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Review: Cold Truth
 
DO WHATCHA DO

Album:
 DO WHATCHA DO, 2009, Eigenvertrieb

Stil:
 Classic Rock, Boogie Rock, Southern Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 21.06.2009

Review:
 Die Musiker des amerikanischen Quartetts Cold Truth aus Murfreesboro in Tennessee haben sich bereits jahrelang ihre Sporen in Nashville verdienen können. Die Stadt gilt nicht nur als Zentrum der Country-Musik und wird deshalb auch "Music City USA" genannt, sondern dient als Heimat für jede Menge Studios (RCA), Musik-Verlage oder der Gitarrenfirma Gibson Guitar Corporation.
In diesem Umfeld sollte es also an Inspirationen nicht mangeln. Trotzdem liegt das meist nur Insidern bekannte Debüt COLD TRUTH der Band bereits sechs Jahre zurück. Damals konnte es glänzende Kritiken verbuchen und dementsprechend hoch sind die Erwartungen an den Nachfolger DO WHATCHA DO. Glücklicherweise kann die Band mit vier erstklassigen Musikern glänzen, allen voran Gitarrist und Frontmann Thane Shearon, der nicht nur stimmlich der Truppe seinen charakteristischen Stempel auf drückt, sondern gemeinsam mit Gitarrenkollegen Kurt Menck geniales Songwriting produziert. Unterstützt von der Rhythmus-Fraktion mit Abe White am Langsaiter und Matt Green hinter dem Schlagzeug, steht dem 70er-Jahre geprägten meist staubtrocken in Szene gesetzten klassischen Rock nichts mehr im Wege. Warum es dann doch sechs Jahre gedauert hat, erklärt Matt Green damit, dass man keinen Label-Vertrag besitze und alles in Eigenregie erledigt habe. Lediglich über TSM Promotions versuche man nun eine Tour zu organisieren und auch einen Abstecher nach Europa vorzusehen.

Schon gleich zu Beginn fällt der angenehm raue und stellenweise auch recht rohe Klang auf, der für europäische Ohren eventuell eine Spur mehr Fülle vertragen hätte. Nichtsdestotrotz zeigt bereits der Opener "Cold as Hell" die Qualitäten und das feine Händchen für griffige Melodien mit Dauerwirkung. Dabei ist der Aufwand überschaubar. Geradezu oberlässig zieht man ein Riff bis zur Songmitte durch, bevor es sich fast unmerklich ändert, um nach coolem Gitarren-Solo gegen Ende wieder zum Ursprung zurück zu kehren. Hier fällt es schwer, sich die Band schweißnass schuftend auf der Bühne vorzustellen. Da kommen mir eher Bilder von gemütlichen Sesseln auf einer schattigen Veranda in den Sinn. Selten passt dabei das Cover-Artwork so gut zum Album, wie hier.
Deutlich flotter geht man bei "Diesel" zu Werke, das besonders im Mittelteil glänzen kann. Tempoforciertes Break alleine dominiert von Abes Bass bringt mächtig Druck in die Sache und hinterlässt ein freudiges Grinsen im Gesicht des Zuhörers.
Nach klassischem Start gibt es mit "If that ain't enough" die ersten Überraschungen. Am Ende eines längeren Auftakt-Riffs fällt sofort die weibliche Background-Begleitung namens Nancy Roark auf und mit dezenten Slide-Guitar folgt die nächste faustdicke Überraschung. Nach etwas Recherche stößt man dabei auf einen Herren namens Ed King, der hier die Slides zaubert und für alle Lynyrd Skynyrd-Fans aus Anfangstagen kein Unbekannter sein sollte.
Etwas Boogie gefällig? Ja? Ok, dann kommt "Gimme some" ganz recht und liefert mit seinen zwei gegenläufigen Rhythmus-Gitarren die richtige Partystimmung frei Haus.
Wieder etwas "Slide" gefällig? Der nächste Up-Tempo-Song mit klassisch amerikanischem On-the Road-Feeling "Set me free" und dezentem AC/DC-Gitarren-Flair schafft sogleich Abhilfe und glänzt nicht nur mit einem interessanten etwas temporeduzierten Break, sondern auch mit einem kurzen Zitat an Robert Clark "Bob" Seger (Travelin' Man lässt grüßen).
Klar es folgt nicht AC/DCs "Hells Bells", denn dazu fehlen die "Big Bells". Die sanfte Basslinie und verhaltenen Gitarren lassen das ruhig anklingende "Peace With Me" jedoch zumindest mit diesem Unterton starten. Was folgt, ist moderner blueslastiger Rock, der einfach nur Wohlgefühl hinterlässt.
Dominanter Bass ist der stetige Begleiter des nachfolgenden gesund rockenden "Shakedown", bei dem sich nicht zuletzt besonders Thane Shearon mit markanter Stimme Gehör verschaffen kann, bevor das Gitarren-Solo für kurze Zeit eindeutig das Zepter übernimmt.
Es gibt aber auch Entspannungsparts wie "Whisper to me" mit unvergleichlicher Southern Rock-Attitüde oder die geniale Schlussrunde "Light my Way", die voll auf Gefühl und Intensität setzen ohne dabei in Klischees abzurutschen.

Fazit: Cold Truth haben mit ihrem neuen Werk DO WHATCHA DO bewiesen, dass sie mit ihrem Debüt keine Eintagsfliege abgeliefert haben. Die Songwiter Shearon/Menck verstehen ihr Geschäft und haben einen untrügerischen Sinn für eingängige, griffige Riffs mit hohem Melodie-Faktor. Und obwohl viele Songs recht lässig und kompakt daher kommen, stecken die Qualitäten in den Details. Ähnlich wie bei AC/DC ist hier oftmals weniger mehr. Dazu gehört neben der spielerischen und gesanglichen Leistung das Gespür für die richtige Länge der 13 Songs.
Nicht zuletzt die lobenden Äußerungen und das persönliche Engagement von Ed King könnte für Cold Truth eine rosige Zukunft bedeuten, wenn sie denn als würdige Nachfolger der legendären Lynyrd Skynyrd angepriesen werden. Verdient hätten sie es allemal.

Tipp:
 Wer abwechslungsreichen Classic Rock Marke Bad Company und Lynyrd Skynyrd mag, wird von der Mischung aus Boogie, Hard Rock und einer Prise Blues sicherlich nicht enttäuscht werden. Egal ob Gartenparty oder gemütlich den Sonnenuntergang auf dem Balkon genießen, Cold Truth sollte nicht fehlen.

Titel-Liste:
 
  1. Cold as Hell
  2. Diesel
  3. If that ain't enough
  4. Gimme some
  5. Set me free
  6. Peace with me
  7. Shakedown
  8. Together
  9. This Time
  10. Finding the Way
  11. Whisper to me
  12. Payin Dues
  13. Light my Way

Laufzeit:
 54:38 Min.

Band-Infos:
 
  • www.coldtruth.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Cold Truth: DO WHATCHA DO

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