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Review: Alice Cooper
 
ALONG CAME A SPIDER

Album:
 ALONG CAME A SPIDER, 2008, Steamhammer

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 31.07.2008

Review:
 Unermüdlich produziert der gebürtige Detroiter-Schock-Rocker Alice Cooper seit seinem Debüt PRETTIES FOR YOU von 1969 Album um Album. Nach den beiden letzten Werken THE EYES OF ALICE COOPER und DIRTY DIAMONDS, wo er sich eindeutig zu seinen Garage-Rock Wurzeln besonnen hatte, verfolgt der Neuling diesmal zusätzlich wieder ein Konzept, wie es z.B. auch THE LAST TEMPTATION tat. Diesmal hat sich Alice Cooper des Massenmörders Spider angenommen, der neben seiner Leidenschaft für Spinnen seinen Opfern auch gleich mal das Bein amputiert hatte. Eigentlich eine perfekte Hintergrund-Geschichte für den Meister schockierender Bühnenshows.

Für das Album hat er sich erneut namhafte Hilfe geordert. Als Einziger vom Vorgängeralbum blieb Bassist Chuck Garric im Line-Up. Diesmal sitzt der Kiss-Drummer Eric Singer am Schlagzeug und an den Gitarren teilen sich Jason Hook und Keri Kelli den Job.

Nach kurzem gesprochenen "Prologue" beginnt auch gleich der Opener "I know where you live". Etwas arg dumpf bewegt sich der Song eindeutig auf der Garage Rock-Schiene. Verzerrter Gesang wechselt mit cleanem Gesang. Trotz melodischer Hooklines und groovenden Rhythmen, fehlt jedoch der gewisse zündende Funke. Auch der Refrain klingt irgendwie zu künstlich und nicht organisch eingebettet.
Der langsame Rocker "Vengeance is mine" gehört zur Garde typischer Alice Cooper-Songs. Die Grundstimmung ist düster, die Gitarren jaulen und der Frontmann sorgt stimmlich für Gänsehaut. Klar, dass auch ein Break mit anschließendem Gitarren-Part nicht fehlen darf.
"Wake the Dead" kann man als Experiment bezeichnen und erinnert mit seinen extrem verzerrten Gitarren und der etwas eigenwilligen Hookline mit dominantem Bass an einen Bastard aus Industrial Danzig und Psychedelic Ozzy. Alles im allem jedoch mehr mäßig als wirklich überzeugend.
So richtig rockig geht bei "Catch me if you can" die Post ab. Extrem verzerrte Gitarren und treibendes Drumming sorgen dabei für den nötigen Groove. Es gelingt zum ersten Mal etwas vom Spirit der Alben wie TRASH wiederzubeleben. Aber auch Erinnerungen an das rockende "Be my Lover" von 1971 werden wieder lebendig und unterstreichen damit den Retro-Charakter des Albums.
Etwas abgefahren präsentiert sich "(In Touch with) Your female Side" mit seinem walzenden Mid-Tempo-Rhythmus. Man gewinnt den Eindruck, dass das Album nach 15 Minuten Aufwärmphase langsam Fahrt aufnimmt. Leider endet der Song etwas überraschend und wirkt damit irgendwie unvollständig.
Die Ballade "Killed by Love" setzt voll auf Gefühl und dezent arrangierte Instrumente. Wer sich nicht an dem allzu übertriebenen "Back to the roots"-Style stört, wird sicherlich seine wahre Freude an diesem leicht melancholischen Kuschel-Song haben. Und mit etwas Glück ist dies auch ein heißer Anwärter für "Air-Play".
Das einfach gestrickte "I'm hungry" vereint viele Markenzeichen des Gruselmeisters, sei es das rhythmische Klatschen im Background, die "Wuh-hu-hu's" des Chors oder auch die unverkennbaren Rock'n'Roll-Anleihen. Auch wenn wann vergeblich auf das gewisse Etwas wartet, so kann mühelos mitgeklatscht und gerockt werden.
Deutlich moderner ist das folgende "The One that got away" ausgestaltet und punktet mit zwingendem Groove und Ohrwurm-Feeling. Selbst der eingebaute männliche/weibliche Dialog reduziert nur unwesentlich das gefühlte Tempo.
Diesmal sind es nicht Akustik-Gitarren sondern Klavierklänge, die das balladeske "Salvation" richtig in Szene setzen. Es bleibt jedoch nicht bei der anfangs sparsamen Instrumentalisierung. Besonders der Refrain kommt mit Doppelrahm-Stufe druckvoll aus den Boxen. Im Gegensatz zum exzellenten Gitarrenspiel klingen die orchestralen Synthieklänge leider allzu billig und erinnern mehr an Casio-Home-Orgel als an Korg-Bühnen-Technik.
Den Schlusspunkt setzt "I am the Spider". Hier wurde, trotz gewisser Intensität jedoch versäumt, dem Song den richtig zündenden Rock-Funken zu verpassen und das Album auch wirklich fulminant abzuschließen. Erneut wurde eine Chance vertan, voll zu punkten. Was nach dem "Epilogue" bleibt, ist der Eindruck, dass das Album nach ein paar Sessions mehr Ausgestaltung bei Songwriting wirklich super hätte werden können.

Fazit: Schon nach wenigen Augenblicken ist klar, Alice Cooper hat ganz tief in der eigenen Old-School-Schublade gewühlt und ein erdiges Album geschaffen, welches der Werken der 70er sehr nahe kommt. Aber offensichtlich hat Alice Cooper bei all seiner Liebe zur Story etwas aus den Augen verloren, dass es sich um ein Musik-Album und nicht um ein Hörbuch handelt. Ähnlich wie bei der neuen Judas Priest NOSTRADAMUS ist nicht die Geschichte nur Mittel zum Zweck, sondern eher umgekehrt.
Anders wie bei WELCOME TO MY NIGHTMARE oder TRASH habe ich ein paar Durchläufe gebraucht, bis ich mit dem neuen Werk wirklich warm geworden bin. Die Intensität der "Langsamkeit" vermittelt durchaus an vielen Stellen eine angenehme Gruselstimmung, jedoch mit gesundem Abrocken wie anno 1971-73 hat dies nicht viel zu tun.
Trotz aller guten Momente bleibt für mich auch nach mehreren Runden im Player ein leicht bitterer Nachgeschmack - leider.

Anspieltipps:
 "I know where you live", "Catch me if you can" und "Killed by Love".

Tipp:
 Besonders Fans der Old-School-Area werden hier ihre Freude haben und sich an einem gelungenen Konzept laben können.

Titel-Liste:
 
  1. Prologue/I know where you live
  2. Vengeance is mine
  3. Wake the Dead
  4. Catch me if you can
  5. (In Touch with) Your female Side
  6. Wrapped in Silk
  7. Killed by Love
  8. I'm hungry
  9. The One that got away
  10. Salvation
  11. I am the Spider/Epilogue

Laufzeit:
 44:22 Min.

Probehören und Kaufen:
Alice Cooper: ALONG CAME A SPIDER

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