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Review: Dream Theater |
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Album:
| | A DRAMATIC TURN OF EVENTS, 2011, Roadrunner |
Stil:
Wertung:
| |  6 von 7 Punkten | | U.B., 29.11.2011 |
Review:
| | Groß war die Spannung bei allen Prog Fans auf das neue Album. Wie würde die bekannteste Progressive Metal Band der Welt wohl klingen nach dem Weggang von Gründungsmitglied und Ausnahmedrummer Mike Portnoy. Der Titel des inzwischen elften Studioalbums suggeriert zweierlei. Ist das Ausscheiden von Portnoy, nach über 25 Jahren Zugehörigkeit, ein dramatisches Ereignis für die Band und/oder hat sich der Stil der New Yorker dramatisch geändert? Dass der Ausstieg nicht in Freundschaft erfolgte und es zum großen Knall kam dürfte bekannt sein. Zwischen Portnoy und Sänger LaBrie brodelte es ohnehin schon länger. Von einer Klage Portnoys war zu hören bezüglich der Verwendung des Bandnamens. Inzwischen scheint man sich außergerichtlich geeinigt zu haben. Nun war Portnoy nicht nur Drummer, Co-Producer, Sprachrohr und selbsternannter Bandleader sondern neben John Petrucci eben auch der Mann der die meisten Songs geschrieben hat. Da bewegten sich die Gefühle der Anhänger zwischen Hoffen und Bangen wie das Ergebnis nach dem Split aussehen würde. Ein Blick ins Booklet zeigt, Rudess und Myung sind erheblich stärker beim Schreiben der Songs engagiert als früher. Eines muss man Dream Theater lassen, die Neubesetzung an der Schießbude mit Mike Mangini der schon für Steve Vai, Extreme, Steve Perry und Annihilator tätig war, wurde sehr medienwirksam ausgeschlachtet.
Leise Gitarren eröffnen "On the Backs of Angels" ausgestattet mit epischer, melancholischer Melodie mit dezenten Synthies im Hintergrund. Erst später gibt es energische Riffs und schnelle Keyboards. Trotz unzähliger Rhythmuswechsel ist das Stück eingängig. Im letzten Drittel werden ruhige Piano Passagen nahtlos abgelöst durch ein Gitarrensolo. Der Song steigert seine Spannung bis zum Schluss.
Härter, mit düsteren nach Tony Iommi Manier tiefer gestimmten Gitarren kommt "Built me up, break me down" daher. Die Vocals sind stellenweise elektronisch leicht verfremdet was sehr modern klingt. Das Stück zeichnet sich aus durch die schlüssige Verbindung zweier unterschiedlicher Stimmungen und passt daher ausgezeichnet zum Titel. Tastenmann Rudess sorgt für eine Orchestrale Begleitung. LaBrie glänzt mit einer makellosen Gesangsleistung. Der Chorus ist das Sahnehäubchen, tolle Atmosphäre.
Hufgetrappel und Windgeräusche sind der Auftakt zu "Lost not forgotten". Nach sanftem Piano wird der Song schnell intensiver sobald die anderen Instrumente das Piano verdrängen. Einige konfuse Jazz- artige Abschnitte mit wilden Gitarren- und Keyboardläufen mischen sich hier ein, da geht DT der Gaul durch wie in früheren Zeiten und man tobt sich genüsslich aus. Die Vocals pendeln zwischen energisch und schmeichelnd und passen sich den Stilsprüngen an. Ein frickeliges Gitarrensolo wie man es von Petrucci kennt gibt es noch oben drauf.
Mit "This is the Life" gibt es die erste von insgesamt drei Balladen. Das Stück ist sehr gefühlvoll mit untermalender Gitarre und Keyboard, dazu klassisches Piano. Beinahe schon zu viel Zuckerguss, doch gegen Ende gewinnt der Song an Fahrt durch den verstärkten Einsatz der Instrumente und so gerät die Nummer nicht zu weich.
"Bridges in the Sky", was für ein poetischer Titel. Nach einigen Soundspielereien und choralem Gesang mit zarter Keyboard-Begleitung zünden urplötzlich heftige Gitarren und treibendes Schlagzeug. Die harmonischen und betont melodischen Gesangslinien zeigen LaBrie in toller Form. Hier sind DT wie gewohnt sehr progig und verstehen es mit vielen Wendungen den roten Faden und Fluss dennoch beizubehalten.
Beim über 11 minütigen "Outcry" hat die Truppe reichlich Gelegenheit ihren Prog Sound zu zelebrieren. Nach einzelnen, sparsamen Pianotönen brausen die Instrumente auf. Dann serviert uns DT ruhige Abschnitte mit gehauchten Vocals. Im Mittelteil geht es ausgesprochen progressiv, verspielt und experimentell zur Sache. Petrucci sprach von „instrumental madness“ was die Sache treffend beschreibt, eher etwas für erfahrene Prog Hörer denn das ist nicht gerade leicht verdaulich. Das mit deutlichen Zäsuren durchsetzte Stück strotzt nur so vor unterschiedlichster Tempi.
Ein für Dream Theater Verhältnisse ungewöhnlich kurzes Stück ist "Far from Heaven". Ballade Nummer zwei umweht eine traurige Stimmung mit Piano und Celloklängen in Moll. An einigen Stellen gewinnt der Song an Spannung wirkt aber meist nachdenklich lethargisch, was ich gar nicht negativ meine.
"Breaking all Illusions" ist sicher eins der besten Stücke der Scheibe, holen DT hier doch gekonnt zum Rundumschlag aus. Das Ganze ist sehr vielschichtig, verhaltene Phasen wechseln laufend mit schnellen. Da wirbeln Keyboards mit hohem Tempo, dann begeistert ein verträumtes Gitarrensolo. Die sich ständig verändernden Eindrücke sind fast eine Reizüberflutung. Getragen wird die Nummer von einer mitreißenden Melodie. Großes Dream Theater Kino auf der Gefühlsleinwand. Was auf den ersten Eindruck an den auf den Hörer abgeschossenen Melodiebögen wirr und konfus wirkt, erschließt sich erst bei mehren Durchläufen.
"Beneath the Surface" ist der sanfte balladeske Ausklang. Die Geräusche von auftreffenden Wassertropfen und weicher Akustikgitarre, unterlegt mit reichlich Keyboard Streichern und eine unter die Haut gehende Melodie vermitteln so etwas wie Erhabenheit. Da wirken die wenigen futuristisch angehauchten Keys die nach Flöten klingen auch nicht störend.
Fazit: Dream Theater klingen immer noch wie Dream Theater und doch anders. Wurde man auf den letzten Alben fast beständig härter und gerieten viele Stücke immer mehr zur Demonstration des außergewöhnlichen Könnens der Musiker an ihren Instrumenten, so vollzieht die Truppe mit A DRAMATIC TURN OF EVENTS eine deutliche Wendung hin zu früheren Alben. Die Songs sind viel luftiger und erheblich eingängiger, dabei emotional stark. Mehrfach fühlte ich mich an IMAGES AND WORDS erinnert oder an das Meisterwerk METROPOLIS Pt. SCENES FROM A MEMORY. Die Melodien überzeugen mehr als auf den Alben der letzten Jahre und dürften auch Leuten die sich nicht als reine Prog Metaller sehen, gefallen. Kann Mike Mangini den anderen Mike ersetzen? Die Antwort ist ja und nein. Mangini ist ebenfalls ein Könner seines Fachs und gefällt durch variables Spiel doch die Brillanz eines Portnoy erreicht er (noch) nicht. Die Drums stehen erheblich weiter im Hintergrund als bisher und die Kabinettstückchen eines Portnoy sucht man vergebens. Doch die Sache hat auch ein Gutes, die Band wirkt viel homogener als zuvor. Die Gigantomanie Portnoys ist weg, man denke nur an seine überdimensionalen Drumkits Siamese Monster und Mirage Monster. Sänger James LaBrie klingt als wäre ihm eine große Last von der Seele gefallen. Auf der Homepage spricht Labrie von: "newfound freedom". Die Vocals klingen sauber und klar. Bei den Balladen beweist der Mann am Mikro enormes Gespür für die jeweilige Stimmung. So einfühlsam klang LaBrie lange nicht mehr. Auch Keyboarder Jordan Rudess dürfte über den Weggang Portnoys alles andere als betrübt sein. Sein Anteil am Sound ist deutlich gestiegen. Die Hooklines sitzen auf den Punkt. Der Schwerpunkt lag auf, Zitat Petrucci: "melodic element pretty high up on the list of priorities." Von: „strong melodies“ spricht er weiter, bei genügend Härte. Ob die Balance aus Melodie und Härte gelungen ist sollte jeder für sich entscheiden, eines ist aber schnell klar, die DRAMATIC TURN OF EVENTS ist erheblich sanfter ausgefallen als die Vorgänger. Auch bei den Lyrics erkennt man den Verarbeitungsprozess den der Hinauswurf (nichts anderes war es) von Portnoy ausgelöst hat. Die Texte (alle geschrieben von Petrucci) thematisieren große Veränderungen einzelner Personen oder Gruppen wie gerade im mittleren Osten. Dream Theater wirken als homogene Band und nicht mehr nur als tolle Einzelkönner. In jedem Neuanfang (wenn man überhaupt nach dem Ausscheiden von Portnoy davon sprechen will) liegt bekanntlich auch eine Chance und die haben die New Yorker ganz klar genutzt. Sicher werden sich nicht wenige Leute daran stören, dass direkt drei Balladen auf der Scheibe sind. Doch da die Qualität stimmt nehme ich keinen Anstoß daran. Bei einer Laufzeit von 77 Minuten wird der Musikfreund großzügig bedacht. Auch das Booklet ist aufwändig gestaltet. Sind Dream Theater noch/wieder die absolute Speerspitze des Prog Metal? Na, nicht ganz, denn da sind ja noch Vanden Plas und was die mit ihren letzten beiden Alben abgeliefert haben ist meiner bescheidenen Meinung nach noch eine kleine Stufe besser. |
Anspieltipps:
| | "On the backs of Angels", "This is the Life", "Bridges in the Sky", "Outcry", "Breaking all Illusions" |
Tipp:
| | Dream Theater Anhänger können das Album unbesorgt kaufen, die Band präsentiert sich in stärkerer Form als seit langer Zeit. Wer auf melodischen Prog Metal steht wird hier vor Freude mit der Zunge schnalzen. DT hat die alten Fans nicht verschreckt und wird sogar noch neue hinzugewinnen. |
Titel-Liste:
| | - On the Backs of Angels
- Built me up, break me down
- Lost not forgotten
- This is the Life
- Bridges in the Sky
- Outcry
- Far from Heaven
- Breaking all Illusions
- Beneath the Surface
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Laufzeit:
Probehören und Kaufen:
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