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Review: Alex Conti
 
RETROSPECTIVE 1974-2010

Album:
 RETROSPECTIVE 1974-2010, 2011, MIG

Stil:
 Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 M.A., 31.12.2011

Review:
 Aber sonst geht es Ihnen hoffentlich noch ganz gut oder, Herr Chefredakteur? Was für ein Paket flattert mir denn hier bitteschön ins Haus? Eine drei Silberlinge umfassende Retrospektive des 1952 als Kind eines Opernsänger-Ehepaares in Berlin geborenen Gitarristen und Songwriters Alex Conti!!! So weit, so gut!

Da ich annehme, dass der Name Alex Conti nur den absoluten Insidern (zu denen ich mich hier leider nicht zählen kann) etwas sagen dürfte, hier in Kürze die wichtigsten biographischen Eckdaten: Geboren – wie schon erwähnt – 1952 in Berlin, 1969 Abbruch der schulischen und Start der musikalischen Laufbahn in der Berliner Blues-Formation Curly Curve, 1973 Umsiedlung nach England, 1974 Einstieg bei Atlantis, 1975 Einstieg bei Lake, 1980 Trennung von Lake und Auszeit zwecks Drogenentzug, 1981 Start der Solokarriere, ab 1985 diverse musikalische Stationen und Kollaborationen, u.a. mit Elephant, Rosebud, Herwig Mitteregger (Ex-Spliff-Mastermind), Rockship (mit Inga Rumpf (Ex-Frumpy)), 2003 Neugründung von Lake mit neuem Album und Tourneen, zuletzt 2010.

Nun zur Musik, die dankenswerterweise chronologisch auf den drei Scheiben angeordnet wurde. Mit Blick auf die Fülle der Songs richte ich mein Hauptaugenmerk auf die jeweiligen Karrierestationen von Conti mit den entsprechenden musikalischen Stilrichtungen.

Los geht es mit dem bluesigen Melodic-Rock von Atlantis, bei denen Conti im Jahre 1974 einsteigt. Im gleichen Jahr erscheint das von Dieter Dierks (u.a. Scorpions) produzierte Album OOH BABY bei Polydor. Vom Stil her erinnert die Musik von Atlantis u.a. an Aerosmith und Bad Company. Aufgrund des großen Erfolgs folgt eine Tournee in den U.S.A. mit Aerosmith und Lynyrd Skynyrd. Angeblich bietet der legendäre Ronny van Zant Alex Conti während dieser Tournee an, als Ersatz für den aus gesundheitlichen Gründen geschassten Ed King bei den Southern-Rock-Heroen einzusteigen. Im gleichen Jahr gründet Conti sodann gemeinsam mit Uli Salm und Erich Doll die deutsche Rock n’ Roll-Legende Rudolf Rock und die Schocker (die hier Gott sei’s gedankt nur mit einem Song, nämlich dem eingedeutschten Elvis-Cover "Teddybär" vertreten sind) um im Herbst des gleichen Jahres bei den Krautrockern Lake einzusteigen, denen hier vier Songs gewidmet wurden. Lake bewegen sich mit ihrem bluesigen Classic Rock stilistisch im Dunstkreis von Lynyrd Skynyrd. Es folgt also im Jahr 1976 das Album LAKE und eine Europa-Tournee mit Wishbone Ash. Als nächstes wird Contis Zusammenarbeit mit der Formation Salt III Rechnung getragen, die stilistisch am ehesten mit Boston, Toto und Steely Dan vergleichbar ist. Den Abschluss der ersten Scheibe bilden sodann vier Songs vom ersten Soloalbum Contis aus dem Jahr 1981, das perfekt produzierten und arrangierten Melodic-Rock aus Deutschland zu bieten hat.

Der zweite Silberling widmet sich zunächst Contis zweiter Soloarbeit CONTINUED aus dem Jahr 1984, der man die Zeit ihrer Entstehung in Gestalt des synthetischen 80’ies-Sounds auch anhört. Auf diesem Werk geht Conti überraschend funky zur Sache, mit Rock hat dies nur noch bedingt zu tun. CONTINUED bietet eher disco-kompatiblen Pop, der jedoch handwerklich gut gemacht ist, vom etwas tuntig daherkommenden und dünnen Gesang mal abgesehen. Insgesamt wirken die Songs allerdings etwas überproduziert. Einen erneuten Stilwechsel vollzieht Conti im Jahr 1985 durch die Zusammenarbeit mit der Formation Elephant, die musikalisch stark an The Police erinnert, nachzuhören auf insgesamt vier Songs. Umso rockiger wird es mit den folgenden Werken, die mit der von Conti im Jahr 1989 gegründeten Band Rosebud entstanden sind. Heavy-Rock, der schön straight nach vorn geht und richtig Spaß macht. Und es bleibt abwechslungsreich. Mit der Band Electric Ballroom gibt Conti u.a. den lateinamerikanischen Rhythmen eine Chance. Santana light, Geschmackssache!! Den Ausklang des zweiten Silberlings beschreitet man mit zwei Songs des Projektes Rockship aus dem Jahr 1996, gemeinsam mit der Ex-Frumpy-Sängerin Inga Rumpf. Musikalisch wird hier erstklassiger Power-Hardrock geboten, der einfach nur schön druckvoll nach vorn geht und keine Gefangenen macht. Hier regieren die fetten Riffs und sonst niemand.

Womit wir auch schon bei der dritten und letzten Scheibe angekommen wären. Und man beginnt, wie man auf der 2. Scheibe aufgehört hat. Mit Rockship, also fetten Riffs und purem Druck. Erstklassig!!! Dann ist es endlich Zeit für den guten alten Blues mit der Hamburg Blues Band, der Conti sich bereits im Jahr 1994 angeschlossen hatte. Geniale Musiker und formidable Kompositionen, die mit gehörigem Drive dargeboten werden, wovon man sich bei insgesamt drei Live-Songs selbst überzeugen kann. In die gleiche Kerbe hauen die Projekte Berlin Blues aus dem Jahr 2000 (jedoch erst im Jahre 2008 veröffentlicht) und Rorymania, letzteres Projekt im Jahr 2006 u.a. mit Henrik Freischlader aus der Taufe gehoben. Da kann man nur genüsslich mit der Zunge schnalzen. Es folgt mit Kaleidoskopia ein weiteres bluesinspiriertes Projekt, das musikalisch sicherlich die feinste Arbeit von Conti darstellt und vereinzelt jazzige Töne präsentiert. Conti goes Miles Davis!!! Den Abschluss von Silberling Nr. 3 bildet die bislang letzte Studioarbeit Contis, das Instrumentalalbum SHETA, feinste Entspannungsmusik, wieder einmal hervorragend gespielt und interpretiert!!!

Zu guter Letzt bleibt mir daher auch nur noch zu sagen, dass Geschichtsunterricht selten so viel Spaß gemacht hat!

Fazit: RETROSPECTIVE 1974-2010 ist in jedem Fall eine überaus gelungene und abwechslungsreiche Sammlung des überaus versierten, umtriebigen und vielseitigen Gitarristen und Songwriters Alex Conti. Ob Krautrock, Mainstream-Rock, Melodic Power-Hardrock, Bluesrock, Instrumental-Musik, Jazz etc.: Alex Conti ist auf jedem Gebiet firm und versteht es, seinen prägnanten und doch gleichzeitig unaufdringlichen Stil in den Dienst der Musik zu stellen. Sympathisch!!!

Für die betagteren Musikliebhaber unter uns, die mit dem Namen Alex Conti auf Anhieb etwas anfangen können, sei diese mit zahlreichen unveröffentlichten Studio- und Liveaufnahmen sowie einem ansprechend gestalteten Booklet ausgestattete Werkschau in jedem Fall wärmstens ans Herz gelegt. Aber auch den etwas jüngeren Vertretern, die mit einem gesunden rockmusikhistorischen Bewusstsein durch die (Musik-) Welt schreiten, sollte dieses Triple anspruchsvoller und abwechslungsreicher (deutscher) Rockmusik der letzten vier Dekaden in jedem Fall eine Investition wert sein.

Anspieltipps:
 Erspare ich mir mit Blick auf die stolze Anzahl von 42 Tracks an dieser Stelle. Man kann die 3 Silberlinge getrost durchlaufen lassen, großartige Ausfälle sind hier nicht zu verzeichnen.

Titel-Liste:
 
    CD1:
  1. Atlantis: Ooh Baby
  2. Atlantis: Son of a Bitch’s Son
  3. Atlantis: Godfather
  4. Atlantis: Rock me Baby
  5. Rudolf Rock & Die Schocker: Teddybär
  6. Lake: Down the Middle
  7. Lake: Lost by the Wayside
  8. Lake: Chasing Colours
  9. Lake: Red Lake
  10. Salt III: Dreams
  11. Salt III: Fire
  12. Salt III: Talk to me, Baby
  13. Conti: Nights on the Highway
  14. Conti: Waterprotected
  15. Conti: You’re a Monster
  16. Conti: Take me as I am
    CD2:
  1. Cntinued: Under Arrest
  2. Continued: Better Things to do
  3. Continued: The Way it’s gonna be
  4. Elephant: Sayonara
  5. Elephant: Harvest fort he World
  6. Elephant: You drive me crazy
  7. Elephant: Addicted to Love
  8. Rosebud: My Baby – Your Baby
  9. Rosebud: Dynamite
  10. Rosebud: White Noise Boogie
  11. Rosebud: Keep Smiling
  12. Electric Ballroom: You’ve seen it all
  13. Electric Ballroom: Over under Sideways down
  14. Electric Ballroom: Wanna be your Mate
  15. Rockship: Down to the Wire
  16. Rockship: From The Sky
    CD3:
  1. Rockship: Main Attraction
  2. Hamburg Blues Band: Love me or leave me
  3. Hamburg Blues Band: Make my Day
  4. Hamburg Blues Band: Woza N Azu
  5. Berlin Blues: Till your loving makes me Blue
  6. Rorymania: Too Much Alcohol
  7. Kaleidoskopia: Art is
  8. Kaleidoskopia: The Sea
  9. Kaleidoskopia: Spectral Voyager
  10. Shetar: Bei mir bis Du schön

Laufzeit:
 CD1: 72:19 Min./CD2: 75:19 Min./CD3: 76:56 Min.

Band-Infos:
 
  • www.alexconti.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Alex Conti: RETROSPECTIVE 1974-2010

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