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Review: The Cult
 
BORN INTO THIS

Album:
 BORN INTO THIS, 2007, Roadrunner

Stil:
 Heavy Rock, Post Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 20.10.2007

Review:
 Es beginnt 1981 noch unter dem Namen The Southern Death Cult, als sich die britischen Rocker um Ian Astbury aufmachten, die Welt Gothic Wave zu erobern. Der Versuch scheitert und Ian schmeist nicht nur das "Southern" aus dem Bandnamen, sondern entlässt auch gleich die ganze Mannschaft.
Neue Mitstreiter, Hardrock als neue Vorliebe und eine weitere Kürzung des Namens auf "The Cult" bringen den erhofften Erfolg. Was dann auf dem Album LOVE erste Konturen annahm, liefert 1989 das Album SONIC TEMPLE in Perfektion. Mit Songs wie "Sweet Soul Sister" stürmt das Album in den U.S.A. die Charts, erreicht eine Top-10-Platzierung und verhilft den Rockern zu einer Tournee im Vorprogramm von Metallica.
Leider geht es danach besonders in der Besetzungsliste drunter und drüber, bis 1995 Ian endgültig aufgibt.
The Cult haben es mit ihrem Neubeginn BORN INTO THIS nicht leicht, werden sie immer noch an ihren Erfolgen aus den 80ern und 90ern gemessen, wo noch die großen Erfolge gefeiert werden konnten.

Und tatsächlich, nach dem ersten Durchhören hat man den Eindruck, die Zeit sei stehen geblieben. Das ist zunächst mal nicht schlecht, denn die Wiedererkennung ist dadurch kein Problem. Ian's Stimme ist sofort wieder im Gedächtnis und die Melodielinien zünden wie damals.
Schon der Opener und Titelsong "Born into this" will unbedingt punkten und schafft dies spielend. Ein Ohrwurm mit dichter Instrumentalisierung und einem Refrain, der sofort im Gedächtnis bleibt. Fan, was willst Du mehr. Schwer werden es nur die haben, die schon in den 80ern nichts mit SONIC TEMPLE anfangen konnten.
Auf Rock getrimmte Disco-Beats sorgen für gehörig Druck im Schacht, wenn Frontmann Ian und Gitarrio Duffy bei "Citizens" so richtig Gas geben. Auch hier fällt wieder die dichte Atmosphäre positiv auf, die nie erdrücken, sondern immer tragen möchte - und dies auch schafft.
In bester Alternative Rock Manier rockt "Diamonds", als ob es kein Morgen mehr geben würde. Wer hier still sitzen kann, der sollte unbedingt einen Otologen (Ohrenarzt) seines Vertraunens aufsuchen.
Wer denkt, nach drei Songs würde endlich etwas auf die Bremse getreten, der hat die Rechnung ohne die Wirte gemacht. Eines der Höhepunkte des Albums ist eindeutig "Dirty little Rockstar", ein Song der einfach nur tierisch groovt und sofort im Ohr hängen bleibt. Klar erfindet man hier nicht das Rock-Rad neu, aber für einen guten Rocksong ist manchmal weniger einfach mehr. Wie sagte Ian Hill so treffend? "Ein gutes Riff ist ein gutes Riff".
Kalt erwischt hat es mich dann bei "Holy Mountain". Mit Akustikgitarre, dezenter Begleitung und Gesang alá Elvis Presley, dachte ich zuerst an eine Fehlpressung. Auch nach mehreren Durchläufen habe ich mich bis jetzt noch nicht so richtig mit dieser ruhig vorgetragenen Halb-Ballade anfreunden können, aber vielleicht heilt die Zeit die Wunden.
Da sorgt der Nachfolger "I Assassin" gleich für klare Heavy Rock-Verhältnisse. Mit sehr alternativ angehauchten Hooklines sind es hier besonders die Breaks und auch der melodische Refrain, die für starke Kontraste sorgen.
So ganz lassen sich die Punk-Wurzeln nun doch nicht verleugnen. Wenn auch dezent in ein Rock-Kostüm eingepasst, sind es hier die alten Vorlieben bei "Illuminated", die den Basisdruck und stetigen Drang nach Vorne erzeugen.
Endlich bekommt auch der bereits zitierte Tiger mit "Tiger in the Sun" seinen eigenen Song - und was für einen. Nahtlos knüpft man hier an die Hoch-Zeiten der End-80er an und kann mit genialem Refrain überzeugen, den nur noch Glenn Danzig einen Tick besser hinjammern hätte können.
Nach dieser kleinen Ruhepause ist "Savages" als kleiner flotter Rocker genau das Richtige um wieder in Schwung zu kommen. Hier ist Abrocken nicht nur Motto, sondern auch Pflicht.
Und dann geht es mit "Sound of Destruction" schon wieder in die letzte Runde. Glücklicherweise lässt man die Scheibe mit dem gleichen tierischen Groove enden, wie es der Titelsong "Born into this" gestartet hatte. Und was schon bei Dutzenden anderer Alben geklappt hatte, klappt auch hier. Sobald die letzten Töne verklungen sind, kreist der Finger schon wieder über der "Play"-Taste.

Fazit: Zu Recht ziert das Booklet im Inneren ein großes Tigermuster und man hat diesem die langen und gefährlichen Eckzähne bei Leibe noch nicht gezogen. Ein ins Alter gekommenes Schmusekätzchen mit seiner Wamme auf dem Sofa vor sich hin schnurrend, hört sich einfach anders an. Hier hat man es geschafft, den Flair des legendären SONIC TEMPLE-Albums neu aufleben zu lassen. Nur ist die Produktion diesmal auch noch staubtrocken und druckvoll ohne Ende.
Zweimal ist der Neustart nicht gelungen. Beim letzten Mal 2001 mit BEYOND GOD AND EVIL konnte man schon fast alle Hoffungen begraben, doch dieser Versuch zeigt, das mit den Briten noch zu rechnen ist.
Aber meine lieben Herren, ich kann mit der etwas mageren Spielzeit leben und auch mit den immer noch fehlenden gedruckten Lyrics - Ich hasse jedoch dominantes Pink!

Tipp:
 Astbury und Duffy scheinen unverwüstlich und alle, die eine zeitgemäße Rockscheibe suchen, werden hier bestens bedient. Fans, ihr dürft endlich wieder zugreifen und euch einfach freuen.

Titel-Liste:
 
  1. Born into this
  2. Citizens
  3. Diamonds
  4. Dirty little Rockstar
  5. Holy Mountain
  6. I Assassin
  7. Illuminated
  8. Tiger in the Sun
  9. Savages
  10. Sound of Destruction

Laufzeit:
 40:59 Min.

Band-Infos:
 
  • www.thecult.us 


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