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Review: Divinefire
 
FAREWELL

Album:
 FAREWELL, 2008, Rivel Records

Stil:
 Melodic Metal / Progressive Power Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 S.M., 27.05.2008

Review:
 Christian Liljegren ist vielen Metal-Fans sicherlich ein Begriff. Zusammen mit C.J. Grimmark gründete er 1993 die Band Narnia, deren Sänger er noch immer ist. Doch der Labeleigner von CM Sweden/Rivel Records ist musikalisch noch sehr viel aktiver. Im Jahre 2004 startete er zusammen mit dem finnischen Musiker Jani Stefanovic das Projekt Divinefire, dass mit FAREWELL nun auch bereits den vierten Longplayer am Start hat.
Dritter "fester" Musiker in dieser Formation ist Bassist Andreas Olsson. Im Studio spielt Jani Sefanovic die anderen Instrumente (Drums, Gitarren, Keyboard) fast im Alleingang ein. Unterstützt werden Divinefire, insbesondere natürlich bei Auftritten, von einigen Gastmusikern.
Sänger Christian Liljegren ist öfters auch unter dem Namen Christian Rivel zu lesen. Diesen Nachnamen nahm er nach seiner Heirat an, und unter diesem Namen gründete er auch sein eigenes Label. Nach seiner Scheidung (von der Urenkelin des legendären Clowns Charlie Rivel, wie mir eine große, freie Internet-Enziklopädie verrät) kehrte er jedoch wieder zu seinem Geburtsnamen zurück. Und die Labelbezeichnung änderte er von Rivel Records in Christian Music Sweden.

Divinefire sind stilistisch irgendwo zwischen Symphonic Metal, Melodic Metal und Progressive Power Metal einzuordnen. Das Intro "Calling the World" offenbart mit seinen virtuosen Streicherarrangements schonmal die orchestrale Seite von Divinefires Sound, bevor bei "Unity" die Power-Metal-Keule ausgepackt wird. Ein druckvolle Hookline mündet in einen sehr eingängigen Mitsing-Refrain. Nach einem Break beginnt der Aufbau von Vorne, wobei auch immer wieder sehr aggressive Vocals integriert werden. Die melodische Seite der Musik wird hier mit Anleihen des Extrem Metal verbunden. Nach einem Leadsolo wird es sogar erstmal besinnlich-ruhig, ehe zum Ende hin wieder Gas gegeben wird. Ein sehr abwechslungsreicher und auch ungewöhnlicher Track.
In der Marschrichtung geht es bei "You will never walk away" weiter. Eine melodische Hookline erhält durch druckvolle Gitarrenläufe und gegrowlte Vocal-Passagen deutlich mehr Energie. Beim Refrain und dem kombinierten Gitarren-Keyboard-Solo wird es dann wieder harmonischer. Es liegt zwar eine progressive Struktur vor, doch können sich die einzelnen Abschnitte zu Ende entwickeln, bevor ein Wechsel angesetzt wird.
Auch "Pass the Flame" beginnt im High-Tempo-Rhythmus, bevor die Bremse angezogen wird und der stückweise Aufbau beginnt. Auch hier thront der Refrain als Höhepunkt. Überhaupt setzt Christian Liljegren seine Stimme sehr variabel ein. Ob in hoher oder mittlerer, etwas rauherer Tonlage - er beherrscht beides. Bei den Shouts und Growls wird er von seinem jüngeren Bruder Hubertus unterstützt.
Ein Riff, das sofort ins Ohr geht, leutet "Grow and follow " ein. Der Hookline wird noch eine harmonische Keyboarduntermalung hinzugefügt, während der Rhythmus ziemlich tough und rauh vorangetrieben wird. Auch die Vocals sind im Songaufbau wieder großteils gegrowled und werden erst im gesanglichen Höhepunkt in der hymnisch-melodischen Manier eingesetzt. Es fällt auf, dass fast ausschließlich auf diese Vermischung von harmonischer Melodie und druckvoller Aggressivität zurückgegriffen wird, was in meiner Ansicht auf Dauer ein bisschen einseitiges Prinzip scheint.
Als hätte das nordische Trio meine leichte Kritik vernommen, werden bei "My Roots are strong in you" die dynamischen Parts zurückgeschraubt und der Melodie mehr Raum gegeben. Trotz der etwas progressiven Ausrichtung des Stücks entwickelt sich die Hookline recht geradelinig und mündet in einen starken Refrain, der von Christians akzentuiertem Timbre schön getragen wird.
Auch "King of Kings" bringt Abwechslung und frischen Wind. Es handelt sich um einen Power-Metal-Nackenbrecher in bester Hammerfall- oder Masterplan-Machart. So langsam beweisen Divinefire doch ihre Vielseitigkeit. Den Kompositionen der vermeintlichen Vorbilder steht das Stück in nichts nach.
Mit dem über zwölf Minuten langen "Heal me" folgt nicht nur der deutlich längste, sondern auch der songwriterisch ausgefeilteste Track. Er ist zwar ganz klar progressiv arrangiert, dennoch bewirkt schon die Songdauer, dass die einzelnen Passagen fast wie kurze eigene Kompositionen ankommen. "Heal me" hat schöne epische Phasen, die eine besinnliche Stimmung aufkommen lassen, aber auch der bekannten druckvollen Spielweise mit sehr dynamischen Gitarrenläufen und energetischem Gesang wird wieder gefröhnt. Erstmals gibt es auch einen kurzen Abschnitt mit weiblichem Gesang. Ausgedehnte intrumentale Intermezzi runden den eindrucksvollen Track ab.
Beim Outro "Farewell" sind nochmal die symphonischen Aspekte gefragt, die das Album auf ebenso virtuos-klassische Art beenden, wie es begonnen hat.

Fazit: FAREWELL ist eine runde Sache, und damit meine ich nicht nur die Erscheinungsform der CD. Divinefire vermischen harmonische Melodien mit ungeheurer Dynamik und teilweise aggressiven Vocals. Dennoch lassen sie nicht außer Acht, dass das Album besonders die Riege der Melodic- und Power-Metaler ansprechen soll. Und das tut es trotz der gelegentlichen Progressivität auch.
Die Stücke gehen durchweg gut ins Ohr, was für ein gekonntes Songwriting spricht. Dennoch sind die Songs so arrangiert, dass sie nicht allzu eingängig erscheinen, sondern dem Hörer auch etwas Konzentration abfordern. Leicht bemängeln muss ich, dass im ersten Teil der CD einige Kompositionen zu ähnlich strukturiert sind. Die Highlights findet man eher im zweiten Abschnitt. Auch stellt die Albumlänge mit 43 Minuten in der heutigen Zeit meines Erachtens eine Minimaldauer für Longplayer dar. Eine empfehlenswerte Scheibe ist FAREWELL aber allemal.

Anspieltipps:
 "Unity", "My Roots are strong in you", "King of Kings" und ganz besonders das epische "Heal me".

Tipp:
 Mit der etwas exzentrischen Mixtur sprechen Divinefire eine recht breite Masse von Metal-Fans an. Melodic Metaler können sich für FAREWELL wahrscheinlich ebenso begeistern wie die Progressive-Fans und die Power-Metal-Anhänger. Und sogar den Freunden der thrashigeren Töne könnte der ein oder andere Song gefallen.

Titel-Liste:
 
  1. Calling the World
  2. Unity
  3. You will never walk away
  4. Pass the Flame
  5. Grow and follow
  6. My Roots are strong in you
  7. King of Kings
  8. Heal me
  9. Farewell

Laufzeit:
 43:55 Min.

Band-Infos:
 
  • www.divinefire.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Divinefire: FAREWELL

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