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Review: Blind Melon
 
FOR MY FRIENDS

Album:
 FOR MY FRIENDS, 2009, Ear Music

Stil:
 Psychedelic Rock, Alternative Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 09.10.2009

Review:
 Eigentlich war doch Schicht im Schacht bei den US-amerikanischen Psychedelic Alternative Rockern von Blind Melon, als Sänger Shannon Hoon 1995 verstarb. Jetzt 14 Jahre später kommt nun ein neues Studioalbum auf den deutschen Markt, das bereits in zweierlei Hinsicht schon wieder Geschichte ist. Erstens erschien es in den U.S.A. bereits letztes Jahr und zweitens hat der Nachfolger am Mikro, Travis Warren, die Band schon wieder verlassen. Eigentlich schade, denn seine Stimme kommt oder besser kam dem viel zu früh verstorbenen Frontmanns Shannon sehr nahe.
Mit dem vorliegenden Album FOR MY FRIENDS will man an alte Erfolge anknüpfen. Das erste Studioalbum verkaufte sich wie geschnitten Brot und wurde immerhin mit viermal Platin gekührt. Diesen Erfolg wird das "aktuelle" Album wohl nicht erreichen, darf aber auch nicht als schnöder Abklatsch von Vergangenem angesehen werden.
Der neue Sänger Travis Warren hat es verstanden, den Songs einen ganz eigenen und sehr intensiven Stempel aufzudrücken. Aber es sind vor allem die beiden Gitarristen, die den Rocksongs Leben einhauchen und dabei eine unglaubliche Bandbreite beackern. Mal ist es Funk, mal etwas Soul, mal ein guter Schuss Psychedelic oder nötige rockende Härte, egal ob balladesk und sanft oder locker nach vorne galoppierend, die Soli sind in jedem Fall ein Genuss. Einige der Songs verdienen es deshalb etwas genauer getestet zu werden.

Der Opener und gleichzeitige Titel-Track "For my Friends" sorgt schon einmal für einen standesgemäßen und ruhigen Start. Die dominate Stimme von Travis ist dabei ebenso einprägsam, wie die dezenten Countrystyle Gitarren und der melodische Refrain mir choraler Unterstützung.
Mit etwas mehr Schmackes pflügen Blind Melon bei "With the Right set of Eyes" ihre psychedelischen Ambitionen in die Gehörgänge, ohne dabei die Sache so ausufernd zu betreiben, wie bei manchen Psychedelic-Bands usus zu sein scheint.
Zurücklehnen und Wohlfühlen kann man sich bei "Wishing Well" mit seinem Akustik-Intro, das mit gesundem Tempo eine durchaus lebhafte Fortsetzung erfährt. Wenig Psychedelic, aber dafür mehr Alternative...
Noch mehr Retro bekommt man mit "Sometimes" geboten, das sich mit seinen warmen Orgelklängen sofort einen Platz im Wohlfühlzentrum erobert. Vergleicht man "Sometimes" mit dem Opener, wird einem erst die stimmliche Vielfalt von Travis klar.
Abwechslungsreich und rockig, so lässt sich Down on the Pharmacy am besten umschreiben. Von gehaucht, bis überdreht, von rockenden Beats, bis hin zu abgedrehten Soli, wird hier so einiges geboten.
Eine fröhliche Tralala-Attitüde begleitet den stellenweise flott galoppierenden Song "Make a Difference", während sich Last Laugh schnell als hart rockender Wolf im zunächst sanft verpackten Schafspelz erausstellt.
Immer wieder hörenswert, ein klassischer Start mit Akustikgitarren, wie bei "So high", die kurz darauf das Zepter an die E-Fraktion übergeben. Ganz im Geiste der amerikanischen Liedermacher, kann der Song locker mir Bon Jovi, Bryan Adams oder Robin Beck mithalten, wenn auch hier eindeutiger der Spirit der 60er und 70er versprüht wird.
So sanft, wie das Album begonnen hatte, endet es mit der schmachtenden Ballade "Cheetum Street", die von dezent bis intensiv dafür sorgt, dass sich auch das letzte Gänsehaut-Härchen aufstellt. Kein Zweifel, hier muss noch einmal ein Durchlauf her, will man die vielen Akzente und Facetten wirklich erkennen.

Fazit: Wirklich schade, dass dieses Album schon wieder ein Teil der Geschichte geworden ist, die wohl in dieser Form keine Fortsetzung finden wird. Auch wenn die guten alten 60er und 70er schon eine Weile zurück liegen, so ist es immer wieder eine Freude, wenn sich Bands von Heute die Aufgabe ernst nehmen, das Erbe der Vergangenheit ein Stück weit zu erhalten. Einzig und alleine etwas mehr Spritzigkeit hätte ich mir an manche Stellen gewünscht, aber das ist wohl auch Geschmacksache.

Tipp:
 Für Blind Melon Fans der ersten Tage ein "Must have", aber auch sonst, sollten Indie Freunde ein Ohr riskieren.

Titel-Liste:
 
  1. For my Friends
  2. With the Right set of Eyes
  3. Wishing Well
  4. Sometimes
  5. Tumblin' down
  6. Down on the Pharmacy
  7. Make a Difference
  8. Harmful Belly
  9. Last Laugh
  10. Hypnotized
  11. Father Time
  12. So high
  13. Cheetum Street

Laufzeit:
 50:28 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/blindmelon 

  • Probehören und Kaufen:
    Blind Melon: FOR MY FRIENDS

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