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Review: Dream Theater
 
BLACK CLOUDS & SILVER LININGS

Album:
 BLACK CLOUDS & SILVER LININGS, 2009, Roadrunner

Stil:
 Progressive Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.P., 08.02.2010

Review:
 Zum 10ten Studioalbum haben sich Dream Theater etwas besonderes einfallen lassen. Nicht, dass ein Album mit mehreren CDs für die Progger aus New York etwas völlig neues wäre.
Die Special Edition von BLACK CLOUDS & SILVER LININGS weist ein schönes Digipack mit insgesamt drei Silberlingen auf. Der erste Dreher trägt das normale Studioalbum, dass allein schon mit einer beachtlichen Länge von 75:28 Minuten daherkommt. Die 2te CD beinhaltet sechs Coverstücke deren Komponisten auch nicht jedem Hörer geläufig sein dürften. Auf CD Nummer 3 befindet sich, man höre und staune, nochmal das normale Album nur ohne Sänger James LaBrie in einer Instrumentalversion.

Wer Dream Theater schon einmal live bewundern durfte, kann sich denken, dass der Opener "A Nightmare to Remember" auch der Auftakt der gleichnamigen Tour für 2009 darstellen könnte. Mit Donner und Regen startet die Band den knapp über 16minütigen Track. Dem Donner folgt eine Wand aus Gitarre und 16tel Doublebass. Hier wird deutlich, dass die Band, trotz ihrer Ausflüge in teils sehr balladeske Stücke, ihren Ursprung im Metal hat. Der unverkennbare Stil der Band ist unter tausenden von Bands herauszuhören, ohne dass Sänger LaBrie auch nur einzigen Ton gesungen hat. Nach ca. zwei Minuten führt er den Song mit einer rhythmisch akzentuierten Figur weiter. Nach einigen Soundeffekten wie quietschender Reifen, Polizeisirenen und Beatmungsgeräten nimmt sich der Song ein gegensätzliches Thema vor. Ein wunderschöner mehrstimmiger Refrain verwandelt die vorerst dunkle in eine weitaus hellere Stimmung. Danach solieren Gitarrengenie Petrucci und Keyboardhexer Rudess abwechselnd für ca. zwei beeindruckende Minuten. Hinter der Schießbude von Drummer Portnoy kamen immer schon gesangstechnische Beiträge hervor, jedoch hat dieser nicht erst seit SYSTEMATIC CHAOS sein Faible für Sprechgesang entdeckt. Diese Einwürfe klingen jedoch etwas deplaziert und verfehlen völlig ihren düsteren Effekt. Das eigentliche Thema wird wieder aufgegriffen und zum Ende von Portnoy nochmal mit 32stelln untertrommelt.
Es bleibt nur zu vermuten, dass die Hauptsongwriter Petrucci und Portnoy auch einen erheblichen Einfluß auf die Gesangslinie LaBries haben. Im Vers von "A Rite of Passage" bedient sich LaBrie jedenfalls erneut einer rhythmischen Figur, die zwar sein Facettenreichtum beweist, jedoch seine Gesangsqualitäten und sein Melodiegespür nicht zur Geltung bringt. Auch im 2ten Song der ersten CD gibt es ein Hauptthema, dass nach dem Vers später in einem waschechten Sing-along-Refrain mündet. Die Bridge wird von einem Riff eingeläutet, das sich auch gut auf einer Megadeth Platte befinden könnte. Nach einem klassischem Solospiel von Petrucci folgt Rudess mit einem virtuosen Ausklang der Bridge, die dadurch etwas plump angehängt wirkt.
Für Dream Theater-Verhältnisse ist "Wither" mit 5:25 durchaus singletauglich. Klavier und Streicher machen diesen Song für manche Gemüter vielleicht etwas schmalzig. Auch der Text trägt seinen Teil zum Weltschmerz bei. Dabei bekommt der Hörer wirklich schöne Melodien geboten, die zwar nicht völlig neu sind, aber im ganzen eine stimmige Komposition ausmacht.
Nachdem das Auge des Sturms noch in den Gehörgängen nachhallt, beginnt "The Shattered Fortress" wieder mit mehr Gitarre und ein wenig Nostalgie. Gern bedient sich die Band in aktuellen Werken ihrer früheren Auskopplungen. Dieser Titel besteht weitestgehend aus Teilen älterer Songs wie "This Dying Soul", dem großartigen "The Glass Prison" und "The Root Of All Evil". Zuerst stieß dieses Patchwork bei mir negativ auf, doch ist aus den ganzen Teilen immerhin doch ein eigenständiger Titel endstanden. Für DT-Fans sicherlich eine ungewöhnliche Erfahrung.
Bei "The Best of Times", dass am Anfang mit Klavier und Violine verwöhnt, wechselt Petrucci von Akustik zu Zerre um ein wahres Geflecht aus Tönen zu formen. Musikalisch ist es der Song mit der meisten positiven Stimmung, obwohl Portnoy textlich den Tod seines Vaters verarbeitet. Das Hauptthema wird später durch Streicher fortgeführt während die Dynamik sogar bis zur einer reinen Akustikbegleitung absinkt. Zum Ende steuert Petrucci abermals sein fantastisches Gitarrenspiel bei, bei dem er das Thema ständig aufrechterhält. Insgesamt ein Titel, der sich gut in das Album einfügt, jedoch nicht langfristig hängenbleibt.
Für mich ist "The Count of Tuscany" der beste Titel der drei Silberlinge. Das liegt an der Vielfalt des fast 20minütigen Stückes und der Eingängigkeit des Refrains. Nach vier Minuten steigt James LaBrie erst mit dem Gesang im Up-Tempo gehaltenen Vers ein. Der Refrain kommt zwar etwas überraschend und auch Vers zwei beginnt zuerst in Halftime, doch fügt sich später alles ineinander. Darauf folgt ein Solo, dass live definitiv für Gänsehaut sorgen wird. Ungefähr ab Minute 15 reduziert sich die Band nochmal auf Gesang und Gitarre um erneut die Spannungskurve von neuem ansteigen zu lassen. Der Song schließt mit Petruccis Gitarre, die über dem Thema des letzten Songs von CD eins trohnt.

Bei Coverversionen kann man sich den Mund darüber zerreißen, ob das neue Klanggewand dem Song zuträglich ist oder nicht. Interessant ist es allemal DT fremde Kompositionen spielen zu hören.

Zur dritten CD kann man nur sagen - es funktioniert auch ohne Sänger. Instrumental unterscheiden sich die Tracks nur unwesentlich von den Versionen auf CD eins. Doch steht und fällt ein Song nunmal mit dem Gesang. Mit James LaBrie haben seine Musikerkollegen einen der facettenreichsten Sänger der härteren Musik zu verzeichnen. Und Dream Theater wären ohne Sänger mit Sicherheit jetzt nicht da wo sie jetzt sind.

Fazit: Ein weiteres tolles episches Album, dass die Band sich da geleistet hat. Es gibt kein Ausfall zu beklagen, alle Songs haben ihre Daseinsberechtigung. Die 2 extra CDs der Special Edition sind für DT-Fans eine schöne Erweiterung. Ich bleibe jedoch lieber beim Original.

Anspieltipps:
 "A Nightmare to Remember", "Wither" und "The Count of Tuscany".

Titel-Liste:
 
  1. A Nightmare to Remember
  2. A Rite of Passage
  3. Wither
  4. The Shattered Fortress
  5. The Best of Times
  6. The Count of Tuscany

Laufzeit:
 75:28 Min.

Probehören und Kaufen:
Dream Theater: Black Clouds & Silver Linings

 
 
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