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Review: Dragonsfire
 
VISIONS OF FIRE

Album:
 VISIONS OF FIRE, 2008, Pure Steel

Stil:
 Heavy Metal, True Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 U.B., 01.06.2009

Review:
 Na was ist mir denn da für eine Scheibe auf den Tisch geflattert? Dragonsfire heißt das Quartett aus Hessen. Würde ich nicht immer vorurteilsfrei an die Sache rangehen hätte ich bei dem Bandnamen sofort an kitschigen Fantasy Metal mit Texten von Schwert schwingenden, mit Anabolikamuskeln bepackten Helden und Feuer speienden Drachenmonstern gedacht. Nun gut zugegeben, ich habe natürlich daran gedacht, aber der Name Dragonsfire ist auch wirklich kein Geistesblitz. Gruppen mit dem Feuer spuckenden Fluggetier im Logo gibt es auch schon mehr als genug, Dragonforce, Dragonhammer, Dragonland, Dragonlord fallen mir spontan ein. Der Hessen Vierer schickt sich nun an nach der in Eigenregie veröffentlichten Mini CD BURNING FOR METAL (der Titel: Dying For Metal war wohl schon belegt) die erste CD in voller Länge unter die Einwohner von Metalhausen zu werfen. Thassilo Herbert Vocals und Bass, Matthias Bludau Gitarre und Backing Vocals, Timo Rauscher Gitarre und Jan Müller Drums lautet die Besetzung. Dann wollen wir doch mal schauen was die Burgfräuleins, Ritter und Knappen von diesem Rundling zu erwarten haben und ob es den Jungs gelingt uns richtig einzuheizen oder gar die Ohrmuscheln zu verkokeln. Feuer frei!

Ohne Umschweife steigt "Devilīs Road" sofort kraftvoll ein. Die Drums dreschen los und die Gitarren lassen sich mit mächtigen Riffs auch nicht lumpen. Die Vocals von Thassilo Herbert klingen wie eine Mischung aus Lemmy von Motörhead und Joakim Broden von Sabaton, sehr heiser, rau und ehrlich. Wie bei Maiden wird häufig das Tempo und der Rhythmus gewechselt. Gegen Ende wird noch ein flottes Gitarrensolo eingeschoben bevor die Powerriffs die Oberhand gewinnen. Der Song ist ein echter Headbanger der besonders Live gewaltig für Stimmung sorgen dürfte.
Auf "Wings of Death" zündelt die Gruppe munter weiter und macht dem Hörer gehörig Feuer unter dem Hintern. Nach fräsenden Gitarren zum Einstieg ballern die Drums ohne Unterlass. Der melodische Refrain wird eingerahmt von heftigen Gitarrenattacken. Klar, ein wieselflinkes Gitarrensolo fehlt auch nicht. Ein Track der Marke Metal Sturm.
Nun, der Sturm entwickelt sich auf "Dragonsfire Rockxxx" zu einem ausgewachsenen Orkan. Das klingt verdammt nach Motörhead, vor allem die Drums wüten infernalisch in bester "Ace of Spades" Manier. Das Stück hat unglaublich Drive zumal sich auch die Gitarren alles andere als zurückhalten. Wer bei dieser mitreißenden Nummer die vor Spielfreude nur so sprüht noch stillsitzen kann, dem ist nicht zu helfen.
"Burning for Metal" hieß bereits die erste Mini CD. Den titelgebenden Song suchte man damals aber vergeblich auf der Scheibe, der wird erst jetzt nachgeliefert. Nach wirbelnder Leadgitarre geht es mit galoppierendem Rhythmus dahin. Was folgt ist eine True Metal Hymne reinsten Wassers. Die typischen Lyrics: Raise your Hands, Brothers united, standing tall we never fall, join our Crusade, sind nicht sonderlich originell, werden aber vom rauen Gesang so gut vorgetragen, dass man den Text spätestens beim dritten Abspielen lauthals mitsingt.
Mit "Rebellion - The Kingdom of Heaven" eröffnen Gitarren und Bass im Wechsel dann lehnt man sich an den leicht progressiven Stil von frühen Maiden an. Die fight, Death, kill Lyrics sind abermals eindeutig dem True Metal zuzuordnen. Das Stück überzeugt mit ungezügelter Power, nichts für Leute die ihre Unterwäsche mit Weichspüler waschen sondern mit dem Kettenhemd durch die Gegend laufen, in übertragenem Sinn.
Auf "The Defendant" erinnern die Drums an Cozy Powell mit "Dance with the Devil". Dann brennen sich die Gitarren mit ihren Riffs in die Gehörgänge, dazu gibt es einen hohoho Hintergrundchor. Die Vocals sind rau und ungeschliffen wie eh und je und passen hervorragen zu dieser Musik mit mächtiger Soundkulisse. Gerade als mir der Song etwas eintönig zu werden droht, sorgt man geschickt mit einem munteren Gitarrensolo für Abwechslung.
Ungewohnt moderne Klänge eröffnen "Shine on". Die Gitarren faden flott von einem Kanal zum anderen. Das Stück nimmt nun sehr schnell Fahrt auf, mit Betonung auf schnell. Auch hier gelingt Dragonsfire der Spagat aus eingängiger Melodie gepaart mit einer großen Portion Härte. Vom guten Songwriting künden die überraschenden Wendungen wie ein Basssolo und eine leise Passage mit Sprechgesang bevor man dem Streitross wieder die Sporen gibt.
Langsamer und schleppend startet "The other One". Die Vocals sind an den leisen Stellen längst nicht so heiser wie bisher. Nach diesem zögerlichen Auftakt legen Gitarren und Drums dann doch vehement los. Wie schon an einigen Stellen in den anderen Stücken finden sich hier nochmals progressive Züge und besonders die Gitarren klingen nach Maiden.
Zum Abschluss präsentiert Dragonsfire mit "Oath of Alliance" eine tolle Heavy Metal Hymne. Hier wird ein mächtiges Stück Stahl musikalisch geschmiedet. Der Refrain mit: We fight until Death is our Savior, ist ein Ohrwurm. Vom Tempo gezügelter als auf den meisten Nummern des Albums, rollt die Heavy Metal Walze dennoch wahrlich kraftvoll und episch. Der Song endet langsam mit akustischer Gitarre und den plötzlich nicht mehr rauenVocals sehr stimmungsvoll. Hier klatscht selbst Odin Beifall!

Fazit: Man sollte die Kampfkünste eines Ritters nicht an den Beulen in seiner Rüstung festmachen. So ist es auch mit Dragonsfire. Hinter dem in meinen Augen nicht sonderlich gelungenen Namen verbirgt sich eine Band die krachenden Heavy Metal mit Anleihen bei True- und Speed Metal macht, teilweise leicht progressiv angehaucht, und dabei mit Spielfreude nur so strotzt wie Gouverneur Arni in seinen besten Conan Zeiten mit seinem Bizeps. Die Jungs sind mit Feuereifer (anscheinend ist der Bandname doch ganz treffend) bei der Sache und präsentieren mit ihrem Erstling in voller Länge ein sehr melodisches, eingängiges Album. Vorbilder wie Manowar, Iron Maiden, Grave Digger und Motörhead sind unschwer zu erkennen, wobei sich Dragonsfire vor diesen bekannten Bands sicherlich nicht zu verstecken brauchen. Death to false Metal prangte auf manchen Booklets von Manowar. Und genau in diese Kerbe schlägt nun Dragonsfire, weniger mit markigen Sprüchen dafür um so mehr mit kraftvollen Songs die einen das imaginäre Schwert in den Himmel strecken lassen. Der Spirit des Heavy- und True Metal überzeugt auf ganzer Linie. Alle Musiker geben eine gelungene Vorstellung ab und auch das Songwriting überrascht positiv. Die Lyrics sind garantiert nicht ohne Klischees (im Gegenteil!) aber werden mit einem Augenzwinkern auch so sympathisch präsentiert da merkt man, dass sich Dragonsfire selber nicht todernst nehmen. Ich denke da nur an das lustige Video zu "Dragonsfire Rockxxx" das es auf der Homepage der Truppe und bei YouTube zu bewundern gibt in dem sich die Combo selber gepflegt auf den Arm nimmt. Während das letzte Manowar Album doch eine mittlere Enttäuschung war zeigen die Hessen wie es besser geht. Warum in die Ferne schweifen wenn wahrer Metal (hüstel) direkt vor der Haustüre, ich meine Burganlage, zelebriert wird. Es lebe der Teutonen Metal von Dragonsfire. Nur das mit der Anlieferung der CD üben wir noch etwas. Nicht so stillos mit der Post wie dieses Mal, bei Album zwei erwarte ich zumindest eine nach Rauch und Schwefel stinkende Brieftaube wenn schon kein kleiner Grisu den Transport übernimmt.

Anspieltipps:
 "Devilīs Road", "Dragonsfire Rockxxx", "Shine on" und "Oath of Alliance".

Tipp:
 Nachdem die True Metal Lanze von Manowar doch inzwischen etwas stumpf geworden ist halten Dragonsfire das Banner dieses Genre hoch. Für Anhänger von Wizard, Majesty, Paragon und Stormwarrior ist das vorliegende Album ein gefundenes Fressen.

Titel-Liste:
 
  1. Devil's Road
  2. Wings of Death
  3. Dragonsfire Rockxxx
  4. Burning for Metal
  5. Rebellion - The Kingdom of Heaven
  6. The Defendant
  7. Shine on
  8. The other One
  9. Oath of Alliance

Laufzeit:
 45:40 Min.

Band-Infos:
 
  • www.dragonsfire.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Dragonsfire: VISIONS OF FIRE

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