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Review: Carcass
 
NECROTICISM-DESCANTING THE INSALUBRIOUS

Album:
 NECROTICISM-DESCANTING THE INSALUBRIOUS, 1991, Earache

Stil:
 Grindcore/Death Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 S.J., 02.05.2008

Review:
 Carcass, die Briten mit frühem Faible für Pathologie, menschliche Organe und postmortale Sauereien, sind zuletzt besonders mit der Bestätigung ihrer Reunion wieder in's Metal-Interesse gerückt. Viele nennen sie als die Erfinder des Grindcore, und schenkt man den ersten beiden Alben REEK OF PUTREFACTION und SYMPHONIES OF SICKNESS Gehör, so lässt sich das zunächst auch erstmal bestätigen. Auch wenn die Band später angab, nie bewusst etwas Neues angestrebt zu haben und dieses auch höchstens unbewusst mitentwickelt zu haben, so fallen doch einige Neuerungen auf.

Was daraufhin folgte, war eine zunehmende kommerzielle Ausrichtung der Band, hin in Richtung Melodic Death Metal. Ob man nun tatsächlich mehr Geld- oder einfach etwas anderes machen wollte, sei dahingestellt. Was Michael Amott unter dem Namen Arch Enemy nach seinem Austritt aus der Band 1993 fabrizierte, sollte den meisten Lesern ein Begriff sein.
Dennoch widmen wir uns nun mal dem dritten Album von Carcass, das auf den nicht unkomplizierten Titel NECROTICISM-DESCANTING THE INSALUBRIOUS hört. Es ist der Übergang von den grindenden Anfangswerken zum melodischen Death Metal, wie er zwei Jahre später auf HEARTWORK präsentiert wurde.

"Inpropagation" leitet das Album mit seinen über sieben Minuten Spielzeit nach kurzem Intro ein. Es folgen fette, groovende Riffs und Bill Steers unverkennbares Stimmorgan. Man fängt nicht gleich mit dem Rumpeln an, sondern beschränkt sich zunächst auf eingängige Riffs. Natürlich gewinnt das Ganze auch zunehmend an Fahrt, aber gerade die stampfenden Riffs sind es, die den Song so mitreißend lassen werden. Immer wieder mit einigen Leads versehen wird "Inpropagation" auch die gesamte Spielzeit über nicht langweilig.
"Corporal Jigsore Quandary" setzt da gleich noch einen drauf. Ein vertracktes, in sich gedrehtes Hauptriff welches perfekt von der Double-Bass und einem mörderischen Groove abgelöst wird.
"Prepare to die.." lauten die letzten Worte des Intros zu "Symphosium of Sickness". Der Song klingt natürlich dementsprechend nicht nach einem Helloween-Cover sondern fährt wuchtige, tief gestimmte Gitarren auf. Wenn der Song nach knapp zwei ein halb Minuten mit dem diesmal Schlagzeug unterlegten Eingangsriff explodiert, gibt's kein halten mehr. Klasse!
Auch "Pedigree Butchery" wird mit kurzem Intro eingeleitet. Natürlich schlägt der Song in genau die selbe Kerbe wie die anderen zuvor. Ohne an Intensität zu verlieren hält er das Niveau ohne Probleme.
Mein persönlicher Favorit des Albums ist aber "Incarnated solvent abuse". Gnadenlose Dissonanzen zu Beginn, ein herrlich stampfiges Riff im Anschluss samt Bridge, da ist Headbangen einfach Pflichtprogramm.
Klar, dass "Carneous Coffiny" da nicht ganz mithalten kann. Ein Ausfall ist es dennoch nicht.
Ganz im Stile der Vorgänger wird hier agiert, und das macht auch nach mehr als einer halben Stunde Album Laufzeit immer noch eine Menge Spaß.
Für "Lavaging Expectorate of Lysergide Composition" muss ich erstmal ein Wörterbuch zu Rate ziehen. Auch Leo Online kann mir nicht weiterhelfen, und so komme ich über eine magenspülende Expektoration einer "lsysergiden" Zusammensetzung nicht hinaus. Was soll's, der Song dauert "nur" vier Minuten und großartig neues gibt es im Rahmen dieses Reviews auch nicht darüber zu berichten.
Letzter Track des Albums ist schließlich "Forensic Clinicism/The Sanguine Article". Leider handelt es sich bei dem Song mit weiteren sieben Minuten Spielzeit um keinen neuen Höhepunkt des Albums. Hörbar ist er allerdings ohne weiteres, und so lässt sich auf NECROTICISM-DESCANTING THE INSALUBRIOUS kein Fehltritt verbuchen.

Fazit: Carcass' drittes Album ist nicht nur richtungsweisend für die zukünftige Ausrichtung der Band gewesen, sondern auch in sich ein durchweg gelungenes Album das ohne durchgängiges Geknüppel beste, brutale Songs vorweisen kann und auch nach dem x.ten Mal hören nicht langweilig wird. Wer mehr davon möchte, dem seien als Carcass-Einsteiger neben dem HEARTWORK Album auch die 2004 veröffentlichte CHOICE CUTS Best-of nahegelegt.

Anspieltipps:
 "Incarnated solvent abuse", "Corporal Jigsore Quandary"

Titel-Liste:
 
  1. Inpropagation
  2. Corporal Jigsore Quandary
  3. Symphosium of Sickness
  4. Pedigree Butchery
  5. Incarnated solvent abuse
  6. Carneous Coffiny
  7. Lavaging Expectorate of Lysergide Composition
  8. Forensic Clinicism/The Sanguine Article

Laufzeit:
 48:07 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/carcass 

  • Probehören und Kaufen:
    Carcass: NECROTICISM-DESCANTING THE INSALUBRIOUS

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