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Review: Blackmore's Night
 
SECRET VOYAGE

Album:
 SECRET VOYAGE, 2008, Steamhammer

Stil:
 Folk Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 19.06.2008

Review:
 Lange ist es her, da galt Ritchie Blackmore als Gitarren-Inbegriff, als er noch mit Deep Purple oder Rainbow durch die Lande zog. Diese Zeiten sind offensichtlich endgültig vorbei. Seit über zehn Jahren kann man jedoch mit großer Regelmäßigkeit immer wieder einen "anderen Ritchie" erleben, wenn er an der Seite seiner attraktiven blonden Frau Candice Night und der Band Of Minstrels durch die Städte tingelt oder gar stilgerecht in alten Burgen und Schlössern Konzerte bestreitet. Stilgerecht? Ja, genau, denn mit Blackmore's Night ist er nur noch in Sachen Mittelalter oder besser altertümliche Musik unterwegs. Dabei hat er fast immer seine E-Gitarre im Koffer gelassen und sie mit Akustik-Versionen getauscht.
Klar bin ich nach dem winterlichen WINTER CAROLS und dem Album THE VILLAGE LANTERNE gespannt, ob endlich ein würdiger Nachfolger für mein geliebtes FIRES AT MIDNIGHT von 2001 in den aktuellen Verkaufsregalen lauert. Der Test wird es zeigen...

Nach einem recht üppigen instrumentalen Einstand mit "God save the Keg", wird für die richtige Mittelalter-Folk-Stimmung gesorgt. Orchestrale Einlagen bis zum Abwinken werden mit ein paar Gitarren-Licks aufgelockert und der abschließende Männerchor leitet nahtlos über zum eigentlichen Opener.
Ohne lange zu fackeln, geht es dann mit "Locked within the Crystal Ball" richtig los. Schon lange ist es her, dass Candice und Ritchie so flott durch die Landschaft geritten sind und das sogar über sieben Minuten. Ein Break sorgt für das richtige Folk-Feeling und leicht wimmernde Gitarren erinnern etwas an Mike Oldfields Tubular Bells. Mittelalterliche Bläser und das ein oder andere Gitarren-Solo, egal ob Akustik- oder E-Gitarre runden den Song perfekt ab. Genau so darf es weitergehen und vielleicht bekomme ich endlich ein weiteres Sahnestückchen wie FIRES AT MIDNIGHT geboten.
Deutlich mehr Folk bekommt man im Anschluss mit der ruhigen Ballade "Gilded Cage" geboten. Die sanfte Stimme der hübschen Blonden am Mikro wird ebenfalls sanft von den Musikern begleitet wobei Percussions, wie Schellenring oder Tamburin für den Rhythmus sorgen.
Obwohl der morgenländische Start das folgende "Toast to Tomorrow" zunächst etwas östlicher ansiedelt, entpuppt sich der Song recht schnell als flottes Folk-Lied mit jeder Menge Zigeuner-Blut und lädt auf alle Fälle zum mittanzen ein. Also auf, auf, fasst die Hand eures Nachbarn und tanzt ums Lagerfeuer. Das ist dann aber zugleich auch die Kehrseite des Songs, denn Schlager- und Volksmusik-Geschädigte, die vor ein paar Jahrzehnten etwas zu viel von der Kommerzmucke abbekommen haben, sollten hier vielleicht die Skip-Taste drücken.
"Prince Waldeck's Galliard", ein reines Akustik-Gitarren-Instrumental, als Widmung an den Prinzen, der u.a. im deutschen Schloss Waldeck residierte.
Wieder etwas mehr Schwung nehmen Candice und Ritchie für "Rainbow Eyes" auf. Die Halbballade überzeugt einmal mehr mit Ohrenschmeichler-Hooklines, einer dezent agierenden Candice und einem Ritchie, der seiner E-Gitarre endlich etwas Auslauf spendiert.
Bläser und Percussion bilden das Intro für "The Circle", einem typischen Candice/Blackmore-Song, der sofort im Ohr bleibt und einem spielend ein paar Jahrhunderte zurück beamt. Der Refrain ist dafür schon fast etwas grenzwertig glatt geraten und erinnert fast an deutsche Schlager.
Irgendwo zwischen "Toast to Tomorrow" und "The Circle" bewegt sich "Sister Gypsy" sowohl klanglich als auch vom Tempo und reiht sich damit brav ein ins gesamte Konzept.
Wer hätte es nicht schon am Titel erkannt. "Can't help falling in Love" ist die Huldigung an Elvis, The King of Rock'n'Roll. Ob man das Cover nur drauf gepackt hat um auch einen radiotauglichen Song im Gepäck zu haben, ist vielleicht dann doch zu weit hergeholt, oder?
Noch authentischer als bei dem Vorgänger "The Circle" wird man mit "Peasant's Promise" ins Mittelalter versetzt. Spärlich instrumentalisiert wird dem Song besonders durch Candice's Stimme Leben eingehaucht und klanglich ein klarer und transparenter Raum erschlossen.
Zum Abschluss des Albums gibt es nochmal die zwei ruhigeren "Far far away" und "Empty Words", die trotz Hörgenuss kaum Hit-Ambitionen mit sich bringen, SECRET VOYAGE jedoch zu einem würdevollen Ausklang verhelfen.

Fazit: Zugegeben, die WINTER CAROLS sind jetzt mit Ausnahme der Polregionen so unpassend wie ein Eisbär in der Sahara und deshalb werden vor allem Fans nach neuem Stoff lechzen. In jedem Fall ist die stilistische Vielfalt und auch die offensichtliche Liebe zu diesem musikalischen Zeitalter positiv zu bewerten. Wie gewohnt jagt eine melodische Hookline die nächste und "Gefühl" oder längst vergessene Instrumente gibt es bis zum Abwinken. Da wären wir dann auch gleich beim entscheidenden Punkt, wo sich auch SECRET VOYAGE von meinem persönlichen Favoriten FIRES AT MIDNIGHT unterscheidet. Mir fehlt einfach an vielen Stellen etwas der Schwung und melodische Songs müssen nicht unbedingt Ohrwürmer sein, die dauerhaft hängen bleiben.

Tipp:
 Blackmore's Night Fans finden genügend Songs, genau so, wie sie es gewohnt sind und auch erwarten werden. Wem die klassische Rock-Schiene manchmal einfach auf den Wecker geht, der sollte hier mal über den Tellerrand schauen und probehören, denn neben dem alltäglichen Pop-Gedudel gibt es durchaus noch genügend Facetten mit rockigen Wurzeln.

Titel-Liste:
 
  1. God save the Keg
  2. Locked within the Crystal Ball
  3. Gilded Cage
  4. Toast to Tomorrow
  5. Prince Waldeck's Galliard
  6. Rainbow Eyes
  7. The Circle
  8. Sister Gypsy
  9. Can't help falling in Love
  10. Peasant's Promise
  11. Far far away
  12. Empty Words

Laufzeit:
 50:42 Min.

Band-Infos:
 
  • www.blackmoresnight.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Blackmore's Night: SECRET VOYAGE

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