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Review: Bonafide |
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Album:
| | SOMETHING'S DRIPPING, 2009, Black Lodge |
Stil:
Wertung:
| |  6 von 7 Punkten | | C.L., 09.03.2010 |
Review:
| | Bei Hard Rock aus Schweden denkt man unwillkürlich an das vermeintliche One-Hit-Wonder Europe mit "Final Countdown" oder den berühmten Ritchie Blackmore-Epigonen Yngwie Malmsteen. Doch das kleine Land im Norden Europas ist auch bekannt für eine recht aktive und kreative Metal-Community. Ich erinnere da nur an Gruppen wie Talisman, Eclipse, ganz aktuell W.E.T. oder den recht umtriebigen Produzenten Tommy Denander mit seinem Radioactive-Projekt. Aus diesem Umfeld rekrutieren sich auch die Mitglieder von Bonafide, die ihre langjährigen Erfahrungen in das vorliegende zweite Album einfließen ließen.
Kopf des Ganzen ist dabei der ehemalige Jason & The Scorchers-Schlagzeuger Pontus Snibb, der sich für Gitarre und Gesang verantwortlich zeichnet. Er hatte sich bisher recht erfolgreich in der heimischen Musikszene bewegt und traf dort auf den Bassisten Michael Nilsson, wodurch sich bei beiden der Wunsch im Gehirn festsetzte, doch eine bluesorientierte Rockband zu gründen, die die guten alten Wurzeln des Rock 'n' Roll wiederaufleben lässt. Gesagt, getan, die beiden Künstler aus Malmö suchten sich noch Verstärkung, und so stießen sie auf Drummer Sticky Bomb und den alten Hasen Mikael Fässberg an der Klampfe (u.a. Paul Di'Anno, Manny Charlton). 2007 erblickte dann das Baby dieses vielversprechenden Quartetts das Licht der Welt und man konnte mit dem gleichnamigen BONAFIDE in der Fachpresse für Furore sorgen. Deshalb durften alle Fans von gepflegtem Aussie-Rock recht gespannt darauf sein, was diese hier in Deutschland immer noch ziemlich unbekannten Nordlichter beim Nachfolger so auf die Beine gestellt haben.
Der Opener kommt gleich so richtig schmutzig 'rüber, denn "Dirt Bound" geht gleich richtig gut los in bester AC/DC-Manier. Das schnörkellose Uptempo-Stück ganz im Stile der weltberühmten Vorbilder ist so erquickend für das nach neuem Stoff lechzende Hardrocker-Ohr, dass man es einfach schmerzlich auf dem BLACK ICE-Album von Angus Young & Co. vermisst.
Daran anschließend gibt es gleich wieder einen mächtigen Tritt in den Hintern. Die Jungs bleiben kein bisschen leise, sondern machen mit "Hard livin' Man" konsequent mit einer schnellen Abgeh-Nummer weiter. Erdiger Rock 'n' Roll mit der richtigen Schippe Dreck, aber unheimlich modern eingespielt, so als hätte Mutt Lange die Band mal kurz beim Einspielen der Tonspuren besucht. Producer Chips Kiesbye (The Hellacopters, The Nomads, Millencollin) bewies hier schon ein recht glückliches Händchen.
Kein Zweifel, welcher Einfluss bei Pontus Snibb & Co. Pate stand, denn "No Doubt about it" bleibt bei der eingeschlagenen hohen Geschwindigkeit und rockt wie Sau, dass man hier schon das Gefühl hat, dass diese Truppe die BLACK ICE gnadenlos in den Schatten stellt. Der Bonafide-Shouter klingt dabei nicht nach einer schnöden Bon Scott/Brian Johnson-Kopie, sondern hat ein recht eigenständiges Organ, dass noch einen Schuss Glenn Hughes bzw. Todd Plant (Millenium) verpasst bekommen hat.
Auch bei "Straight Shooters" bleibt der Vierer ein harter Brocken, an dem sich die aktuelle AC/DC-Scheibe gehörig die Zähne ausbeißt. Er setzt weiter auf amtlich fett bratende Gitarren und gibt weiterhin Vollgas. Wie der Name schon sagt, geht es auch hier wieder einfach schnur geradeaus ohne viel Kinkerlitzchen. Genial dann auch die Hookline, wo kurz auf das Bremspedal getreten wird und es langsamer zugeht, aber die dann unausweichlich in den Lauschern hängenbleibt. Normalerweise mag ich von meiner alten Lieblingsband eher den Midtempo-Bereich, aber an dieser Stelle muss ich doch sagen, dass unsere Recken einen wirklich sehr guten Job machen. Interessant und gelungen gleichermaßen auch der Gastauftritt von Landsfrau Mia Coldheart, ihres Zeichens Sängerin bei der Heavy Metal-Girlie-Formation Crucified Barbara.
"Elvis Chapel Blues" ist dann ein Titel, bei dem einfach alles passt, ein reinrassiges Atzedatze-Sahneteil im 4/4-Takt. Bonafide spielen wie aus einem Guss, und für mich jetzt schon das absolute Highlight dieser CD, keine Frage. Macht einfach süchtig und kommt sofort in die Dauerwiederholung am Player. Hier kann sich der ungekrönte King des Rock 'n' Roll wirklich hochgeehrt fühlen.
Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch diese Produktion, denn auch bei "Fill your Head with Rock" gibt's die typischen fetten Männer-Backgroundchöre von den Altmeistern aus Down Under. Man fühlt sich bei diesem Groove wirklich heimisch, denn auch dies wieder ein schöner flotter Drive im fünften Gang, und gerade hier werden wieder sehr schön ein paar kleine Zitate des großen Bruders eingestreut. Die zurückgenommene Bridge glänzt mit einem Solo im Stile von Old Man Angus, und es gibt wirklich nichts Schöneres, als sich seinen Kopf mit dieser genialen Mucke vollzustopfen.
Bonafide sind nicht gerade auf den Hund gekommen, im Gegenteil, mit "Dog" kommt gleich der nächste Partyknaller daher und ich frage mich schon, woher nehmen die nicht mehr ganz taufrischen Rocker bloß diese Energie? So hätte BLACK ICE klingen müssen, dann klappt's auch mit der Hardrocknachbarin. Ganz witzig auch das kurze Hundegebell am Anfang, das man meines Wissens bei unseren australischen Helden nicht auf Platte findet.
Mit "A Shot of you" wird es textlich nicht mehr so ganz jugendfrei, aber da stehen sie ihren Idolen eben in nichts nach. Leider ist der Track nicht mehr ganz so knackig wie der "Elvis Chapel Blues", aber dafür stimmen trotzdem die eingesetzten Zutaten wieder.
"Butter you Up" bleibt thematisch bei zwischenmenschlichen Beziehungen und ihren diversen Schlüpfrigkeiten, und es wird wieder kräftig Fahrt aufgenommen von unseren nordeuropäischen Schwermetall-Spießgesellen. Aber kann leider nicht mehr so recht an die erste Hälfte der CD anknüpfen von der Hörbarkeit, eher eine weitere schwächere Aufnahme.
Beim vorletzten Take schwant einem nichts Böses, sondern man ist bei "Swan Song" versucht, den Lautstärkeregler auf Kosten der Nachbarschaftlichkeit voll aufzudrehen, denn dieser startet wieder richtig durch und macht einfach nur gute Laune.
Krönender tempogeladener Abschluss dann "Sicker than I think", denn Bonafides harter Bluesrock macht nicht krank, ganz im Gegenteil. Hier wird der Patient wieder richtig gesund, denn der vorliegende Sound bringt einen altgedienten AC/DC-Fan hervorragend durch den Tag. Das schön zitierte Lick der Wikinger-Gitarrenfraktion ist eine gelungene Verbeugung vor der Lebensleistung von "Gleichstrom/Wechselstrom".
Fazit: Bona fide bedeutet so viel wie "in gutem Glauben" bzw. "gutgläubig". Und genau auf diese Weise kann man den vorliegenden Tonträger ansehen, denn es ist sein Geld allemal wert. Die alten Schweden zelebrieren hier einen schmutzigen Rock 'n' Roll, der sich wirklich gewaschen hat. Die moderne Produktion dieser Scheibe bemerkt man gar nicht, denn die Sache wird hier genau richtig geerdet und vereinfacht, wie man sie von den riesengroßen australischen Übervätern so gewohnt ist. Klingt frisch wie vom Hamburger Fischmarkt und enthält deutlich mehr Uptempo-Nummern als bei Malcolm Young & Konsorten.
Die Mannen aus dem IKEA-Ländle haben sicherlich das Rad nicht neu erfunden, präsentieren sich hier aber auch nicht wie ein billiger AC/DC-Klon, sondern geben dem Genre eine ganz eigene Note. Vor allem für das immer schwierige verflixte zweite Album muss man ihnen Respekt zollen, denn das Kunststück gelingt nicht jedem. Nämlich nach dem aufsehenerregenden Debüt mal ganz schnell einen nachzulegen, wenn der Schatten doch so groß ist. Wer die volle Bedienung mit ordentlich Speed sucht, ist mit SOMETHING'S DRIPPING genau richtig. Für mich eine echte Alternative zu den AC/DC-Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre.
Ein kleiner Wermutstropfen allerdings die Spielzeit von gerade mal 42 Minuten, aber die haben es dafür wirklich in sich. |
Anspieltipps:
| | "Elvis Chapel Blues", "Straight Shooters", "Dirt Bound" |
Tipp:
| | Wer mit dem AC/DC Opus BLACK ICE unzufrieden war, weil man da - wenn auch zugegebenermaßen sehr geschickt - einfach Versatzstücke aus "Hells Bells", "For Those About To Rock" und "Highway To Hell" zusammengemixt hat, der sollte neben den doch schon deutlich in die Jahre gekommenen Bonafide auch mal dem Nachwuchs eine Chance geben. Dazu zählen u.a. Airbourne und Wolfmother aus Australien, The Answer aus Großbritannien und Silvertide aus Amiland. Auch für Guns 'n' Roses-Fans eine echte Empfehlung, für die wohl in der Mehrzahl CHINESE DEMOCRACY eine faustdicke Enttäuschung gewesen sein dürfte. Und natürlich ist auch das Debütalbum von Bonafide allemal ein Antesten wert.
Sollte jemand aber auf Altbewährtes und Erfahrenes setzen, dann wären demjenigen noch Combos wie Jackyl, Rhino Bucket und ganz aktuell Krokus' HOODOO in der Urbesetzung wärmstens an's Herz zu legen. |
Titel-Liste:
| | - Dirt Bound
- Hard livin' Man
- No Doubt about it
- Straight Shooters
- Elvis Chapel Blues
- Fill your Head with Rock
- Dog
- A Shot of you
- Butter you up
- Swan Song
- Sicker than I think
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.bonafiderocks.com  |
Probehören und Kaufen:
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