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Review: Cancer Bats
 
HAIL DESTROYER

Album:
 HAIL DESTROYER, 2008, Distort Entertainment

Stil:
 Hardcore, Metalcore

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 M.K., 14.05.2008

Review:
 Die kanadischen Cancer Bats haben sich in den letzten Monaten im Studio verschanzt, um mit HAIL DESTROYER den Nachfolger des gut zwei Jahre alten Debütalbums BIRTHING THE GIANT einzuspielen. Irgendwo zwischen Hardcore Punk, Metalcore und einem Schuss Southern Metal hat das Quartett ordentlich Spaß und ihre Nische gefunden. Im Mai 2008 erschien HAIL DESTROYER auch hierzulande. Grund genug, den immer fleißig tourenden Kanadiern mal ihre neueste Scheibe abzunehmen und zu testen:

Los geht es mit dem Titelsong, "Hail Destroyer" und einem dreckig gespielten Riff. Ordentlich Druck wird hier mit dem Einsatz von Drums und Bass hinzugefügt, bis Sänger Liam Cormier mit seinen klar geschrienen Vocals hinzukommt. Im Refrain setzt sich das Ganze wunderbar im Gehörgang fest, auch live sollte das Stück als Einstimmung auf den Rest gut funktionieren. Drei Minuten und siebzehn Sekunden wird hier auf den Punkt gegroovt. Zwischenzeitlich wird in der Bridge noch etwas Tempo rausgenommen, dies hält jedoch nur kurzzeitig an und die Krebsfledermäuse rocken im Opener ordentlich nach vorne.
Noch eine Spur schneller und treibender knallt "Harem of Scorpions" aus meinen Boxen. Als Gast steht hier Rise Against-Sänger Tim McIlrath am Mikrofon. Eine gut funktionierende Kombination, auch wenn Tim keine seiner Ohrwurmgesangslinien einbringen konnte. Das Stück dauert keine drei Minuten, rockt aber trotzdem jeden Freund der Band in Grund und Boden. Melodischer HC-Punk wie man ihn gerne hat.
Ruhiger mit Drumming von Mike Peters startet der Vierer in "Deathsmarch", das sich als wunderbarer Ohrwurm entpuppt und im Refrain auch über Gangshouts verfügt. Alexisonfire-Mitglied/Sänger/Gitarrist Wade MacNeil ist hier als Gast mit von der Partie. "Deathsmarch" bleibt im Mid-Tempo und ist ein mitbrüllbarer Stampfer geworden, der über eine melodische Bridge verfügt.
"Regret" nennt sich das vierte Lied. Das Drumming am Beginn erinnert an Billy Talent's "Red Flag", wird dann durch einen Southern Metal-Riff ergänzt. Billy Talent werden im weiteren Verlauf des Reviews noch eine Rolle spielen. Aber "Regret" bekommen die Cancer Bats auch alleine hin und das ziemlich gut. Die treibenden Drums stellen das Fundament für einen energetischen Song dar, der grade zum Ende hin ordentlich Tempo zulegt und richtig gut Arsch tritt.
Wieder etwas ruhiger und mit einer Spur mehr Groove geht es in "Bastard's Waltz" zu. Man kann mit dem Kopf gut mitnicken und die persönlichen Lyrics von Cormier mitsingen, während Gitarrist Scott Middleton seine walzenden Riffs fabriziert. Grade der Chorus kommt durch die gewisse Dichte und Schwere gut herüber. Ein kurzes Gitarrensolo folgt nach dem zweiten Refrain, danach ist Zeit für die Bridge und für einen weiteren Durchlauf eben jenen Refrains. Kurz danach ist Sense.
Richtig aufs Gas drücken die Cancer Bats beim sechsten Stück auf HAIL DESTROYER, der sich "Sorceress" nennt und verspielt, brutal und hektisch auf einmal wirkt aber dennoch richtig Spaß macht. Man sieht es quasi vor dem geistigen Auge wie das Publikum bei diesem Gottsong durchdreht. Die heftigen Riffs im Chorus erinnern an System of a Down, viele Tempowechsel und ein Solo gibt es in der kurzen Zeit von knapp zwei Minuten ebenfalls zu bestaunen.
Nach dem kurzen Song folgt mit 4:20 Minuten Länge "Lucifer's rocking Chair", das längste Lied auf HAIL DESTROYER. Ähnlich wie der Titelsong beginnt auch dieses Stück mit einem schweren Riff, dem sich Bass und Drums anschließen, bis dann Fronter Liam einsetzt. Luzifers rockender Stuhl stellt sich als ein langsam stampfendes Stück heraus, das zum Kopfnicken einläd. Die Bridge im zweiten Teil wird hauptsachlich von den Drums und Viersaiter gestellt, ein paar Vocals gesellen sich hinzu und dann wird einem Gitarrensolo Platz eingeräumt, bis es mit dem gehabten Rhythmus weiter geht.
"Let it pour" ist um einiges kürzer und schneller, hier gibt es wieder voll auf die Zwölf von den vier Kanadiern. Ein treibender Riff und die kratzige Stimme Liam's dominieren die Anfangsphase, im Refrain wird dann noch eine Schüppe drauf gelegt. Man fackelt also nicht lange und gibt ordentlich Stoff mit einem knackigen Song, der in weniger als drei Minuten durch die Boxen knattert und einfach nur Spaß macht. Auf Gedönse wie Soli oder herausragende Gesangsleistungen wird verzichtet, hier regiert der HC-Punk.
Wie erwähnt spielen Billy Talent noch eine Rolle: Deren Sänger Benjamin Kowalewicz ist als Gastsänger bei "Smiling Politely" dabei und dürfte sich wundern: Wird doch hier die Gitarre viel tiefer gestimmt als bei seiner Hauptband. Aber auch seine hohe Stimme passt gut zu den schweren Riffs der Cancer Bats sowie zum rauen Organ des etatmäßigen Sängers. Vier Minuten lang gibt es hier einen brutalen Brocken zu verdauern, der sich als einer der besten Songs auf HAIL DESTROYER herausstellt. Und dies liegt nicht am Talent-Hype.
Nun folgt das kürzeste Lied auf dem zweiten Studioalbum der Band, das neunzig Sekunden lange "Pray for Darkness" und ja, hier wird geballert. Wo andere Bands ein ruhiges Interlude einschieben prügeln sich die Cancer Bats durch ein stark punkbeeinflusstes Stück, in dem selbst kurze Gitarrensoli noch Platz finden. Läuft.
Das vorletzte Lied auf HAIL DESTROYER nennt sich "PMA 'Til I'm DOA" und ist wieder stark durch Southern Rock beeinflusst. Auch Gangshouts kommen wieder zum Einsatz. Die kanadischen Hobbyrednecks präsentieren hier einen gelungenen Querschnitt ihrer musikalischen Bandbreite, der durch Abwechslung glänzt.
Mit der Pulp Fiction-Hommage ""Zed's dead, Baby"" geht das Album dem Ende zu. Das Stück ist wieder im ordentlich flotten Tempo gehalten und bereitet dem geneigten Hörer Spaß, denn die Cancer Bats zocken hier wieder ihre Ohrwurmgarantie-Riffs, die mit dem Schreigesang von Liam kombiniert werden. Viele Tempowechsel garantieren auch zum Ende von HAIL DESTROYER noch einmal Abwechslung, man darf sich also nicht beschweren.

Fazit: HAIL DESTROYER rockt dermaßen, dass man sich schon beherrschen muss nicht aufzustehen und durch die Wohnung zu moshen. Die Southern Metal-Riffs, kombiniert mit melodischem Hardcorepunk und dem wütenden Schreigesang sowie persönlichen Lyrics stellen eine explosive Mischung dar, was vor allem in den kurzen Songs zum Vorschein kommt.
Noch dazu klingt die Produktion von Eric Ratz, Kenny Loung und Greg Below, die auch für Bands wie Billy Talent, Theory of a Dead Man oder Alexisonfire tätig waren, einfach nur gut und unverbraucht. Die Cancer Bats haben es geschafft, Lust auf eins ihrer Konzerte zu machen und mit den drei Gastsängern noch gescheite Leute ins Studio gezerrt. Sie haben ihr Debüt eindeutig übertroffen und...ach, genug des Lobes, hört selber rein, es lohnt sich!

Anspieltipps:
 "Hail Destroyer", "Deathsmarch", "Sorceress", "Pray for Darkness" sowie das Duett mit Ben von Billy Talent.

Titel-Liste:
 
  1. Hail Destroyer
  2. Harem of Scorpions
  3. Deathsmarch
  4. Regret
  5. Bastard's Waltz
  6. Sorceress
  7. Lucifer's rocking Chair
  8. Let it pour
  9. Smiling Politely
  10. Pray for Darkness
  11. PMA 'Til I'm DOA
  12. "Zed's dead, Baby"

Laufzeit:
 37:58 Min.

Band-Infos:
 
  • www.cancerbats.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Cancer Bats: HAIL DESTROYER

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