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Review: Dragonsfire
 
METAL SERVICE

Album:
 METAL SERVICE, 2010, Pure Steel

Stil:
 Heavy Metal, Power Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 30.07.2010

Review:
 Der Drachen, das mystische, Feuer speiende Fabelwesen (lateinisch: draco ignis) faszinierte die Menschen schon immer. Doch während in China der Drache als Symbol der Stärke und Weisheit verehrt wurde, hatte man im Mittelalter in unseren Breiten nichts Besseres zu tun als dieses prächtige Tier auszurotten. Nur weil dem Drachen einmal im Jahr eine Jungfrau geopfert wurde, fanden sich regelmäßig hormongesteuerte junge Männer die es sich in den Kopf gesetzt hatten die Dame wieder vom Speiseplan des Drachen zu streichen, nur um anschließend die Holde in ihr Bett zu zerren. Tierschützern treibt es noch heute angesichts dieser frevelhaften Taten die Zornesröte ins Gesicht. Zum Glück hat ein prächtiges Exemplar in Hessen überlebt und wird dort von vier Musikern gehegt und gepflegt. Thassilo Herbert Vocals und Bass, Matthias Bludau Gitarre, Timo Rauscher Gitarre und Jan Müller Drums heißen die sympathischen Tierschützer. Nach dem Album VISIONS OF FIRE von Ende 2008 hat mit METAL SERVICE der Drache erneut seine Höhle verlassen um abermals völlig hemmungslos im deutschen Heavy Metal Wald zu zündeln. Und sollte jung Siegfried, der Held aus dem Nibelungenlied, unerwartet auftauchen so ist ihm ein schneller Rückzug dringend anzuraten will er nicht als verkohltes Grillwürstchen enden.

Mit dem kurzen Intro "Welcome" werden wir höflich von einer Dame mit aufregend lasziver Stimme (verdammt sexy!) in der Hotline des Dragonsfire Callcenters begrüßt. Nun weiß ich endlich auch warum das HOT-line heißt und CALL-center. Da erklärt sich der Begriff Callgirl wohl von selber. Nachdem uns die Dame bedauernd mitgeteilt hat, dass alle Leitungen belegt sind werden wir mit "My mashed insane Brain" in die musikalisch sehr angenehme Warteschleife geschickt. Wie von Dragonsfire gewohnt gibt es klassischen Heavy Metal, flott mit wirbelnden Gitarren. Dazwischen nimmt die Truppe kurz den Fuß vom Gas bevor das Tempo wieder anzieht. Besonders der Chorus ist schön kraftvoll.
Auch auf "Raging Fire" spuckt der Drache mächtig Feuer. Mit heftigem Riffing und satten Ho-Ho Chören geht es los. Die fräsenden Gitarren und Thassilos Reibeisenstimme mit True Metal Shouts dazwischen tun ein Übriges damit sich der Song ins Gehör brennt. Hier handelt es sich um einen Track mit der gleichen Ohrwurmqualität wie "Dragonsfire Rockxxx" vom letzten Album, ein Headbanger par excellence. Nur die Lyrics, die das Motiv Rache behandeln, wollen nicht so ganz zu dem eher heiteren Charakter des Stücks passen. Wenn ich dann noch an das lustige Video auf der Homepage denke setze ich hier ein kleines Fragezeichen.
"Call of the Heart", der Ruf des Herzen, ups hat hier Schlagerbarde Hansi Hinterseher einen Gastauftritt? Gott sei Dank nicht, ich kann Entwarnung geben. Auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, es wird deftiger Metal serviert. Das Tempo wurde eine Spur reduziert. Die Melodie ist eingängig und der Chorus wurde besonders gefällig gestaltet, hier gibt es mehrstimmigen Gesang und einem Double Bass Wirbel. Etwa nach der Hälfte wird der Track mit einem Gitarrenriffsolo aufgelockert bevor vorübergehend Sprechgesang und die Drums wieder einsetzen. Für Dragonsfire Verhältnisse kann man die Nummer als Powerballade bezeichnen. Der Text legt dem Hörer nahe seinem Herzen zu folgen und nicht auf irgendwelche Anführer zu hören.
Mit für den Titel "The Devil" überraschend sanften Gitarrenakkorden und den nicht mehr gar so rauen Vocals dachte ich beim ersten Hören schon an eine Ballade. Allerdings nur wenige Sekunden, denn schon reißt der Drache den Rachen auf und mit dem fulminanten Einsatz aller Instrumente plus dem rotzig frechen Gesang blasen Dragonsfire jeden Gedanken an eine Ballade ins Reich der Elfen. Das Stück ist bei aller Kraft und den progigen Tempowechseln gut eingängig. Ein kleines Highlight stellt das Gitarrensolo begleitet von den düsteren Drums dar, bis der brachial walzende Rhythmus abermals einsetzt.
Mit "Blood for Blood" wildert Dragonsfire in Sabaton Gefilden. Auf der einen Seite erinnert die Stimme von Thassilo ohnehin an den Frontmann der Schweden, auf der anderen Seite behandelt man auch das Thema Krieg. "Raging fury under a desert sun….bombing their homes…", heißt es an einer Stelle. Hier ist wohl der Irak Krieg gemeint. Doch die Gemeinsamkeiten sind noch nicht vorbei. Genau wie Sabaton versteht der Hessen Vierer es bei ungezügelter Wildheit mit melodischen Qualitäten zu überzeugen.
"King without a Crown" legt los mit mächtigem Drumgewitter. Die Vocals haben gar einen kleinen dämonischen Unterton. Hier gibt es außer mehrstimmigem Gesang und Maiden Gitarrenriffs plötzlich ein ungewohnt sanftes Zwischenspiel der beiden Sechssaiter völlig ohne Drum Unterstützung. Auf die Tempoforcierung braucht der Hörer aber nicht lange zu warten. Ein abwechslungsreiches Stück.
Sprach ich oben von einem Drachen der Jungfrauen verschlingt so tut das Hessen Monster genau das Gegenteil. Es huldigt den (eisernen) Jungfrauen. "Time of Twilight" ist in bestem Sinne an Iron Maiden angelehnt. Nach einem waschechten Maiden Gitarren Intro folgen tolle Hooklines und ein mitreißender, galoppierender Rhythmus, das dürfte Live für wehende Haarmähnen sorgen. In den Passagen ohne Vocals starten die Gitarren kurze Soli. Das Ende bildet das Gitarrenthema vom Anfang nur sind jetzt auch die Drums dabei.
"Visions of Fire" so hieß schon das letzte Album. Nun schiebt das Schuppentier den passenden Song nach, ein typischer Dragonsfire Hammer und das bedeutet für Jan Müller am Schlagzeug schweißtreibende Schwerstarbeit mit viel Double Bass und reichlich Einsatz sämtlicher Toms und Becken. Munter preschen die Gitarren nach vorn als wollten sie vor den bedrohlichen rasenden Drums davonlaufen. Die Textstelle "don´t stand in our way" sollte man tunlichst befolgen sonst macht der Drachen Kleinholz. Gut gefallen mir die geschickten Wechsel unterschiedlichster Tempi.
Auch "Ghosts" besitzt die galoppierenden Maiden Rhythmen. Die mehrstimmigen Vocals sind teils im Chor an anderer Stelle zeitlich leicht versetzt. Hier hat man im Studio viel Aufwand betrieben der sich aber auszahlt, das klingt satt und voll. In einer ruhigen Phase klingen die Drums solo wie der dumpfe Herzschlag (des Drachen?), bis die Metal Attacke wieder über den Hörer hereinbricht.
Mit "To Hell and back" dürfen wir den Drachen noch ins unterirdische Reich begleiten. Hier wartet ein Power Metal Kracher mit alles zerstörenden, wummernden Drums, vielen plötzlichen Tempoänderungen einem starken Hintergrundchor und Kraft ohne Ende. Da schwenkt auch Luzifer die weiße Fahne.
Mit "Lost Melody" täuschen Dragonsfire erneut links eine Ballade an (ich dachte beim Titel sofort an "Unchained Melody") um dann rechts auf der Metal Spur zu überholen. Vielleicht sollte Michael Schumacher mal Nachhilfe in Hessen nehmen. Nach stampfenden Drums und hellen Gitarrenklängen legen die Sechssaiter mächtig mit betont rhythmischen Riffs vor, Maiden lässt grüßen. Es gibt häufig Tempo- und Rhythmusvariationen, richtig progig. Bei den hymnischen Ho-Ho Hintergrundchören sind die treibenden Drums zwar ständig präsent aber geschickt leiser gemixt um den Chor nicht zu verdecken. Im zweiten Teil legen die Gitarren mit teils sehr schnellen Soli los bevor ein langsames Fade Out einsetzt bis nur noch die beiden Gitarren leise verhallen. Eine gute Schlussnummer bei der gerade das sanfte Ende ein gelungener Rausschmeißer ist.

Fazit: Ja, der musikalische Energy Drink aus Hessen ist wieder da. Red Bull verleiht bekanntlich Flügel doch die hat Dragonsfire schon lange so, dass das Quartett aus Hessen auf die österreichische Brause mit Gummibärchengeschmack getrost verzichten kann. Grisu der kleine Drachen aus den Zeichentrickfilmen will immer Feuerwehrmann werden. Diesen Berufswunsch hegen seine großen Brüder von Dragonsfire eher nicht, da betätigt man sich doch lieber als Heavy Metal Pyromanen. Nach einem heißen Juli heizen Dragonsfire uns nun ab dem sechsten August mit METAL SERVICE ein. Doch während ich dem sauren Äbbelwoi aus Hessen nicht viel abgewinnen kann mundet mir die Mucke von dort erheblich besser. Mit klassischem Heavy Metal, rau und ehrlich mit viel Power aber ohne ständiges Tempogebolze, eingängig und melodisch werden meine Gehörnerven gekitzelt. Thassilo Herbert der stämmige Mann mit der modischen Kurzhaarfrisur lässt seinen Bass aggressiv brummen wie ein kanadischer Grizzly dem man eine Schrotladung ins Hinterteil gejagt hat. Seine Stimme legt den Verdacht nahe er gurgelt mit Glasscherben und rostigen Nägeln. Die Gitarristen Matthias Bludau und Timo Rauscher lassen die Saiten glühen wie Drähte in einem Toaster und Jan Müller der Schlagzeuger prügelt auf die Drums ein wie Vladimir Klitschko auf seine Gegner im Ring. Die Stücke sind noch etwas ausgefeilter als auf dem Vorgänger Album und auch abwechslungsreicher. Man setzt eine Spur weniger auf reine Power, die Gitarrensoli sind teils filigraner, die Gesangslinien gefälliger besonders die mehrstimmigen Abschnitte unterstützt durch einen Hintergrundchor geben dem Ganzen einen epischen Anstrich. Die Drums, schon auf der VISIONS OF FIRE von der Marke Naturgewalt, spielen variabler mit tollen Drum Fills. Die progressiven Elemente haben zugenommen, man wandelt des Öfteren auf Iron Maiden Pfaden. Die Produktion lag erneut in den bewährten Händen von Rolf Munkes in den Empire Studios. Entsprechend klar und druckvoll klingt das Ganze. Zwar nehmen Dragonsfire ihre Musik sehr ernst tragen die Stücke aber mit einem Augenzwinkern und viel Spaß an der Sache vor. Vielleicht liegt es doch am Äbbelwoi, sauer macht bekanntlich ja lustig. Wobei die Lyrics alles andere als fröhlich ausgefallen sind, im Gegenteil die Themen sind durch die Bank recht düster. Dieser Kontrast wird besonders deutlich beim Video zu "Raging Fire", welches man auf der Homepage der Band ansehen kann, da scheut sich die Truppe auch nicht sich selber gepflegt auf den Arm zu nehmen. Ein Zug der den oft verknöchert ernsten Recken von vielen anderen Heavy Metal Bands gut zu Gesicht stehen würde. Die Spielfreude und der Humor haben Dragonsfire längst zu einem Tipp bei Live Auftritten gemacht. Und eine Jungfrau muss man dem Drachen auch nicht opfern, ich habe mir sagen lassen der Drachen lässt sich auch durch kühle Bierchen besänftigen. Wales hat den Drachen im Banner, die vier Hessen tragen ihn im Herzen. Da wünsche ich dem Untier noch ein langes Leben.
Hat Dragonsfire mit METAL SERVICE alles richtig gemacht? Fast alles. Eine Sache ist mir negativ aufgefallen und die ist aus meiner Sicht sehr traurig. Mir ist es trotz ungezählter Versuche nicht gelungen unter der im Bocklet genannten Telefonnummer die junge Dame auf dem Cover zu kontaktieren. Hey Jungs, könntet ihr da vielleicht was für mich tun?

Anspieltipps:
 Zu meinen Favoriten zählen: "Raging Fire", Call of the Heart", "The Devil", "King without a Crown", "Time of Twilight". Das ist zugegeben eine subjektive Auswahl. Ein Ausfall ist sowie nicht zu verzeichnen.

Tipp:
 METAL SERVICE wendet sich an alle die es gern mächtig krachen lassen. Eine Mischung aus True- und Power Metal mit dem Qualitätssiegel Made in Germany wird hier geboten. Die teutonische Heavy Metal Eiche steht wie ein Fels in der Brandung, Freunde von Manowar, Iron Maiden, Majesty, Sabbaton und Wizard sollten die Ohren spitzen.

Titel-Liste:
 
  1. Welcome
  2. My mashed insane Brain
  3. Raging Fire
  4. Call of the Heart
  5. The Devil
  6. Blood for Blood
  7. King without a Crown
  8. Time of Twilight
  9. Visions of Fire
  10. Ghosts
  11. To Hell and back
  12. Lost Melody

Laufzeit:
 55:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.dragonsfire.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Dragonsfire: METAL SERVICE

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