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Review: The Dogma
 
BLACK WIDOW

Album:
 BLACK WIDOW, 2010, Drakkar

Stil:
 Melodic Metal, Gothic Rock, Melodic Death Metal

Wertung:
 3,5 von 7
3,5 von 7 Punkten
 V.R., 08.01.2012

Review:
 Schon auf ihrem Debüt-Album BLACK ROSES, welches 2006 erschien, konnten und wollten sich die Italiener von The Dogma nicht eindeutig auf eine bestimmte Stilistik festlegen. So gab es damals eine bunte Mischung aus Melodic Metal, Power Metal, Hard Rock und symphonischen Elementen zu hören, stellenweise sogar mit dezentem Gothic Metal-Anstrich. Auf dem zweiten Album namens A GOOD DAY TO DIE ging die Band dann noch einen Schritt weiter und intensivierte die Gothic-Stimmung, was dem Album einen leicht düsteren Touch verlieh. Während sich das Debüt-Album noch als echter Überraschungshit herausstellte, gehörte das zweite Album leider nicht unbedingt zu den absoluten Glanzlichtern der Szene, da es zwar durchaus gutklassige und auch sehr eigenständige Musik bot, jedoch nicht immer eine klare Linie erkennen ließ. In welche Richtung das dritte, gegen Ende des Jahres 2010 erschienene Album BLACK WIDOW geht und ob es der Band damit gelingt, zur metallischen Oberklasse aufzuschließen, wird in dieser Rezension nun detailliert aufgeschlüsselt.

Los geht es mit dem Mid-Tempo-Rocker "Dirty dark Diane", bei dem The Dogma auf die inzwischen gewohnte Mischung aus Melodic Metal und Hard Rock setzen. Die ansatzweise düsteren Keyboards verleihen dem Song dabei den speziellen Touch. Ein wenig erinnert die Band hier auch an Lordi, wobei Daniele Santoris Stimme sich natürlich in ganz anderen Höhen bewegt als Mr. Lordi. Das ist generell zwar als positiv anzusehen, doch ab und an driftet Herr Santori auch in nervige Kreischgefilde ab. Dennoch haben wir es hier mit einem gelungenen Einstieg zu tun.
"Mindfreak" beweist dann, dass The Dogma musikalisch inzwischen noch breiter aufgestellt sind als auf den ersten beiden Alben, da der Song auch Melodic Death Metal-Elemente inklusive Krächzgesang enthält, welcher allerdings eher skurril denn aggressiv anmutet. Mit dem eigentlichen Sound der Band wollen diese neuen Klänge jedenfalls so gar nicht harmonieren. Hier wäre weniger also mehr gewesen und The Dogma sollten sich besser auf die Stilistiken beschränken, die sie wirklich beherrschen. Eine unterdurchschnittliche Children of Bodom-Kopie braucht schließlich keiner.
Wesentlich besser machen sie es da beim leicht gothic-lastigen, recht langsamen "Eternal Embrace". Atmosphärische Lieder dieser Art kennen Fans schon von den ersten beiden Alben und sie sind neben eingängigen Melodic Metal-Songs die eigentliche Stärke von The Dogma. Stellenweise setzen The Dogma hier leider wieder auf Krächzgesang, doch zum Glück nur sehr vereinzelt, zumal das in den eher ruhigen Song auch so gar nicht reinpassen will.
Weiter geht es mit "Lost forevermore", einem sehr atmosphärischen Song in der Schnittmenge aus Melodic Metal und Gothic Rock. Dank der wirklich schönen, leicht traurigen Ohrwurmmelodien und dies gelungenen Spannungsaufbaus ist dies der stärkste Titel des gesamten Albums.
Auch "Gore gore Girls" hätte derart überzeugend ausfallen können, da der Titel weitestgehend harten, leicht düsteren Power Metal auf hohem Niveau bietet. Unglücklicherweise vermengen The Dogma diese Elemente aber wieder mit Melodic Death-Einlagen, die sich sehr negativ auf die Qualität des Songs auswirken, da die Band in diesem Bereich einfach nicht überzeugen kann. Deswegen reicht es hier insgesamt leider nur für Mittelmaß.
"The Nature and the Icelander" hätte sogar das Zeug zu einem absoluten Genrekracher mit Ausnahmestellung gehabt. Der langsame, leicht orientalisch angehauchte und ziemlich düstere Rocksong besitzt eine unglaublich intensive Stimmung, die mit sitarähnlichen Keyboardklängen und mystischen Frauenstimmen sogar noch verstärkt wird. Leider wird man aber auch hier wieder durch den unpassenden Krächzgesang in die Realität zurück geholt. Da sich diese Passagen aber sehr in Grenzen halten, gibt es für den Titel immer noch ein ‚sehr gut’, nur eben kein ‚hervorragend’.
Das Intro von "The Bride is back" erinnert irgendwie ein wenig an den Klassiker "Radar Love" von Golden Earring, doch danach entwickelt sich der Titel zu einem typischen Melodic Metal-Song, der lediglich im Refrain noch dezente Reminiszenzen an genannten Klassiker bereithält. Was dem Lied aber leider fehlt sind zündende, eingängige Melodien, so dass der Titel als unterdurchschnittlich zu bewerten ist.
Auch eine Halbballade haben The Dogma im Programm. "Sister Pain" lässt in den ruhigen Strophen eine sehr anmutige, eher traurige Stimmung aufkommen, während es dann im Refrain etwas härter zugeht – leider auch inklusive des in dieser Rezension schon mehrfach kritisierten Gekreisches. In eine Halbballade mag dieses Stilmerkmal jedenfalls definitiv nicht hineinpassen, auch nicht in die etwas deftigeren Midtempo-Passagen gegen Ende des Liedes.
Mit "The Fate of the Leaders" präsentiert die Band dem Hörer dann endlich wieder einen reinrassigen Melodic Metal-Kracher. Songs dieser Art machten das Debutalbum anno 2006 zu einem echten Highlight, doch auf BLACK WIDOW sind diese leider stark in der Unterzahl. Umso deutlicher sticht der Titel hier positiv auf der Masse heraus.
Der Titelsong "Black Widow" schlägt in die gleiche Kerbe wie der letzte Titel und geht sogar noch einen Schritt weiter, da hier auch leichte Symphonic Metal-Spielereien zu finden sind. Qualitativ erreicht er dessen Niveau allerdings nicht, da der Refrain etwas zu abgedroschen daherkommt und sich nicht recht im Gehörgang festbeißen will.
Nachdem es mit Titel Acht schon eine Halbballade zu hören gab, folgt am Ende der Platte mit "All alone" auch noch ein reinrassiger Vertreter der langsamen Spielweise metallischer Klänge. Dieser fällt allerdings nicht sonderlich spannend aus, da er in Sachen Melodieführung uninspiriert angelegt ist und eine recht geringe Halbwertzeit besitzt.

Fazit: Ganz ehrlich, BLACK WIDOW von The Dogma ist eine echte Enttäuschung. Mit BLACK ROSES begann die Karriere der Band wirklich sehr erfolgversprechend, da The Dogma damals melodischen Metal abseits der ausgetretenen Pfade boten, indem sie den Songs teilweise einen dezenten gothic-mäßigen Touch verliehen und hier und da auch in Richtung Hard Rock und Symphonic Metal schielten. Auf dem zweiten Album intensivierten sie diese Tendenzen, verloren ab und an aber den Blick für das Wesentliche und so blieb es zu hoffen, dass es mit dem dritten Album dann endlich den erhofften Oberkracher zu hören gibt. Stattdessen verlieren The Dogma hier aber endgültig den Blick für das Wesentliche, da sie die musikalische Vielfalt nochmals erweitern und zunehmend Melodic Death Metal-Elemente in ihren Sound einfließen lassen. Eben diese Elemente reißen das Album aber deutlich nach unten, da sie überhaupt nicht zu The Dogma passen wollen und eher lächerlich denn hart oder aggressiv anmuten. Besonders schade ist dies, weil die Band sich in anderen Punkten auch weiterentwickelt hat und einige extrem starke Songs auf der Platte untergebracht hat, die sogar über dem Niveau des Debüt-Albums anzusiedeln sind. Nur sind diese Hammersongs auf BLACK WIDOW stark in der Unterzahl und können sich gegen die vielen mäßigen bis schwachen Lieder überhaupt nicht durchsetzen. Der Gesamteindruck ist damit ein schwacher, was letztlich zur Folge hat, dass sich The Dogma von Album zu Album verschlechtert haben. Sollte sich die Band auf ihre Stärken besinnen, hätte sie immer noch das Zeug dazu, eine richtig starke Scheibe aufzunehmen, das verdeutlichen die wenigen starken Lieder auf BLACK WIDOW nur allzu sehr. Es bleibt der Band also zu wünschen, dass sie beim nächsten Mal eine Kurskorrektur vornehmen und den Fans noch einmal ein überdurchschnittliches Melodic Metal/Gothic-Album ohne peinliche Melo-Death-Attacken präsentieren, das an das Niveau des Debüts heranreicht oder dieses sogar noch übertrifft.

Anspieltipps:
 "Dirty dark Diane", "Eternal Embrace", "Lost forevermore", "The Nature and the Icelander", "The Fate of the Leaders".

Tipp:
 Die Musik auf BLACK WIDOW richtet sich im Prinzip immer noch an Melodic Metal-Fans, die sich eine etwas andere Herangehensweise an ihre Lieblingsmusikrichtung wünschen, und diese bekommen sie dank einiger gezielt platzierter Gothic-Anspielungen auch immer noch geboten. Sie werden aber auch mit peinlichen Melo-Death-Passagen leben müssen, die stets deplaziert wirken. Melodic Death Metal-Anhänger sollten dagegen definitiv zu anderen Scheiben greifen, da The Dogma in diesem Sektor kein glückliches Händchen bewiesen haben.

Titel-Liste:
 
  1. Dirty dark Diane
  2. Mindfreak
  3. Eternal Embrace
  4. Lost forevermore
  5. Gore Gore Girls
  6. The Nature and the Icelander
  7. The Bride is Back
  8. Sister Pain
  9. The Fate of the Leaders
  10. Black Widow
  11. All Alone

Laufzeit:
 49:17 Min.

Band-Infos:
 
  • www.thedogma.net 

  • Probehören und Kaufen:
    The Dogma: BLACK WIDOW

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