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Review: Colosseum |
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Album:
| | CHAPTER 2: NUMQUAM, 2009, Firebox |
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | V.R., 27.07.2010 |
Review:
| | Funeral Doom-Alben haben meist ein Problem: Bei aller Finsternis sind sie oft auch ziemlich abwechslungsarm und werden dadurch schnell langweilig. Wie es besser geht, haben Bands wie Ahab bewiesen, die durchaus Variationen in ihrer abgrundtief dunklen Musik unterbringen. Doch auch Ahab ist nicht das Maß aller Dinge. Eine finnische Band namens Colosseum, die mit den gleichnamigen Jazz-Rockern nichts zu tun hat, konnte schon 2008 viel Aufmerksamkeit erregen, da sie mit ihrem Debüt CHAPTER 1: DELIRIUM ein für Funeral Doom-Verhältnisse sehr abwechslungsreiches Album abgeliefert hatten. Das Besondere an dem Album waren die ständig variierenden Keyboardmelodien. Das erste Kapitel ist inzwischen abgeschlossen, und 2009 wurde mit dem Album CHAPTER 2: NUMQUAM das zweite Kapitel aufgeschlagen. So viel vorweg: Die Platte ist noch eine ganze Ecke besser geworden als das Debüt.
Relativ harmlos fällt der Beginn des Albums aus. Ein paar wabernde Keyboards werden nach und nach von sanften, leicht düsteren Gitarrenklängen unterlegt. Aber schon nach einer knappen Minute zeigt der Song "Numquam" sein wahres dunkles Gesicht. Ein Schlagzeug im Zeitlupentempo trifft auf tiefergestimmte Gitarrenriffs und extrem finsteren Grunzgesang. Über allem liegen die Keyboards, die mit depressiven und sehr abwechslungsreichen Melodien für eine ganz besondere Stimmung sorgen. So kann man sich einen tongewordenen Todeskampf vorstellen, an dessen Ende nur die Niederlage und damit der Tod stehen kann.
Falls jetzt jemand Hoffnung schöpft, dass am Ende des Tunnels doch noch ein Licht auftaucht, dann wird er schon beim nächsten Titel "Towards the Infinite" bitter enttäuscht werden. Alle anderen werden sich nur zu gerne in dieser extrem hochklassigen musikalischen Qual suhlen. Nein, hier gibt es keine Erlösung, sondern nur finsterste Einsamkeit und unendliche Seelenqual. Wer zu Depressionen neigt, sollte die CD spätestens jetzt ausschalten.
Auch beim dritten Stück "Demons swarm by my Side" wird das bisherige Erfolgsrezept konsequent fortgesetzt, mit dem einzigen Unterschied, dass das Tempo etwas angezogen wird. Aber keine Angst, mit Uptempo oder gar Blastbeats hat das hier nichts zu tun, wir befinden uns lediglich im Geschwindigkeitsbereich des klassischen Doom Metals. Ansonsten wird man auch hier sofort von der zutiefst traurigen Stimmung gepackt, die wieder besonders von den finsteren Keyboardmelodien profitiert. So und nicht anders stelle ich mir gelungenen Keyboardeinsatz vor: Stimmung erzeugen, ohne dabei die eigentliche Musik zuzukleistern.
Zu Beginn von "The River" dürfen die Keyboards eine kleine Pause einlegen. Eine Akustikgitarre ist es hier, die für die traurige Stimmung sorgt. Kurze Zeit später setzen aber auch die anderen Instrumente ein und umschmeicheln den Hörer mit ihren dunklen Melodien. Insbesondere im Hintergrund schwelende Pianoklänge sorgen hier für Atmosphäre. Unglaublich, wie vielschichtig diese Band agiert und dabei trotzdem zu 100 Prozent nach Funeral Doom klingt.
Für eine Überraschung dürfte "Narcosis" sorgen, denn es kommt erst mal ohne tiefergestimmte E-Gitarren aus. Den freigewordenen Raum nimmt eine Akustikgitarre überzeugend ein. Erst nach zwei Minuten dröhnen dann auch die metallischen Klampfen wieder los, und das auf gewohnt rabenschwarze Art und Weise. Für den nächsten Weltuntergang sollte CHAPTER 2: NUMQUAM schon abspielbereit im CD-Spieler liegen.
Wem das bis jetzt alles immer noch zu hektisch war, der wird sich über "Prosperity" freuen. Hier spielen Colosseum derart langsam und schleppend, dass man vermuten könnte, dass sich der Drummer zwischen den einzelnen Beats locker die Pulsadern aufschneiden könnte. Wer bis hierhin noch gelacht hat, den wird spätestens jetzt die absolute Finsternis empfangen. Besonders gegen Ende des über elf Minuten langen Titels, wenn die schweren Keyboardmelodien vollends die Überhand gewinnen.
Noch düsterer ist nur noch das "Outro", das ausschließlich aus surrealen Klangkollagen besteht und den Hörer endgültig in die Abgründe des Nichts stürzt.
Fazit: CHAPTER 2: NUMQUAM ist wirklich ein absolut geniales Werk. Wer auf extrem finstere Musik steht, mit Funeral Doom wegen der weit verbreiteten Eintönigkeit aber nicht viel anfangen kann, der sollte unbedingt mal in dieses Album reinhören. Abwechslungsreicher kann man eine per Definition eigentlich monotone Musikrichtung kaum umsetzen. Was Colosseum auf ihrem zweiten Werk abgeliefert haben, das bekommt man nicht alle Tage zu hören. Das ist besonders den düsteren Keyboards zu verdanken, die nicht immer und immer wieder die gleiche Melodie rezitieren, sondern eine gute Portion Abwechslung ins musikalische Trauerspiel bringen. Das ist wirklich Weltuntergangsmusik vom Allerfeinsten. Da sich die Band im Vergleich zum Debüt ordentlich steigern konnte, bin ich schon sehr auf das dritte Kapitel gespannt. |
Anspieltipps:
| | Keinen, da man das Album am Stück wirken lassen muss. |
Tipp:
| | Wer Ahab und Shape of Despair zu seinen Favoriten zählt, dem wird auch Colosseum sehr gefallen. |
Titel-Liste:
| | - Numquam
- Towards the Infinite
- Demons swarm by my Side
- The River
- Narcosis
- Prosperity
- Outro
|
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.colosseumdoom.com  |
Probehören und Kaufen:
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