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Review: Dragonland
 
UNDER THE GREY BANNER

Album:
 UNDER THE GREY BANNER, 2011, AFM

Stil:
 Symphonic Metal, Power Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 V.R., 15.01.2012

Review:
 Was ist eigentlich mit Dragonland? Zu Beginn des letzten Jahrzehnts veröffentlichte die schwedische Band ja einige durchaus gutklassige Power Metal-Alben mit deutlichen Symphonic Metal-Anleihen. Bis 2006 konnte man sich darauf verlassen, dass es im Zwei-Jahres-Rhythmus eine neue Dragonland-Scheibe geben wird. Doch nachdem 2006 schließlich das gelungene, aber auch überraschend progressive ASTRONOMY in den Läden stand, wurde es plötzlich still um die Band. Als Gitarrist Olof Mörck dann 2008 auch noch die Nebenband Amaranthe gründete, gingen schon Gerüchte um, dass sich Dragonland auflösen könnten. Doch keine Angst, nach fünf Jahren Wartezeit gibt es endlich neues Material der Band. UNDER THE GREY BANNER ist dann auch nicht einfach nur ein neues Album, sondern stellt gleichzeitig den dritten Teil der Dragonland-Chronicles – und eine Rückkehr zum symphonischen Power Metal - dar. Fünf Jahre sind natürlich eine lange Zeit und so wäre es doch mal interessant zu schauen, ob Dragonland diese Zeit genutzt haben, um mit dem neuen Album ein Werk zu schaffen, mit welchem sie aus der gehobenen Mittelklasse in die Symphonic Metal-Oberklasse aufsteigen können.

Bevor die Scheibe so richtig starten kann, gibt es mit "Illmarion" eine atmosphärische Einführung in die Dragonland-Welt. Die mittelalterlich anmutenden Keyboard-Klänge lassen vor dem inneren Auge sofort eine faszinierende Fantasy-Welt aufkommen, in welche man innerhalb der knapp dreieinhalb Minuten immer tiefer eintaucht.
"Shadow of the Mithril Mountains" lautet dann der Name des ersten richtigen Songs und Quasi-Openers des Albums, doch auch hier legen Dragonland nicht sofort los, sondern schieben erst mal ein kleines, aber feines, durch Keyboardklänge und eine Erzählerin bestimmtes Intro vorweg. Anschließend geht es dann aber endlich so richtig zur Sache. Mit einem Donnerschlag setzen plötzlich die Gitarren ein und erstklassiger melodischer Power Metal mit starken symphonischen Tendenzen wartet auf die gespannten Ohren der Dragonland-Fans. Sofort fällt auf, dass sich Dragonland wieder stärker an ihren ersten beiden Alben orientieren. Die progressiven Ausflüge der Alben STARFALL und ASTRONOMY scheinen damit der Vergangenheit anzugehören.
Weiter geht es mit dem leicht düsteren Mid-Tempo-Kracher "The Tempest". Mit gezielt eingesetzten Keyboard-Passagen bauen Dragonland hier eine sehr intensive Stimmung auf, die sich auch in den härteren Passagen durchsetzen kann. Damit ist der Band ein atmosphärisches Kleinod der Güteklasse A geglückt, das einen geschickten Kontrapunkt zum energiegeladenen Opener setzt.
Schließlich schwingt das musikalische Pendel bei "A thousand Towers white" wieder zurück in den melodischen Power Metal-Bereich. Wie schon beim Quasi-Opener lässt die Band hier starke Assoziationen zu den italienischen Kollegen von Rhapsody of Fire aufkommen. Schon die ersten Alben der Band erinnerten ja deutlich an die Italiener, doch während es sich bei den Frühwerken noch um bestenfalls leicht überdurchschnittliche Kopien handelte, erreichen Dragonland das Niveau der Vorbilder dieses Mal mühelos.
So ist dann auch "Fire and Brimstone" ein musikalisches Highlight geworden und weiß mit seiner atmosphärischen Mischung aus straighten Power Metal-Parts und symphonischen Elementen absolut zu überzeugen.
Einen wirklich Rhapsody of Fire-artigen ohrwurmlastigen Refrain hält der nächste Song namens "The black Mare" bereit. Klar, das ist eingängig, das ist kommerziell, das hat so gar nichts mehr von den progressiven Songs auf ASTRONOMY. Auf der anderen Seite ist der Titel aber definitiv nicht gezwungen auf Kommerz getrimmt, wie man jetzt vielleicht befürchten könnte. Nein, der Song hat durchaus Klasse und besitzt schlicht und einfach das Potential, die Ohren der Hörer sofort im Sturm zu erobern.
Mit "Lady of Goldenwood" wird es dann erst mal etwas ruhiger. Eine Ballade ist das zwar nicht, da der Song dafür ein wenig zu schnell eingespielt wurde, doch ist der Titel frei von harten Gitarrenklängen und basiert auf Akustikgitarren, sanften Keyboard-Klängen sowie einem Wechselspiel aus Jonas Heidgerts einschmeichelnden Vocals und den Worten der schon aus dem Intro des Openers bekannten Erzählerin.
Auch "Durnir’s Forge" ist nicht im Power Metal-Bereich angesiedelt. Hier setzen Dragonland auf stampfende Mid-Tempo-Rhythmen und düstere Gitarrenriffs und lassen damit Erinnerungen an den dritten Titel des Albums aufkommen. In Sachen Atmosphäre ist die Band hier wieder ganz vorne mit dabei.
Doch auch in Sachen Power Metal hat die Scheibe noch einiges zu bieten, beispielsweise das zwischen knüppelharten Gitarren- und besinnlichen Keyboard-Parts hin- und herpendelnde "The Trials of Mount Farnor", wo Dragonland wieder im oberen Geschwindigkeitsbereich agieren, ohne dabei ihr Gespür für eingängige Melodien zu vernachlässigen.
"Throne of Bones" stellt dann nicht mehr als eine kurze, aber überaus atmosphärische, von Erzähler-Gesang begleitete Überleitung zum Titelsong "Under the grey Banner" dar. Hier geben Dragonland noch einmal alles und bündeln sämtliche ihre Stärken, um dem Hörer einen atmosphärisch dichten, hochmelodischen und extrem abwechslungsreichen Metalkracher zu bieten. Melancholische Mid-Tempo-Abschnitte kommen dabei genauso zum tragen wie Blast-Beat-Passagen, in denen kurzzeitig sogar Death Metal-artige Grunts erklingen. Innerhalb von acht Minuten unternimmt die Band somit noch einmal eine hochinteressante Reise sowohl durch die Dragonland-Welt als auch durch die bunte Metallandschaft.
Nach einem derartigen Highlight kann natürlich nicht mehr viel kommen – sozusagen nichts bis auf die stimmungsvolle, leicht an Enya erinnernde Abschlussballade "Ivory Shores", welche das gelungene Finale eines erstklassigen, überaus stimmungsvollen Albums darstellt und auch gut auf den Herr der Ringe-Soundtrack gepasst hätte.

Fazit: Dass sich Dragonland auf diesem Level zurückmelden würden, hätten vielleicht noch einige insgeheim erhofft, aber wohl nur die wenigsten wirklich erwartet. Mit UNDER THE GREY BANNER hat die Band ein unglaublich intensives Klangerlebnis geschaffen, das in Sachen Atmosphäre sogar noch dichter ausgefallen ist als viele Rhapsody (of Fire)-Scheiben. Nun könnten natürlich einige enttäuscht sein, dass Dragonland den Kurs von STARFALL und ASTRONOMY nicht fortsetzen und anstelle eines weiteren Progressive Power Metal-Albums nun wieder eine symphonische Melodic Power Metal-Platte im Stil der ersten beiden Alben aufgenommen haben. Doch sei dazu angemerkt, dass UNDER THE GREY BANNER trotz allem keinen musikalischen Rückschritt darstellt. Die neue Platte ist zwar überaus eingängig, kommerziell und hier und da sicherlich auch kitschig ausgefallen und damit auch nicht annähernd so komplex wie die letzten beiden Werke. Doch Dragonland besitzen inzwischen die Fähigkeit, eingängige Titel zu schreiben, die im Endergebnis weder bieder noch billig, sondern schlicht und einfach atmosphärisch, intensiv und gefühlvoll anmuten. Damit ist UNDER THE GREY BANNER weit über dem Level der ersten beiden Dragonland-Alben angesiedelt und schlägt letzten Endes auch die letzten beiden Scheiben der Band um Längen. Dragonland ist hier eine Rückkehr zu alten Werten bei gleichzeitiger Steigerung der musikalischen Qualität gelungen und damit hat die Band nun endgültig ihren Platz in der absoluten Oberklasse des symphonischen Power Metals. Selten wurde die Höchstnote von 7 Punkten so knapp verfehlt wie hier. Da jene Note aber für Alben mit Klassiker-Potential und hohem Innovationsgrad vorbehalten bleiben sollte, gibt es für UNDER THE GREY BANNER eben ‚nur’ bombenfeste 6,5 Punkte.

Anspieltipps:
 Kein Ausfall, ausschließlich starke Songs, somit möge jeder der Titel als Anspieltipp dienen.

Tipp:
 Rhapsody of Fire-Fans sollten diese Scheibe unbedingt anchecken, hinterher aber nicht erschrocken sein, dass Dragonland inzwischen besser sind als die großen Vorbilder. Generell empfiehlt sich das Album aber allen Freunden der melodischeren Metal-Klänge.

Titel-Liste:
 
  1. Ilmarion
  2. Shadow o the Mithril Mountains
  3. The Tempest
  4. A thousand Towers white
  5. Fire and Brimstone
  6. The black Mare
  7. Lady of Goldenwood
  8. Durnir’s Forge
  9. The Trials of Mount Farnor
  10. Throne of Bones
  11. Under the grey Banner
  12. Ivory Shores

Laufzeit:
 56:02 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/dragonland 

  • Probehören und Kaufen:
    Dragonland: UNDER THE GREY BANNER

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