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Review: Natalie Chandra
 
SINEATER

Album:
 SINEATER, 2008, SUISA

Stil:
 Melodic Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 24.05.2008

Review:
 Es muss nicht immer Power Metal mit Kopfstimmen-Gekreische sein oder Death Metal mit Growls, die so tief präsentiert werden, dass sie schon am Boden schleifen. Manchmal ist es durchaus angenehm auch eine weibliche Stimme im Rock und Metal-Bereich anzutreffen. Was eignet sich dabei besser, als gefühlvoller Melodic Rock mit einem gesunden Maß an Härte?
Genau das dachten sich auch die Schweizer der Band Natalie Chandra, die damit deutlich mit den landestypischen Traditionen brechen. Dass sich solch ein Bruch auch ab und zu auszahlt, wird schon nach wenigen Songs des Debüts SINEATER deutlich.
Mit der Ausnahmestimme der Frontfrau Natalie und einem routinierten Stab an Instrumentalisten (u.a. war Drummer Lorenzo bereits für U.D.O. tätig) im Rücken, sollte es doch ein leichtes sein, Songwriting gekonnt in Szene zu setzen, um Fans für sich zu begeistern.

Die ersten Riffs des Openers "Masochistic you" mögen etwas an Led Zeppelin erinnern, jedoch ist hier ist keine Retro-Band am Werk. Schon nach wenigen Riffs wird klar, Natalie Chandra ist der Star der Truppe und man hat ihr den Song auf den Leib geschrieben. Eine dominante Basslinie unterstützt sie zu Beginn, bevor sie dann gänzlich die Kontrolle mit ihrer variablen Stimme an sich reißt. E-Gitarren und die Rhythmusfraktion sorgen lediglich für den nötigen Druck und eine erfrischende Härte, ohne der Stimme der Frontfrau zu nahe zu kommen.
Alternative Rock-Klänge und dezente Bass-Klänge lassen den doch recht flotten Rocker "Involuntary Apathy" ziemlich sanft starten. Diesmal ist mehr Gefühl gefragt und Natalie meistert auch diese Herausforderung prima. Die Tempoverschärfung beim Refrain sorgen dafür, dass man sich nicht nur gerne erinnert, sondern auch kaum den Kopf still halten kann.
Noch eine Spur ruhiger aber dafür mit voller Intensität "Daisies" singt und haucht sich die Sängerin durch die Strophen. Die Hooklines sind wahre Ohrwürmer und tun ihr übriges auch diesen Song in angenehmer Erinnerung zu behalten.
Für "Awkward" hat man wieder mehr Wert auf Härte gelegt. Ganz im Stil bekannter Brit-Rock-Bands ist diesmal der treibende Rhythmus der Hauptdarsteller. Doch war wäre die Musik ohne Chandras Stimme. Von gefühlvoller Kuschel-Attitüde bis hin zu ausdrucksstarkem Refrain kann sie einmal mehr ihre Flexibilität beweisen.
Mit etwas Abstand zum bisherigen Ohrenschmeichler Rock agiert die Band bei "Save me". Eines der wenigen Songs, wo die Gitarren auch anteilsmäßig der Frontfrau ebenbürtig erscheinen.
Zu den langsam vorgetragenen Songs gehört "Mother", jedoch nicht zu verwechseln mit Danzigs "Mother". Trotzdem gibt es Parallelen, wenn auch nicht musikalisch, so tragen/trugen beide ihre Lieder mit einer markanten Leidenschaft vor. Genau das ist es auch, was einen gut Song auszeichnet, denn viel zu oft wird heutzutage nur noch emotionslos herunter geleiert oder rücksichtslos heraus gebrüllt. Akzente wie hier, trifft man leider nur noch selten an.
Kurz vor dem Einläuten der Schlussrunde lässt man "Bitch in Fun" vom Stapel um nochmal so richtig abzurocken. Natalie lässt die Rock-Bitch von der Leine und macht auch damit eine recht gute Figur.
"Violent Thoughts", der letzte Song des Albums ist mehr ein Alternative Rocker und überzeugt mit jeder Menge Abwechslung. Hier wechseln ruhige Hooklines mit druckvollen, gitarrendoninierten Zwischespurts und die Frontfrau wird einmal mehr gefordert, dem musikalischen Wechselspiel stilgerecht zu folgen. Wenn "Violent Thoughts" auch nicht als Ohrenschmeichler durchgeht, so ist er doch eines der abwechslungsreichsten Stücke des Albums und damit für den Schlussakt eine gute Wahl.

Was schon vorbei? Nun ja, mit etwas mehr als 38 Minuten ist das Debüt leider etwas kurz ausgefallen. Oder liegt es nur daran, dass ich durchaus gegen ein paar Songs mehr nicht einzuwenden gehabt hätte? Dann bleibt mir eben nur ein Neustart...
Zumindest eines ist nun klar geworden, die Jungs um Natalie wissen, was sie an ihrer Frontfrau haben. Clever genug haben sie deshalb alles getan, diese Stärken herauszuarbeiten, anstatt gitarrenverliebte Macho-Nummern abzuziehen.

Fazit: Die Schweizer liefern mit SINEATER ein klasse Debüt ab, dass einfach nach einer Fortsetzung lechzt. Bis dahin müssen die etwas knapp bemessenen Minuten Melodic Rock genügen, die auch nach mehreren Durchläufen kaum Abnutzungserscheinungen zeigen. Maßgeblich dafür verantwortlich ist dabei die markante Stimme der Frontfrau, die zu jeder Zeit punktgenau die richtige Dosis an Intensität, Gefühl aber auch Zurückhaltung findet. Für mich persönlich gibt es kaum Schlimmeres als penetrantes Dauergekeife von Möchtegern-Sängerinnnen gepaart mit eigentlich gefälliger Rock- oder Metal-Musik. Umso erfreulicher, dass manche erst dann ein Album auf die Musikliebhaber loslassen, wenn es auch den Ausdruck "Album" verdient. Jetzt bin ich nur gespannt, ob es die Schweizer schaffen, trotz Traditionsbewußtsein im eigenen Land zu punkten. Wenn nicht, dann denkt auch an die Nachbarn im Nordosten - einen Fan habt ihr hier schon.

Anspieltipps:
 "Masochistic you", "Daisies", "Mother", "Bitch in Fun" und natürlich "Violent Thoughts".

Tipp:
 Wer auf modernen und stiloffenen Melodic Rock mit markanten Frauenstimmen steht, der kann hier schnell süchtig werden. Probehören ist jedoch angesagt, denn eine Stimme mögen oder nicht, ist eine recht persönliche Angelegenheit.

Titel-Liste:
 
  1. Masochistic you
  2. Involuntary Apathy
  3. Daisies
  4. Awkward
  5. Jaded
  6. Save me
  7. Stupid Boy
  8. Mother
  9. Bitch in Fun
  10. Violent Thoughts

Laufzeit:
 38:12 Min.

Band-Infos:
 
  • www.nataliechandra.ch 

  • Probehören und Kaufen:
    Natalie Chandra: SINEATER

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