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Review: Coronatus
 
FABULA MAGNA

Album:
 FABULA MAGNA, 2009, Massacre

Stil:
 Gothic Metal, Folk Metal

Wertung:
 3,5 von 7
3,5 von 7 Punkten
 J.G., 17.12.2009

Review:
 Gab es 2007 für das Debüt LUX NOCTIS noch einen gewissen Newcomer-Bonus, so musste sich der Nachfolger PORTA OBSCURA mit der vorherrschenden Realität messen lassen. Zumindest für mich fiel damals die Kritik ziemlich ernüchternd aus, von Euphorie keine Spur. Jetzt juckte es mich natürlich wieder in den Fingern, dem mittlerweile dritten Werk FABULA MAGNA auf den Leib zu rücken. Tja, bei Gothic scheiden sich oftmals die Geister und was für den einen die geniale Fortführung bekannter Themen sein mag, ist für den anderen lediglich ein farbloser Abklatsch. Klar, ist alles Geschmacksache, aber ich gehöre zu den "anderen".
In jedem Fall bin ich gespannt, was das Stimm-Duo mit Rockerin Ada Flechtner und Sophranistin Carmen Schäfer zu bieten haben. Ups! Hier gibt es schon eine Überraschung, denn Carmen Schäfer heißt neuerdings Carmen Lorch und ihre ehemalige Rock-Kollegin wurde durch Lisa Lasch ersetzt. "Lorch" und "Lasch", na wenn das mal gut gehen mag.

Alles beginnt mit einem offensichtlich obligatorischen "Intro", das neben einer aufklärenden Sprecherstimme und weiblichen Chören wenig Substanz bietet.
Mit "Geisterkirche" werden schon eher Nägel mit Köpfen abgeliefert. Druckvolle Gitarren Riffs und flotte Drums sorgen schon einmal für die richtige metallische Stimmung, die jedoch nach dem Einsatz der beiden Frontfrauen zunächst ihr jähes Ende findet. Gothic mit Folk-Einflüssen und Rammstein-angehauchten Riffs wollen mit den beiden konträren Frontstimmen nicht so recht zu einer Einheit verschmelzen. Abschnittsweise recht überzeugend, wirkt es als Gesamtkonzept wie ein Wollknäuel mit (zu) vielen Fadenenden.
Dagegen kann "Tantalos" gesamtheitlich durchaus überzeugen und mit seinen flüssigen Riffs und melodischen Hooklines richtig mitreißen. Geht die Gesangslinie der Sophranstimme hier voll in Ordnung, so wird jedoch die "Rockstimme", wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen kann, von mir nur als blass und dünn empfunden.
"Wolfstanz" startet mit Volldampf und könnte glatt in Power Metal oder stilistisch vielleicht noch treffender beschrieben, Nu Metal-Regionen vorstoßen, wären da nicht wieder die beiden Betriebsbremsen am Mikro. Einmal mehr schafft es Frau Lorch deutlich besser, den Schwung in ihre Gesangslinien mitzunehmen, als ihre Kollegin Lasch, die besonders in den Disturb-lastigen Passagen einfach nicht überzeugen kann.
Dass sich an diesem Umstand auch im Folgenden nicht viel ändern wird, egal welche Hauptrichtung musikalisch eingeschlagen wird, ist meines Erachtens das größte Manko des Albums.
Wie soll sich bei dieser Gesangslinie von Frau Lasch in "Der Fluch" Folk-Stimmung einstellen, frage ich mich? Gehen bei "Flying by (Alone)" oder "How far" die Duetts noch voll ins Ohr, so stellt sich spätestens in den Normal-Stimmlagen schnell wieder Ernüchterung ein. Schade. Selbst mit etwas mehr Leidenschaft in "Kristallklares Wasser" schafft es Lasch nicht wirklich, Lorch ebenbürtig Paroli zu bieten. Erneut schade, denn der flotte Folk-lastige Song mit leichten Humppa-Einflüssen ist ansonsten wirklich ein richtiger Ohrwurm - "Hay!".
"Der letzte Tanz": Folk, Fiedel und Frau Lasch starten so richtig durch und können zumindest mit der demonstrierten Leidenschaft punkten, auch wenn auf eine "Veredelung" mit Sophran kaum verzichtet werden kann.
Werden sanftere Töne angeschlagen, wie bei "Blind", sieht die Sache ganz anders aus. Hier passen die beiden Gesangsstimmen, als wären sie nur dafür erfunden worden und so ist es diesmal eine Ballade, die mich kurz vor Ende des Albums doch noch versöhnlich stimmen kann, wenn auch musikalisch kein Neuland beschritten wird.
Was die Truppe bei "Josy" im sprichwörtlichen Sinne geritten hat, kann ich mir jedoch nicht erklären. Irgendwie klingt es nach einem Mix aus Folk, Western Style, Funk-Elementen und flotten Rock-Rhythmen, der zumindest relativ solide von Frau Lasch performt wird, wenn auch hier Lorchs Sophran das Sahnehäubchen darstellt. Aber warum der Part mit männlicher Sprecherstimme? Nun, ich lasse es mal als Experiment im Raum stehen, das mich weder wirklich überzeugen kann, noch wirklich zu den vorherigen Songs passen will?!?

Fazit: Offensichtlich fielen die Kritiken das letzte Mal noch zu gut aus oder man hat im Hause Coronatus einfach keine probaten Mittel zur Abhilfe gefunden. Geblieben sind zwei engagierte Frauen am Mikro, die nach dem ersten Durchlauf meine Toleranz stellenweise einen Tick überbeansprucht haben. Obwohl ich durchaus Rob Halford und Justin Hawkins zugeneigt bin, hatte man es bei der Sophran-Stimme doch etwas übertrieben. Glücklicherweise haben es die Gläser überlebt. Der Rock-/Normal-Part erschien mir hingegen etwas allzu blass, auch wenn ich natürlich keine Frontfrau eines Kalibers von Sharyn Peach (Bitchfire) erwartet habe.
Kann das Umschwenken auf noch mehr deutsche Texte und dezente Mittelalter-Einflüsse wirklich neue Fans auf den Plan rufen? Das sei abzuwarten. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich Texte schon beim ersten mal verstehe oder erst bei genauerem Hinhören. Und ob man sich anstatt mit Nightwish, Midnattsol & Co. nun mit Subway to Sally oder In Extremo messen muss, macht beim Qualitätsanspruch wohl kaum einen Unterschied.
Isoliert betrachtet mögen manche Songs durchaus innovativ erscheinen, aber das sind Ausnahmen.
So bleibt mir eigentlich nur mich meine Meinung von damals zu wiederholen. Da muss noch einiges getan werden, bis man sowohl eigenständig als auch songtechnisch voll überzeugen kann. Insich oftmals zu verfahren und ohne spürbares stilistisches Konzept, befindet sich der Zuhörer in einem ständigen Wechselbad der Gefühle.
Und wie schon bemerkt, selbst die Idee mit zwei Frontfrauen in unterschiedlichen Stimmlagen ist seit Two of a Kind nicht prickelnd neu.

Titel-Liste:
 
  1. Intro
  2. Geisterkirche
  3. Tantalos
  4. Wolfstanz
  5. Der Fluch
  6. Flying by (Alone)
  7. Kristallklares Wasser
  8. How far
  9. Der letzte Tanz
  10. Est carmen...
  11. Blind
  12. Josy

Laufzeit:
 50:23 Min.

Band-Infos:
 
  • www.coronatus.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Coronatus: Fabula Magna

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