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Review: Deathstars
 
NIGHT ELECTRIC NIGHT

Album:
 NIGHT ELECTRIC NIGHT, 2009, Nuclear Blast

Stil:
 Industrial Electric Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 12.02.2009

Review:
 Dance-Floor-Disco-Teenies werden es vermutlich lieben außer "Ey geil, voll krasser Abtanzstoff" kaum Worte verlieren und auch ohne bunter Pillen zur Höchstform auf der tanzfläche auflaufen. Gestandene Metaller und konservative Hardrocker hingegen werden wohl eher die Stirn runzeln, angewidert das Gesicht verziehen und sich zu Äußerung wie "Wollen die mich verarschen" hinreißen lassen. Tja und jetzt habe ich ein Problem, denn ich fühle mich weder der einen noch der anderen Fraktion 100%ig verpflichtet und versuche es deshalb mit ein paar Fakten.
Rein äußerlich betrachtet, haben die Norweger entweder ein Faible für Darth Vader oder das 2. Weltkriegs-Trauma ihrer Eltern nicht ernst genommen. Schminke, nun gut, da kann man geteilter Meinung sein, denn was wären Kiss ohne ihre Kriegsbemalung gewesen. Beim Lesen des Line-Ups entlocken mir die Namen Whiplasher Bernadotte, Nightmare Industries, Cat Casion, Skinny Disco und Bone W. Machine ein gequältes Grinsen. Erlaubt ist, was nicht weh tut - ok.

Der Opener "Cher to Gard" mit unverkennbaren Rammstein-Anleihen vermittelt schon einen recht guten Eindruck von dem, was noch folgen wird. Lediglich das zurückhaltende Tempo ist nicht repräsentativ, wird aber von einem bestechenden Groove zementiert, der schon zu den ersten vorsichtigen Tanzschritten anregen kann.
Der Titelsong "Night Electric Night" schaltet dafür gleich zwei Gänge nach oben und punktet mit brachial bombastischen Riffs, wie sie auch gerne die Monstertruppe Lordi einsetzt. Der Fronter growlt sich in gewohnter Manier quer durch die Strophen und sorgt für das eine oder andere aufgestellte Härchen - zur richtigen Gänsehaut fehlt es noch ein Stück weit.
Etwas mehr Gothic alá Withhin Temptation hat "Death dies hard" im Gepäck und schafft es mühelos die Tanzlaune aufrecht zu halten. Dafür sorgen schon die discokompatiblen Beats und der weibliche Chor.
Bei "Mark of the Gun" und "Babylon" würde vermutlich sogar die Wade des Fronters Jyrki 69 zu zucken beginnen, obwohl The 69 Eyes solche Songs mit etwas weniger Pop bereits seit Jahren erfolgreich zelebrieren. Also wenig Neues, besonders für Fans von "Mission Impossible" (hört selbst), aber dafür nicht unbedingt schlecht.
Eine kleine Verschnaufpause bietet die recht eingängige Electro-Ballade "Via the End", die trotz aller Düsternis aber kaum wohlig überzeugendes Gruseln vermitteln kann.
Es darf wieder getanzt werden und die satten Bässe von "Blood stains Blondes" ebnen schon mal den Weg zurück zur Tanzfläche, der von weiblichem Chor im Refrain begleitet wird.
Wer dann auf wirklich dröge Discobässe steht und auch die richtige Stereo-Anlage (und die toleranten Nachbarn) besitzt, um so richtig die Sau raus zu lassen, der wird mit "The Fuel ignites" seine wahre Freude haben.
Noch etwas Electro-Rammstein mit "Arclight" gefällig? Oder wie wär's mit stampfenden Beats und gehaucht/gegrowltem Refrain bei "Venus in Arms"? Schade nur, das nach nicht einmal einer Dreiviertel Stunde das etwas gebremste aber tierisch groovende "Opium" das Album bereits wieder beendet. Da hätte ich mir nach drei Jahren Pause schon noch 1-2 Songs mehr gewünscht...
Verzichten möchte ich an dieser Stelle auch auf die Beurteilung der Ansichten des Fronters Whiplasher Bernadotte über sein Album - von wegen "Fort Knox des modernen Dark-Rock" - bevor ich mir das mit meiner Notenvergabe nochmal überlege...

Fazit: Wer sich nun angesichts der Unkenntnis der beiden voran gegangenen Alben vom markanten Namen Deathstars täuschen ließ und Industrial Metal mindestens vom Kaliber eines Peter Tägtgren mit seinem Projekt Pain vermutete, der wird etwas enttäuscht sein. Ungeachtet des Mangels an gesunder metallischer Härte kann man den Norwegern zumindest ein Gespür für kommerziell geprägte Ohrwürmer bescheinigen, die nahezu immer absolut tanzkompatibel gestaltet wurden, mit einer gehörige Portion Wortwitz aufwarten und trotz des düsteren melancholischen Grundtonus, der vielen eingestreuten Horroreffekte und der tiefen Growlstimme des Frontmanns für gehörig fröhliche Partystimmung sorgen. Übrigens, das für so manche Deutsche anstößig wirkende Outfit ist absolut unpolitisch zu sehen. No Chance for Right Side of Life!

Anspieltipps:
 "Night Electric Night", "Via the End" und "Babylon"

Tipp:
 Bei aller Liebe zur freien Interpretation, aber mit Gothic hat das Album wohl wenig am Hut. Industrial Electric Metal passt recht gut und jeder der partytaugliche Musik mit "Heavy"-Anstrich aber kommerzkompatiblen Melodien sucht, wird hier voll bedient.

Titel-Liste:
 
  1. Cher to Gard
  2. Night Electric Night
  3. Death dies hard
  4. Mark of the Gun
  5. Via the End
  6. Blood stains Blondes
  7. Babylon
  8. The Fuel ignites
  9. Arclight
  10. Venus in Arms
  11. Opium

Laufzeit:
 44:17 Min.

Probehören und Kaufen:
Deathstars: NIGHT ELECTRIC NIGHT (Ltd. Ed.)

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