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Review: Blackwood Creek
 
BLACKWOOD CREEK

Album:
 BLACKWOOD CREEK, 2009, Frontiers

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 17.01.2010

Review:
 Zuerst ist alles noch reiner Spaß, danach ist man einfach noch nicht so weit und dann kommt einfach was dazwischen, letztendlich hat man es schon fast vergessen. So oder ähnlich könnte es sich auch im Hause Winger abgespielt haben, als Kip Winger und sein Bruder Nate sich an ihre ersten Gehversuche in den guten alten 70ern erinnert haben. Damals zogen sie gemeinsam mit dem Gitarristen Peter Fletcher quer durch Colorado um voll und ganz dem Hard Rock zu frönen.
Glücklicherweise ist manchmal aufgeschoben nicht aufgehoben und so kommt es, dass Kip zwischen all seinen musikalischen Aktivitäten Zeit gefunden hat, mit seinem Bruder Nate die guten alten Zeiten aufleben zu lassen. BLACKWOOD CREEK ist jedoch keine Sammlung alter verstaubter Songs, die bis jetzt irgendwo in einem Schränkchen in der Garage vor sich hin gammelten, sondern samt und sonders neu komponiert worden.
Dass sich dabei einige Parallelen zum aktuellen Hard Rock-Wirken von Kip eingeschmuggelt haben liegt fast auf der Hand, tut der Qualität aber keinen Abbruch.
Im direkten Vergleich zu seinen letzten Werken klingt das Debüt-Album jedoch deutlich rauer, ungeschliffener und bodenständiger, als die oftmals etwas pop-lastigen Songs der Bands Night Ranger und Tyketto. Damit schaffen Kip und Nate auch gleich eine eigenständige Existenzberechtigung.

Mit Volldampf geht es bei dem Opener "Out in outer Space" in die erste Runde. Raue Up-Tempo-Riffs werden lediglich von einem sehr melodischen und gefälligen Refrain glatt geschliffen. Beim Tempo gibt es allerdings einen Durchmarsch sondergleichen.
Nach so fulminantem Einstieg holt einem der melodische Mid-Tempo-Schmachtfetzen "Nothing but the Sun" etwas arg rüde zurück auf die, im Melodic Rock-Bereich übliche, Schlagzahl. Nichtsdestotrotz ist das balladeske Stück ein richtiger Ohrwurm.
Nach etwas verhaltenem Start mausert sich auch das nachfolgende "Your Revolution" schnell zu einem weiteren kraftvollen Mid-Tempo-Rocker, der besonders mit seinen mehrstimmig gesungenen Passagen punkten kann.
Bei "Dead Stung" wird wieder die etwas härtere Schiene gefahren und auch mal etwas Western-Flair mit eingebaut, bevor mit der Akustik-Ballade "After your Heart" Kuschelzeit angesagt ist.
Etwas aus der Art schlägt der Song "Albatross", der jedoch zu einer der eingängigsten des Albums zählt. Trotz zäh schleppendem Tempo ist es ein Leichtes, die Hooklines zu verinnerlichen und nach kürzester Zeit mitzusingen.
Kernig und erdig wird bei "Jimmy and George" schon mal der Fuzzer im Grenzbereich betrieben und verleiht dem walzenden Rocker eine besondere Gitarrenlastigkeit mit leichtem Southern-Flair.
Nach sechs langsamen bzw. Mid-Tempo-Songs bietet "Rack of Greed" endlich wieder flotten undgeschliffenen Hard Rock, der sofort zum Abfeiern einlädt.
Und wer jetzt denkt, das wars bis zum Ende, den wird das recht rau gesungene "Love Inspector" in Verzückung geraten lassen. Trotz gebremstem Tempo drückt der Song tierisch (Kuhglocken lassen grüßen) nach vorne. Hier erreicht man schon fast Kiss-Niveau, wenn Paul Stanley mal einen guten Tag erwischt hat. Etwas weniger rau, aber nicht weniger druckvoll gibt es mit "Joy Ride" kurz vor Schluss noch einen Nachschlag.
Besinnlich mit melancholischem Unterton beschließt "Wooden Shoe" ein klasse Album und überrascht mit einem aufgefeilten kanonartigen Gesang, den man seit dem Abtreten von Savatage und Queen leider immer seltener zu hören bekommt.

Fazit: Auch wenn bereits eine halbe Ewigkeit seit den damaligen Aktiviäten der Trios vergangen sind, so hat es sich voll gelohnt, nun endlich Nägeln mit Köpfen zu produzieren. Der besondere Charme dieses Debüts liegt vor allem in seiner natürlichen und kantigen Art, wie man es in AOR-Bereich ansonsten nicht gewohnt ist. Der Spagat, die Tugenden des traditionellen Hard Rocks mit dem kommerziell ausgerichteten AOR zu verbinden, ist hier 100%ig aufgegangen und ich hoffe, dass es nicht bei diesem Debüt bleiben wird. AOR-Fans werden sich dabei eher mit der ersten und Hard Rock-Liebhaber mit der zweiten Album-Hälfte anfreunden, schätze ich.

Tipp:
 Hard Rock- und AOR-Fans bekommen hier gleichermaßen abwechslungsreiches Material in teils noch ungeschliffener Verpackung geliefert.

Titel-Liste:
 
  1. Out in outer Space
  2. Nothing but the Sun
  3. Your Revolution
  4. Dead Stung
  5. After your Heart
  6. Albatross
  7. Jimmy and George
  8. Rack of Greed
  9. Love Inspector
  10. Joy Ride
  11. Wooden Shoe

Laufzeit:
 43:39 Min.

Probehören und Kaufen:
Blackwood Creek: Blackwood Creek

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