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Review: Crystal Eyes
 
CHAINED

Album:
 CHAINED, 2008, Metal Heaven

Stil:
 Melodic Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 S.M., 09.11.2008

Review:
 Crystal Eyes gibt es bereits seit 1992 und sie haben in der Vergangenheit auch schon einige Alben unters Volk gebracht. Ich habe zwar den Bandnamen einige Male gehört, in meine musikalische Wahrnehmung sind sie bislang aber nicht getreten. Das ändert sich nun, da ich ihr aktuelles Werk CHAINED rezensieren darf.
Crystal Eyes bestehen aus Mikael Dahl (Gitarre), Paul Pettersson (Gitarre), Claes Wikander (Bass), Stefan Svantesson (Schlagzeug) und Nico Adamsen am Mikro.
Der Promo-Flyer spricht von einer der heißesten Melodic-Metal-Bands Schwedens. Na, da bin ich ja mal gespannt.

Der Opener "Ride the Rainbow" wird kontinuierlich aufgebaut und mündet in einen Höhenpunkt, den man bereits nach der ersten Strophe mitsingt. Das ist eingängiger Melodic Metal, wie man ihn sich wünscht. Die Rhythmustruppe hält sich dezent zurück, während die Gitarrenleads die Hookline tragen. Klasse ist auch der Gesang von Nico Adamsen, der die Töne schön lange halten kann.
Mit etwas tieferem Riff und verhaltenem Rhythmus, wird bei "The Fire of Hades" erst eine düsterere Stimmung erzeugt, doch spätestens im Refrain werden uns wieder die melodischen Trademarks der Spielart präsentiert. Im weiteren Verlauf wechseln sich recht unterschiedliche Abschnitte ab. Mal wird es besinnlicher, dann druckvoll, doch die mystische Atmosphäre zieht sich wie ein roter Faden durch die Komposition.
"The Devil inside" beginnt gleich sehr druckvoll. Hier darf auch der Rhythmusbereich mehr in den Vordergrund treten. Für die Hookline sind trotzdem die Gitarren zuständig. Und der energetische Gesang von Adamsen entwickelt sich während des Songs auch stückweise, um beim eingängigen Refrain zur Bestform aufzulaufen.
Die ersten Takte von "Waves of War" erinnern mich stark an Stücke von Running Wild. Auch lyrisch geht es wohl um das begehrte Piraten-Thema. Insgesamt ist der Song sehr hymnisch, wobei auch weiterhin die Running-Wild-Parallelen bestehen bleiben. Doch Crystal Eyes klingen keineswegs wie eine Kopie, sondern bringen ihre eigenen Marken und Ideen in den Song ein. Da der Track richtig gut knallt, herrscht hier uneingeschränkte Headbang-Pflicht. Ein Nummer, die live wohl der Hammer schlechthin werden könnte.
Bei "Dying in the Rain" wird es emotionaler. Es handelt sich um eine Ballade, die erst akustisch und dann mit E-Instrumentenbegleitung aufgebaut wird. Der Höhepunkt gehört dann der ganz gefühlvollen Seite, die Adamsen durch sein Timbre hervorragend ausdrücken kann. Im längeren Instrumentalabschnitt, wird es kurz druckvoller, dann beginnt der balladeske Aufbau erneut. Das Stück ist aber sehr gut konzipiert und driftet niemals in Kitschgefilde ab.
Mit knackigem Rhythmus und dynamischen Riffs wird dem Hörer bei "Fighting" der Kopf durchgeblasen. Es handelt sich um eine recht simpel konstruierte Power-Nummer, die aber trotzdem unheimlich mitreisen kann, woran der erneut sehr hymnische Refrain nicht ganz unschuldig ist. Nur in der Mitte wird mal etwas Tempo rausgenommen, um dann aber gegen Ende hin noch druckvoller zu Werke zu gehen.
"Shadow Rider" startet erst wieder emotional, doch meine Befürchtungen, dass es sich um die nächste Ballade handelt, werden bald weggeblasen. Zwar beinhaltet das Stück durchaus auch weiterhin emotionale Abschnitte, ist aber eher episch wie längere Maiden-Songs aufgebaut. Unterschiedliche Intensitäten, verschiedene Tempi und Rhythmen und ein komplexeres Konstrukt machen diesen Long-Track aus, der niemals langweilig wird. So manche Tonfolge der Leadgitarre erinnert mich aber schon stark an Iron Maiden.
Mit schönen Gitarrenleads und eingängigem, zielgerichtetem Aufbau, kommt "Lonely Ball of Fate" ohne irgendwelchen Schnörkel. Es ist wieder eine Nummer bei der man je nach Gesinnung mitsingt, mitrockt oder headbangt. Im Instrumentalabschnitt laufen die Musiker zur Höchstform auf, allen voran natürlich die Gitarristen, während Nico Adamsen seine gesanglichen Künste vor allem wieder im ausdrucksstarken Refrain beweisen kann. Ich bin wieder begeistert, wie er auch hohe Töne halten kann, ohne dass man Angst vor einer Tinnitus-Attacke haben muss.
Zum Abschluss kommt mit "Guardian" noch ein akustisches Stück, dass etwas folkig-nordisch anmutet. Die emotionalen Gesangspassagen - besonders die hymnischen, mehrstimmigen - lassen mir angenehme Schauer über den Rücken laufen. Schade, dass dieser vokale Genuss nur 3:47 Minuten andauert.

Fazit: Bei CHAINED hatte ich seit langem mal wieder das Bedürfnis, die Höchstnote zu vergeben. Ich mache es nur deswegen nicht, weil mir 42 Minuten Spielzeit in dem Genre heutzutage etwas mager vorkommen.
Kompositorisch haben Crystal Eyes hervorragende Arbeit geleistet. Jedes der neun Stücke kann ich als kleines Meisterwerk bezeichnen. Die Jungs haben sich vor allen Dingen viel Mühe gegeben, dem Hörer ein Höchstmaß an Abwechslung zu präsentieren. Das ist ihnen auch ganz klar gelungen. Obwohl sie schonmal die Grenze zum Power Metal und zum Progressive Metal (und bei "The Devil inside" auch zum Hardrock) tangieren, verlassen sie trotzdem die Wege des Melodic Metal nie richtig. Der Linie treu bleiben und dennoch solch eine Vielfalt zu servieren, ist in meinen Augen ein Beweis für ein spitzen Songwriting.
Alle Musiker machen auch an ihrem Arbeitsgerät eine einwandfreie Figur. Besonders hervorzuheben ist dabei Nico Adamsens Beitrag. Seine ausdrucksstarke und emotionale Stimme in mittlerer Tonlage würde wahrscheinlich jeder Band gut zu Gesicht stehen. Ebenfalls seine Gabe, die Töne so schön zu halten. Und selbst in den hohen Lagen bleibt der Gesang unaufdringlich, was nicht vielen Shoutern gelingt.
Crystal Eyes können mit CHAINED im Melodic-Metal-Sektor unheimlich Boden gut machen und sich vielleicht sogar in die Spitzengruppe spielen.

Anspieltipps:
 Alle neun Songs spielen sich auf einem dermaßen hohen Level ab und sind in ihrer Machart trotzdem so unterschiedlich, dass ich keine speziellen Highlights herausfischen kann. Das gesamte Werk ist ein einziger Anspieltipp!

Tipp:
 Klares "Must have" für jeden, der auch nur ansatzweise auf Melodic Metal steht.

Titel-Liste:
 
  1. Ride the Rainbow
  2. The Fire of Hades
  3. The Devil inside
  4. Waves of War
  5. Dying in the Rain
  6. Fighting
  7. Shadow Rider
  8. Lonely Ball of Fate
  9. Guardian

Laufzeit:
 42:38 Min.

Band-Infos:
 
  • www.crystaleyes.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Crystal Eyes: CHAINED

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