyss
  11. Light from above

Laufzeit:
 45:05 Min.

Band-Infos:
 
  • www.blacktidemusic.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Black Tide: LIGHT FROM ABOVE

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