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Review: Die Happy
 
SIX

Album:
 SIX, 2008, GUN

Stil:
 Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 M.K., 18.04.2008

Review:
 Die Happy sind knapp anderthalb Jahre nach NO NUTS NO GLORY zurück und legen mit SIX ihr sechstes offizielles Studio-Album, wie gewohnt über GUN Records, vor. Frontfrau Marta Jandová und ihre drei Jungs haben das Album in ihrer Heimat Tschechien, genauer gesagt in Prag, mit Produzent Udo Rinklin aufgenommen. Herausgekommen sind zehn Songs, die alle rund vier Minuten lang sind. Man kommt also auf eine Gesamtspielzeit von knapp vierzig Minuten.

Der Opener nennt sich "Around the World" und startet mit einem eingängigen Riff und kraftvollem Drumming im Hintergrund. Marta setzt in der etwas ruhigeren Strophe ein. Der Fuß wippt mit und das ist nach noch nicht mal einer Minute Spielzeit schon mal ein gutes Zeichen. Im Refrain bekommt Marta gesanglich etwas Background-Unterstützung, ein kleiner Ohrwurm entwickelt sich so. In der Bridge wird von Drummer Jürgen Stiehle etwas Tempo aufgebaut, diese Phase hält jedoch nicht allzu lange an. Mit dem Refrain geht es weiter und der Song wird nach fast vier Minuten mit eben diesem beendet. Ein netter Mid-Tempo-Opener, der Lust auf mehr macht. Und es gibt ja noch neun Songs.
"Still love you" ist mit genau vier Minuten Spielzeit das zweite Stück auf SIX und kann durchaus als Halbballade bezeichnet werden. Simples Drumming und eine eingängige Bassline dominieren die Strophen, im Refrain geht es dann etwas rockiger zu. Besucher der zwei winterlichen Unpluggedkonzerte werden den Song schon kennen, Die Happy boten ihn damals dar und schon im November konnte er mich überzeugen. Mit Strom und im Studio ist kein Qualitätsabfall zu bemerken, "Still love you" ist eine typische Die Happy-Halbballade.
Der dritte Song auf SIX nennt sich "Don't you" und ist im Tempo nicht wirklich schneller als "Still love you". Martas Stimme klingt in den Strophen richtig gut und leicht rau. Die zweite Halbballade in Folge also. Ob dies am Anfang eines Albums so gut ist, bleibt dahingestellt. Für sich alleine gestellt überzeugt der Song durch gutes Songwriting und den Einsatz von Streichern im Background. Gefällt mir besser als "Still love you", ist insgesamt ruhiger, aber irgendwie ausgereifter und gerade der Einsatz der klassischen Instrumente überzeugt hier.
Mit der Lead-Single von SIX geht es weiter und nach zwei eher ruhigen Stücken darf mit "Peaches" losgerockt werden. Ein treibender Riff und schnelles Drumming starten den Song, bis Marta in den Strophen einsetzt und ihr musikalisch ordentlich Platz eingeräumt wird. Der Refrain ist ein typischer Die Happy-Ohrwurm, wie man ihn grade von den ersten Platten kennt. Der Song tritt ordentlich Arsch und geht gut nach vorne, setzt sich im Gehörgang fest und macht einfach Spaß. Auch wenn das Songwriting das typische Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Bridge-Refrain-Refrain-Muster durchzieht und es in dem Sinne nichts neues gibt macht "Peaches" gute Laune.
Mit "Easy come easy go" sind wir schon beim fünften Song angelangt und es geht wieder etwas ruhiger zu. Der Text klingt wie aus dem Leben gegriffen, auf schmalzige Metaphern wird hier verzichtet. Nebenbei bemerkt ist dies die dritte Halbballade, die jedoch einen gut rockenden Refrain aufzuweisen hat, während in den Strophen eher der Bass dominiert. Die Bridge überzeugt durch eine Gitarrenmelodie, danach geht es mit zwei Zeilen und dem verzerrt gesungenen Refrain weiter. Klingt richtig gut, vor allem als dann der rockigere Part wieder einsetzt. Am verzerrten Gesang scheinen Band und Produzent Gefallen gefunden zu haben, denn mit diesem endet der Song dann auch.
"Sweet Sensation" läutet die zweite Hälfte von SIX ein und überzeugt durch einen knackigen Beat, guten Gesang und die hohe Ohrwurmqualität. Nicht umsonst befindet sich das Stück seitdem ich die digitale Promoversion erhalten habe auf meinem mp3-Player. "Sweet Sensation" ist ein temporeicher Rocker, der auch elektronische Einflüsse präsentiert, mit einem Chorus, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Der Song macht vor allem eins: uneingeschränkt Spaß. Sollte auch live für gute Stimmung und Bewegung im Publikum sorgen.
Song Nummer sieben nennt sich "You'll never know" und ist die vierte Ballade auf SIX. Mit 4:23 Minuten desweiteren das längste Stück auf dem sechsten offiziellen Studioalbum der Ulmer Band. Der Song klingt wie eine poppige Lokalradioballade und ist bisher das für mich schwächste Stück auf dem digitalen Tonträger. Belanglose Ballade ohne große Überraschungen. Musikalisch sicherlich in Ordnung, auch gesanglich gut, aber ein Mal gehört und vergessen, so siehts bei "You'll never know" aus.
Weiter gehts mit "Hysteria", welches mit einer verzerrten Gitarre und Samples beginnt, durch den Beat Erinnerungen an Nine Inch Nails hervorruft. Dann kommt Marta zum Einsatz und musikalisch klingt das ganze nach Rage against the Machine, während Marta mit schnellen Vocals dabei ist. Im Refrain gehts etwas ruhiger und eingängiger zur Sache. Also ein experimenteller, härterer Song, der durch ungewohntes und überraschendes Songwriting überzeugen kann. Erinnert leicht an die ehemaligen Labelkollegen Guano Apes und gefällt mir gut.
Mit "Wannabe" folgt der vorletzte Song. Eine Spieluhr wird hier mit klatschen verbunden, was live auch funktionieren sollte, danach geht es wieder rockig los. Geht doch. Die Happy packen nach vier Balladen zum Ende hin endgültig die Rock-Keule aus und legen los. Martas Stimme passt wunderbar zum treibenden Song, der wieder einige ungewöhnliche Elemente beinhaltet. Ja, "Wannabe" gefällt.
Die Happy kommen nun mit "Genuine Venus" zum zehnten und damit letzten Stück auf SIX. Auch hier gibt es wieder Rock aufs Gehör, Jandovás raue Stimme passt zu den Lyrics, während im Refrain wieder drauflos gerockt wird, allerdings mit angezogener Handbremse. Sprich: Mid-Tempo. Zwar gibts hier keine großen Überraschungen, aber ein kleiner Ohrwurm kristallisiert sich schon heraus. Ein guter Abschluss für das neueste Album des Ulmer Quartett.

Fazit: Die Happy sind zurück und schaffen es, mit SIX den Bogen zu den Frühwerken der Band zu spannen. Es gibt wieder Ohrwürmer und auch die ein oder andere gelungene Ballade. Wobei mir da vier von zehn Songs, zwei davon direkt am Anfang nacheinander, dann doch zu viel des ruhigen sind.
Allerdings hat die Band in Prag ein durchaus gelungenes Album aufgenommen, dass mit einer sauberen Produktion und durchdachtem Songwriting glänzen kann. Die Anzahl der gelungenen Songs überwiegt ganz klar die schwächeren Stücke, auch wenn leider bis auf vereinzelte Stücke, die ich gleich als Tipps aufführen werde, auf Dauer nicht viel hängen bleibt.
Desweiteren finde ich die Anzahl an Songs sowie die allgemeine Spieldauer doch recht knapp bemessen. Zwei bis drei Stücke hätten es ruhig noch sein dürfen, aber auch so werden Fans von Die Happy wohl zufrieden mit dem neuesten Werk der Band sein. Alle anderen sollten vorher ein Ohr riskieren. Schlecht ist das Album jedoch auf keinen Fall.

Anspieltipps:
 "Sweet Sensation", "Peaches", "Still love you" sowie das abwechlungsreiche "Hysteria".

Titel-Liste:
 
  1. Around the World
  2. Still love you
  3. Don't you
  4. Peaches
  5. Easy come easy go
  6. Sweet Sensation
  7. You'll never know
  8. Hysteria
  9. Wannabe
  10. Genuine Venus

Laufzeit:
 39:42 Min.


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