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Review: The Codex
 
THE CODEX

Album:
 THE CODEX, 2007, Frontiers

Stil:
 Melodic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 S.M., 01.11.2007

Review:
 Immer häufiger starten rennomierte Musiker Solo-Projekte, um in Punkto Songwriting und Kompositionen ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und nach ihren Maßstäben und Vorstellungen umzusetzen. The Codex nennt sich solch ein neues Metal-Projekt, dass von Sänger Mark Boals (Yngwie Malmsteen, Ring Of Fire) in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Gitarren-Zauberer Magnus Karlsson (Starbreaker, Allen/Lande) ins Leben gerufen wurde. Die beiden scharrten noch Drummer Daniel Flores und Bassist Linus Abrahamson um sich und machten sich frisch ans Werk.
Das Ergebnis liegt uns nun in Form des selbstbetitelten Debüt-Albums vor. Die vorgegebene Marschrichtung des Quartetts wird als Melodic Metal angegeben.

Mit äußerst melodischer Lead-Gitarreneinleitung haut "Beyond the Dark" dann auch gleich einwandfrei in diese Melodic Metal-Kerbe. Der Song wird dann im Stile einer Halbballade aufgebaut, um mit einem Hammerrefrain aufzuwarten. Sofort fällt Mark Boals geniale Stimme ins Gewicht, die gleichzeitig unheimlich kraft- wie gefühlvoll klingt und auf fast unnachahmliche Weise den Ton halten kann. Zum Ende des Tracks darf Magnus Karlsson noch ein Lead-Solo zum besten geben, um bei "Raise your Hands" gleich wieder mit einem sehr gelungenen Intro zu glänzen. Auch dieses Stück wird mit sich steigerndem Tempo und Gitarrenuntermalung aufgebaut, knallt dem Hörer dann wieder einen Ohrwurmrefrain in die Gehörgänge, geht in eine ruhigere Phase über, um sich danach erneut zum Höhepunkt hin zu steigern. Das obligatorische Solo hat kräftige Drum-Begleitung.
"Toxic Kiss" wird durch eine tiefergestimmte Gitarre eingeleitet, in die eine recht schrille Lead-Melodie einfällt. Die Geschwindigkeit wird diesmal deutlich angezogen, das Stück wirkt wesentlich rockiger. Leider auch teilweise ein wenig unstruktuiert und wirr. Obgleich Boals versucht, den Refrain auf dem Niveau der vorhergehenden Songs zu halten, gerät der Gesang durch die dominierenden Gitarren in den Hintergrund.
Mit "Bring down the Moon" kehrt man dann wieder auf der Melodic-Schiene zurück. Mit interessanter Bass- und Drumsbegleitung wird der Track wieder ruhig aufgebaut, später steigt die Leadgitarre ein und führt die Hookline zielgenau auf den Höhepunkt.
Als Halbballade kommt "Running out of Hate" und bringt uns leichte Ähnlichkeiten zum Opener. Alles in allem hat der Song aber nicht dessen Klasse, doch der Refrain schmeichelt in Punkto Harmonie wieder gekonnt dem Gehörsinn.
Das Keyboardintro zu "Dream Makers" lässt einem tatsächlich einen Moment träumen, doch die Leadgitarre weckt den Hörer durch ihren Einstieg dann ziemlich abrupt. Dann folgt ein langsamer, balladenhafter Aufbau durch die Rhythmustruppe. Im Chorus stellt Boals schließlich wieder das einzigartige Timbre seines Organs unter Beweis. Melodische Solo-Einlagen von Gitarre und Keyboard runden die Stimmung perfekt ab.
Streichertöne und Klavier leiten eine weitere Halbballade ein. "Whole again" beginnt sehr ruhig, wird aber mit Annäherung an den Höhepunkt immer intensiver und druckvoller mit Klavier- und mehrstimmiger Gitarrenbegleitung. Der Chorus kann genauso überzeugen, wie in vorhergehenden Tracks, was nicht zuletzt an Boals toller Gesangsleitung liegt. Zum Ausklang hin dürfen dann auch nochmal die Streicher ran. Dieses Arrangement drückt dem Song im Albumvergleich eine deutliche Eigenständigkeit auf.
Und im nächsten Stück geht es ähnlich weiter, nur sind es hier Orgeltöne, die das Intro schmücken. Danach übernehmen melodische Gitarrentöne und eine antreibende Rhythmusgruppe bei "Mistress of Death" das Kommando. Der Refrain kann ausnahmsweise mal nicht voll überzeugen, dafür aber die begleitenden Licks. Im Ausklang bekommen wir noch Glockengeleut serviert.
"Mystery" beginnt auch mit mysteriösem Touch, erzeugt durch Keyboard und Lead-Gitarre. Danach folgt der bekannte ruhig-rhythmische Aufbau mit Piano-Untermalung. Der Refrain hat einen etwas zu hohen Schnulzfaktor und passt eigentlich besser in den Pop-Bereich. Ein schrilles Solo holt den Hörer aber alsbald wieder aus seinen Tagträumen, was The Codex an dieser Stelle wohl auch beabsichtigen. Und zum Ende hin werden die ruhige und die hektische, durch die Gitarre erzeugte Stimmung, ganz passabel miteinander kombiniert.
Trotz wuchtiger Gitarren- und Drums-Einleitung entwickelt sich "Prisoner" im Stile einer Halb-Ballade. Es wechseln ruhige, akustische Harmonien mit druckvollen und dynamischen Passagen ab, was dem Song einen progressiven Touch verleiht. Der Refrain ist im Melodic Rock-Stil angesiedelt. Ein choraler Zwischenpart mit breitem Keyboardteppich wirkt sehr nachhaltig und wird von einem Lead-Solo abgelöst, bevor der Refrain gegen Songausklang nochmal ausgereizt wird und eine gängige Keyboardmelodie schließlich ausfadet. Trotz oder vielleicht gerade wegen der häufigen Wechsel ein sehr hörenswerter Track.
Melodic Metal im wahren Sinne der Bezeichnung bringt uns bei "You can have it all" die tolle Vermischung von harten Riffs und Ohrwurmmelodie zurück. Leider ist das Lead-Solo nicht nur zu lang, sondern verdirbt durch die schrille Spielweise ein wenig den bis dato erschaffenen Einklang. Aber lassen wir Herrn Karlsson sich auch mal ein wenig austoben.
In "Garden of Grief" kehren noch einmal die Streicher und das Klavier zurück. Dann folgt mit rhythmischem Groove und Keyboarduntermalung ein ruhiger Strom, der schließlich in den Höhepunkt einer Melodic Metal-Ballade mündet. In einem ausgeprägten instrumentalen Mittelteil dürfen nicht nur die Lead-Gitarre, sondern auch Streicher und Keyboard noch einmal brillieren.

Fazit: Nicht alles, das auf THE CODEX glänzt, ist Gold. Für meinen Geschmack reitet man zuviel auf Balladen und Halb-Balladen rum. Ich hätte mir das ein oder andere Stück mit etwas mehr Power und Dynamik gewünscht. Stilistisch bewegt sich der Melodic Metal am Rande zu Melodic Hard Rock und allein die Riffs verhindern, dass man bisweilen in Richtung Melodic Rock abdriftet. Die Scheibe hat ultra-stark begonnen, konnte den Standard aber nicht durchweg halten. Doch kann ich - vor allen Dingen unter Berücksichtigung, dass es sich um das Debüt der zusammengewürfelten Truppe handelt - den Gesamteindruck durchaus als positiv bezeichnen. Von den Musikern stechen Marc Boals durch seine gesangliche Meisterleistung und Magnus Karlsson durch sein vielseitiges Gitarren- und Keyboardspiel heraus.
Ich würde mir wünschen, dass die vier Schweden in Zukunft ihren Melodic Metal doch mit ein paar heavieren Anleihen kredenzen. Es würde sicherlich noch einen Ticken mehr Abwechslung in die Musik einbringen.

Anspieltipp:
 "Beyond the Dark", "Raise your Hands", "Dream Maker" und "Prisoner"

Tipp:
 Wer sich Melodic Metal wünscht, der vielleicht noch eine Ecke melodischer ist als Domain oder Axxis, liegt hier genau richtig.

Titel-Liste:
 
  1. Beyond the Dark
  2. Raise your Hands
  3. Toxic Kiss
  4. Bring down the Moon
  5. Running out of Hate
  6. Dream Makers
  7. Whole again
  8. Mistress of Death
  9. Mystery
  10. Prisoner
  11. You can have it all
  12. Garden of Grief

Laufzeit:
 69:13 Min.


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